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Ivo Ilicevic (M.) startete seine Profikarriere 2005 bei Darmstadt 98

München - Nach seiner Zeit beim HSV spielte Ivo Ilicevic zuletzt kurz in Russland. Bei SPORT1 spricht er über die Hanseaten, Trainer Markus Gisdol und seine Zukunftspläne.

Ivo Ilicevic war eines der Gesichter der Rettung.

Als der Hamburger SV 2015 in der Relegation gegen den Karlsruher SC den Klassenerhalt schaffte, hatte der Deutsch-Kroate großen Anteil daran.

Seine fünf Jahre bei den Hanseaten stehen jedoch nicht immer unter einem guten Stern. Ilicevic verlässt die Rothosen im Sommer 2016 und wechselt zum russischen Klub Anschi Machatschkala. Doch was er dort erlebt, bringt ihn zum Nachdenken.

Der Präsident geht und damit auch der Geldgeber des Klubs. Im SPORT1-Interview spricht Ilicevic über seine Zeit in Russland, den HSV, seinen Ex-Trainer Bruno Labbadia - und eine mögliche Rückkehr in die Bundesliga.

SPORT1: Herr Ilicevic, warum ist Ihre Zeit bei Anschi Machatschkala schon wieder vorbei?

Ivo Ilicevic: Es waren vier Monate. Der Präsident ist abgesprungen und dadurch gab es einige Veränderungen im Verein. Ich hatte ein Gespräch mit den Verantwortlichen, bei dem mir gesagt wurde, dass ich ablösefrei gehen kann.

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SPORT1: Wie blicken Sie zurück auf die Zeit in Russland?

Ilicevic: Meine Zeit war sehr gut, ich habe mich wohl gefühlt. Der Klub Machatschkala ist nicht direkt in Moskau, sondern ein Stück außerhalb. Wir sind immer gependelt, hatten in Moskau ein Top-Trainingszentrum und ich hatte in der Nähe ein Haus. Wir sind immer zu den Heimspielen geflogen. Es war natürlich etwas anders als in Deutschland, aber es war beruflich und privat wirklich okay.

SPORT1: Wollen Sie zurück in die Bundesliga?

Ilicevic: Natürlich kann ich mir vorstellen, wieder in die Bundesliga zu wechseln. Es ist eine der stärksten Ligen in Europa und das ist mit Sicherheit eine Option für mich. Ich kann mir vieles vorstellen, deshalb habe ich den Schritt nach Russland gewagt, um etwas ganz Neues zu erleben. Ich kann mir auch vorstellen, in Russland zu bleiben.

SPORT1: Ihre längste Zeit war beim Hamburger SV. Wie denken Sie zurück an diesen Karriere-Abschnitt?

Ilicevic: Ich war fünf Jahre in Hamburg und es war eine schwierige Zeit mit Ups und Downs. Zwei Mal mussten wir in die Relegation, das war alles andere als eine leichte Situation. Ich hatte immer wieder Verletzungsprobleme und konnte nie wirklich meinen Rhythmus finden. Die ersten dreieinhalb Jahre waren extrem hart für mich. Aber das letzte Jahr beim HSV war für mich das Beste in meiner Karriere. Ich konnte 31 Spiele machen und konnte ähnlich wie in Russland zuletzt regelmäßig zeigen, was ich kann.

SPORT1: Sie sagten, Ihr bestes Jahr beim HSV sei das letzte gewesen. War demnach Bruno Labbadia Ihr bester Trainer?

Ilicevic: Ja, ich hatte unter ihm mit Sicherheit meine beste Zeit. Ich kenne Bruno schon sehr lange, er ist ein besonderer Trainer für mich. Unter ihm habe ich in Darmstadt und in Fürth gespielt. Er kennt mich ganz genau. Wir hatten in Hamburg einige Trainer (lacht), aber Bruno war der Beste. Leider habe ich schon länger nichts von ihm gehört.

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SPORT1: Kritiker sagen oft, Sie seien ein schwieriger Profi. Haben diese Leute Recht?

Ilicevic: Nein. Ich habe mich auch in schwierigen Momenten beim HSV gegenüber jedem professionell und korrekt verhalten. Der Verein wusste, was für Qualitäten ich habe, wenn ich fit bin. Ich bin ein ruhiger Typ, mit dem man keine Probleme bekommt. Nach vier Jahren hat Bruno sich dafür eingesetzt, dass mein Vertrag verlängert wurde. Ich bin kein schwieriger Profi, habe nie Ärger gemacht. Selbst unter Joe Zinnbauer als Trainer, als es für mich keine gute Phase war, ich nicht mit ins Trainingslager fahren durfte und man mich raus haben wollte, bin ich ruhig geblieben und habe keinen Ärger gemacht.

SPORT1: Unter Trainer Markus Gisdol läuft es beim HSV inzwischen besser. Warum kam der HSV in Ihrer Zeit nie zur Ruhe?

Ilicevic: Das ist schwer zu sagen. Es ist ein geiler Klub mit tollen Fans und einem wunderschönen Stadion. Ich hoffe, dass sich der Verein fängt und unter Herrn Gisdol dauerhaft zurück in die Erfolgsspur findet. Die vielen Trainerwechsel waren mit Sicherheit Gift für ein kontinuierliches Arbeiten. Auch die ständige Unruhe in der Vorstandsetage war alles andere als vorteilhaft für die Mannschaft. Es herrschte Chaos pur. Jetzt freue ich mich für ganz Hamburg, dass es dem Verein etwas besser geht. Zuletzt wurden gute Entscheidungen getroffen.

SPORT1: War es eine gute Entscheidung, sich von Dietmar Beiersdorfer zu trennen?

Ilicevic: Er hat sicher nicht alles richtig gemacht, aber ob es richtig war, ihn zu entlassen, will ich nicht beurteilen. Ich schätze Herrn Beiersdorfer als aufgeschlossenen Menschen. Ich hatte nie ein Problem mit ihm, die Gespräche zwischen uns waren immer gut. Ich kann nichts Negatives über ihn sagen. Beiersdorfer hatte es sicherlich auch nicht immer leicht. In diesem unruhigen Umfeld zu arbeiten, war bestimmt nicht leicht. Charakterlich ist Beiersdorfer top. Ich wünsche ihm alles Gute.

Hamburger SV v Karlsruher SC - Bundesliga Playoff First Leg
Ivo Ilicevic feiert sein Tor zum Ausgleich im Hinspiel der Relegation 2015 gegen den Karlsruher SC © Getty Images

SPORT1: Was sagen Sie zu seinem Nachfolger Heribert Bruchhagen?

Ilicevic: Man muss abwarten, ob unter ihm alles besser wird. Alles auf ihm abzuladen, ist sicher nicht richtig. Ich kenne Herrn Bruchhagen persönlich nicht, habe aber einen guten Eindruck von ihm. Er hat bei Eintracht Frankfurt einen richtig guten Job gemacht und er weiß, was er zu tun hat. Bruchhagen hat eine klare Linie, die dem HSV sicher gut tun wird. Ich hoffe, dass unter ihm wieder dauerhaft Ruhe reinkommt und dass der positive Trend, den man zum Ende des alten Jahres da war, anhält. Das haben die Menschen einfach verdient.

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