Video

München - Dass ein Top-Trainer wie Thomas Tuchel auf dem Markt ist, erscheint für den FC Bayern in der aktuellen Situation ein Glücksfall. Aber passt Tuchel wirklich zum FCB?

Kann Thomas Tuchel den FC Bayern wieder in die Spur bringen? Und vor allem: Sind beide Seiten überhaupt zu einer Zusammenarbeit bereit?

Immerhin: Die ersten Schritte sind gemacht. Nach SPORT1-Informationen führen die Münchner Gespräche mit dem Ex-Coach von Borussia Dortmund über eine sofortige Zusammenarbeit.

Video

Dagegen gibt es derzeit keinen Kontakt zu den Alternativkandidaten Julian Nagelsmann und Jürgen Klopp - vor allem, weil beide in Hoffenheim und Liverpool noch langfristige Verträge haben.

FC Bayern braucht schnelle Lösung

Bayern aber braucht eine schnelle Lösung für die Nachfolge von Carlo Ancelotti, das machte das enttäuschende 2:2 in Berlin nach 2:0-Führung deutlich.

Nach der Vorstellung gilt auch eine längere Übergangslösung mit Interimscoach Willy Sagnol als ausgeschlossen - sobald der neue Mann gefunden ist, rückt der Franzose wieder ins zweite Glied.

Video

Sagnol selbst stellte nach der Partie auch gar keine Forderungen mehr. "Die Frage ist nicht, ob ich die Hoffnung oder den Wunsch habe", sagte er, "die Frage ist, was der Vorstand will. Entscheidungen und Tempo liegen beim Vorstand - und nicht bei mir."

Passt Thomas Tuchel zum FC Bayern?

Allerdings sind sich die Bosse nach SPORT1-Informationen noch nicht sicher, ob der schwäbische Fußball-Asket Tuchel und das bayerische "Mia san mia" tatsächlich zusammenpassen.

Die Münchner befinden sich sozusagen im Tuchel-Dilemma: Einerseits brauchen sie dringend einen fachlich kompetenten Trainer, der die verunsicherte und teilweise auch überalterte Mannschaft wieder taktisch, psychisch und physisch zu alter Stärke bringt.

So gesehen ist es ein Glücksfall, dass ein Top-Trainer wie Tuchel gerade auf dem Markt ist, der ähnlich perfektionistisch veranlagt ist wie sein Vorbild Pep Guardiola. Karl-Heinz Rummenigge soll den Ex-Bayern-Coach dazu bereits befragt haben.

Dass der aktuelle Trainer von Manchester City große Stücke auf Tuchel hält, ist spätestens seit ihrem fast schon legendären Zusammentreffen in der Münchner Schumanns-Bar bekannt, als beide mit Hilfe von Salz- und Pfefferstreuern stundenlang über moderne Taktik diskutierten.

Bayern-Bosse erkundigen sich beim BVB

Doch gerade der Vergleich mit Guardiola könnte auch zum Nachteil für Tuchel werden, noch mehr aber der öffentliche Rosenkrieg bei der Scheidung von Borussia Dortmund im letzten Sommer - trotz Hochgeschwindigkeitsfußball und dem Gewinn des DFB-Pokals.

Video

Die Tatsache, dass Tuchel am Ende mit seiner Arbeitsweise fast das gesamte BVB-Team und die Vereinsführung gegen sich aufgebracht hatte, gibt den Bayern-Bossen schwer zu denken. Über die Details sollen sie sich bereits bei Hans-Joachim Watzke und Michael Zorc informiert haben.

Denn wenn Uli Hoeneß und Co. eines nicht wollen, dann einen weiteren Alleingänger in der Kabine. Schon Louis van Gaal scheiterte an seinem Ego und der Weigerung, mit der Klubführung konstruktiv zusammenzuarbeiten.

Veh warnt vor Problemen mit Tuchel

Auch bei Guardiola und Ancelotti verhielt es sich am Ende ähnlich. Das größte Problem: das Eigenleben der jeweiligen Trainerstäbe, die - mit Ausnahme von Hermann Gerland und zuletzt Sagnol - nur aus Landsleuten und Vertrauten bestanden.

Genau das Gleiche aber droht den Bayern auch mit Tuchel, der sicher auf sein bewährtes Team mit Assistent Arno Michels, Videoanalyst Benjamin Weber und Athletikcoach Rainer Schrey bestehen wird.

"Die Frage bei Tuchel ist, ob er etwas gelernt hat aus den zwei Jahren in Dortmund. Da gab es ja ganz offensichtlich zwischenmenschliche Probleme, nicht umsonst muss ein erfolgreicher Trainer gehen", erklärte Doppelpass-Experte Armin Veh in seiner SPORT1-Kolumne: "Ich hoffe, dass Tuchel daraus seine Lehren gezogen hat. Sonst bekommt er auch bei Bayern Probleme."

Klar ist derzeit aber auch: Scheitern die Gespräche, fehlt den Münchnern eine glaubwürdige Alternative auf dem Markt - zumindest bis zum Saisonende. Und das weiß auch Tuchel.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel