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Uli Borowka (l.) spielte in der Bundesliga für Borussia Mönchengladbach und Werder Bremen

München - Zu seiner aktiven Zeit wurde Uli Borowka "Die Axt" genannt. Bei SPORT1 zerlegt er jetzt seinen Ex-Klub Werder Bremen. Und schlägt einen Nachfolger für Trainer Alexander Nouri vor.

Einen wie Uli Borowka könnten sie bei Werder Bremen gerade gut gebrauchen.

Die "Axt", wie der frühere Abwehrspieler aufgrund seiner rustikalen Spielweise genannt wurde, scheute keinen Zweikampf, nicht wenige Gegner hatten sogar Angst vor ihm.

Beim Blick auf die aktuelle Tabelle wird schnell klar, warum Borowka, der von 1987 bis 1996 für Werder spielte, den Bremern helfen könnte.

Nach 20 Spieltagen steht das Team von Alexander Nouri auf dem 16. Platz und kassierte schon 42 Gegentore - so viele wie kein anderes Team der Liga. Kein Wunder, dass sich der heute 54-Jährige große Sorgen um seinen alten Klub macht.

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"Situation ist fatal"

"Die aktuelle Situation in Bremen ist fatal. Man ist einiges gewohnt aus den vergangenen Jahren, aber das, was jetzt bei Werder passiert, setzt dem Ganzen die Krone auf", sagte Borowka im Gespräch mit SPORT1.

Und kritisierte vor allem die konstant schwache Defensivleistung der Grün-Weißen: "Wenn ich solche brutale Abwehrschwächen habe und es nicht schaffe, in der Defensive eine vernünftige Ordnung reinzubringen, dann mache ich etwas falsch."

Davon abgesehen schätzt Borowka die Situation im Kampf um den Klassenerhalt auch aufgrund der direkten Konkurrenten als deutlich gefährlicher ein als in den vergangenen Jahren, in denen es für Bremen ebenfalls häufig um das nackte Überleben gegangen war.

"Mannschaften wie der Hamburger SV haben sich sehr gut verstärkt und auch beim FC Ingolstadt muss man Angst haben, dass sie weiter Punkte sammeln", erklärte der ehemalige Verteidiger.

Unter Nouri nichts verändert

Werder habe sich "in der Vergangenheit immer darauf verlassen, dass sich der eine oder andere Verein im Abstiegskampf freiwillig dazu bequemte, abzusteigen".

Der SVW sei "nicht in der Liga geblieben, weil man im Tabellenkeller besser war, sondern, weil die anderen noch schlechter waren. Jetzt kann man sich aber nicht mal mehr auf die anderen Abstiegskandidaten verlassen, weil die auf einmal gewinnen."

Borowka legte den Finger noch weiter in die Wunde und machte nicht zuletzt Coach Nouri für die Misere verantwortlich.

"Bei Alexander Nouri hatte ich am Anfang noch gesagt, dass man ihm die Chance geben muss, aber inzwischen muss ich sagen, dass sich gar nichts verändert hat", sagte Borowka und erläuterte weiter: "Die Negativrekorde, die in den vergangenen Jahren aufgestellt wurden, hat Nouri jetzt nochmal getoppt. Er ist gescheitert und muss weg!"

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Schlingerkurs in der Torhüterfrage

Besonders Nouris "Schlingerkurs" auf der Torhüterposition, auf der sich Felix Wiedwald und Jaroslav Drobny nahezu wöchentlich abwechseln, lässt Borowka den Kopf schütteln: "Vom Trainer kommen einfach keine klaren Aussagen." 

Doch nicht nur mit dem Trainer ging Borowka hart ins Gericht, auch die Bilanz der Bosse sei verheerend.

"Auch Frank Baumann (Sportchef; Anm. d. Red.) und Marco Bode (Aufsichtsratsboss; Anm. d. Red.) sind gescheitert. Weil sie die Dinge nicht klar ansprechen", sagte er und schob nach: "Mittlerweile glauben die Spieler selber, was die Verantwortlichen sagen. In der Halbzeit wird von guten Ansätzen geredet und die Spieler denken, es sei so."

Borowka stellte seinem einstigen Verein nahezu in allen Bereichen ein miserables Zeugnis aus. Die heutigen Probleme kämen allerdings nicht aus heiterem Himmel: "In den vergangenen Jahren gab es bei Werder Bremen keine Weiterentwicklung. Es herrschte Stillstand und jeder hatte Angst um seinen Job." 

In der Konsequenz stehe dem Klub das Wasser bereits "bis zum Hals".

Kein Teamgeist

Borowka vermisst dabei auch die alten Bremer Tugenden wie Teamgeist. Dass bei Werder momentan "keine Mannschaft auf dem Platz" steht, macht ihm "angst und bange".

Und weiter: "Das sind Kicker, die sich selbst überschätzen. Viele mittelmäßige Spieler, von denen einige gar kein Bundesliga-Niveau haben. Es fehlt in der Defensive sogar komplett die Qualität für die Bundesliga."

Der Gang in die Zweite Liga wäre für den SVW eine Katastrophe.

Abschreckende Beispiele Mannheim, Aachen, Essen

"Der Verein darf nicht absteigen, weil er sonst den gleichen Weg wie Rot-Weiss Essen, Waldhof Mannheim oder Alemannia Aachen geht", malte Borowka ein düsteres Bild vom Absturz in die Niederungen des Fußballs. 

Um das zu verhindern, machte sich Borowka für die Verpflichtung eines Trainers stark, der sich mit derartigen Himmelfahrtskommandos nachweislich schon auskennt: "Ich würde bis zum Saisonende Peter Neururer als Feuerwehrmann holen! Er kennt sich aus und weiß, wie es geht. In Bremen geht es ums nackte Überleben!"

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