Video

Augsburg und München - Der Hamburger SV steht nach dem 0:4 in Augsburg mit dem Rücken zur Wand, die Spieler üben Kritik. Doch von den Klub-Lenkern gibt's sanfte Töne statt Tacheles.

Die Statements der Klub-Lenker muteten schon fast bizarr an:

Dem Hamburger SV droht nach dem Sturz auf Platz 16 der dritte Relegationskrimi in den letzten vier Jahren. Beim 0:4 in Augsburg präsentierte sich der Bundesliga-Dino desaströs und verlor auch in der Höhe verdient.

Doch ungeachtet der desillusionierenden Leistung verloren sich die Verantwortlichen hinterher in Zweckoptimismus.

Bosse beschwören Glauben an Klassenerhalt

"Der HSV hat schon in schwierigeren Situationen gesteckt in dieser Saison", erklärte Sportdirektor Jens Todt nach der Partie bei Sky. "Wir haben es nach wie vor in der eigenen Hand, und ich bin fest davon überzeugt, dass wir die Klasse halten." (Das Restprogramm im Abstiegskampf)

Die Highlights ab 22.30 Uhr in Bundesliga - Der Spieltag ab 22.30 Uhr im TV auf SPORT1

Und Markus Gisdol beschönigte die Pleite so: "Wir haben in dieser Saison schon ganz andere Nackenschläge wegstecken müssen und haben gute Nehmerqualitäten", meinte der Coach.

"Wir sind zu Hause eine Macht und haben noch zwei Heimspiele, in denen wir alles selber regeln können. Wir werden nun alles aufarbeiten. Aber man muss auch mal akzeptieren, dass es so eine Saison gibt, in der es sehr, sehr schlecht läuft."

Weiter versprach Gisdol: "Wir werden in den nächsten 20 Tagen noch mal alles reinhauen." (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Wir müssen die Wucht abmildern"

Trotz des Debakels beteuerte der Coach, die Aufholjagd habe "jetzt eine kleine Delle mit drei nicht gewonnenen Spielen" - und verkündete: "Die haben wir jetzt hinter uns."

Sanfte Töne, statt Tacheles. Bei Sky 90 erklärte Sportchef Todt die Haltung der Bosse: "Wir werden uns auf gar keinen Fall von der Mannschaft distanzieren. Wir müssen einige Dinge einordnen und schauen, dass es nicht in solche Extreme abgleitet. Wir müssen die Wucht abmildern."

Allerdings: Gegen Augsburg hatte der HSV alles vermissen lassen, was ein Team im Abstiegskampf ausmacht. Hamburg hatte bei zwei Pfostenschüssen der Gastgeber Glück, außerdem hätte Michael Gregoritsch nach einem üblen Foul an Dominik Kohr schon vor der Halbzeit die Rote Karte sehen müssen.

In der größten Not dachte Todt, der vom direkten Klassenerhalt überzeugt ist, kurioserweise schon an die kommende Saison: "Wir wollen das Team bis zum Trainingsstart beisammen haben. Dann wollen wir eine sorgenfreie Saison spielen und im Herbst schon für die nächste planen können."

Klartext von Mavraj

Dabei ist es bis dahin doch noch ein langer Weg. Mit 59 Gegentoren stellt der Bundesliga-Dino die schlechteste Abwehr der Liga, als einziges Liga-Team verlor Hamburg seine letzten drei Spiele bei einem Torverhältnis von 2:8.

Bemerkenswert: In der ersten Halbzeit gegen den FCA kamen nur 62 von 144 Pässen an, fast jeder zweite Versuch landete beim Gegner.

Während die Bosse Diplomatie walten ließen, kritisierten die Spieler deutlich. "Das war nicht erstligawürdig. Wir reden immer von Grundtugenden. Es ist unerklärlich, wir haben kein gutes Gesicht gezeigt. Wir sind überhaupt nicht in die Zweikämpfe gekommen, jeder sollte sich an die eigene Nase packen", haderte Mergim Mavraj. 

"Müssen uns um 180 Grad drehen"

Auch Torhüter Tom Mickel, der als einziger Spieler in Augsburg überzeugen konnte, fand klare Worte. "Wir müssen uns alle um 180 Grad drehen und auf das besinnen, was für den HSV wichtig ist."

Das Restprogramm bietet für den HSV mit Mainz 05 (zuhause), Schalke 04 (auswärts) und zum Abschluss gegen den VfL Wolfsburg kernige Gegner an.

Und zuletzt präsentierte sich der HSV gerade in den direkten Duellen gegen Werder Bremen (1:2), Darmstadt (1:2) und nun eben Augsburg desolat.

Statt der erhofften Befreiungsschläge verloren die Norddeutschen die Sechs-Punkte-Spiele allesamt und stecken nun wieder im Schlamassel. (Der Tabellenrechner der Bundesliga)

"Vielleicht ist die Mannschaft ein bisschen kopfmüde nach der großen Aufholjagd", meinte Todt.

Gisdol versteht Ärger der Fans

Marcell Jansen kann den Einbruch nicht verstehen. "Der Sprung von den letzten Wochen zu diesen drei Spielen ist riesig. Immer, wenn man der Favorit ist, dann hat man es meistens nicht hinbekommen", meinte der frühere HSV-Profi bei Sky. (Ergebnisse und Spielplan)

In Augsburg wurden die Spieler von den Auswärtsfans mit einem gellenden Pfeifkonzert verabschiedet.

Gisdol zeigte Verständnis für die Fans und nahm bei aller Zuversicht sein Team in die Pflicht: "Wir müssen jetzt auch mal loslegen, es gibt nichts mehr drum herum zu reden. Ich verstehe jeden, der total sauer ist, mir geht es genauso."

Der endgültige K.o. rückt bedrohlich nahe. 

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel