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FC Bayern Muenchen - Training & Press Conference
Robert Lewandowski war 2013/2014 Bundesliga-Torschützenkönig © Getty Images

Lwiw und München - Bei der Nullnummer in der Champions League ist Robert Lewandowski lange Ersatz, in der Beziehung zu Guardiola knirscht es. Ein Experte legt dem Bayern-Stürmer einen Wechsel nah.

Vier Tore gegen Real Madrid. Besser kann die Champions-League-Visitenkarte eines Stürmers nicht sein. Mit Goldrand quasi.

Und doch war Robert Lewandowski nur Joker, als der FC Bayern gegen Schachtjor Donezk in die K.o.-Phase der Königsklasse startete. Die Gala aus Dortmunder Zeiten ist Vergangenheit, vom Schlüsselspieler in Schwarzgelb ist er inzwischen zu einem Star unter vielen in München geworden.

Seinen Frust zeigte der 26-Jährige in Lwiw nur sehr versteckt, als er an den Kamerateams aus Deutschland vorbeilief und lieber in seiner Muttersprache Bilanz über seinen 15minütigen Kurzeinsatz beim 0:0 zog 

Was ihm Pep Guardiola mit auf den Weg gegeben habe? "Den Ball zu halten und offensiv etwas zu bewegen", antwortete Lewandowski. Und dann sagte er noch mit Blick auf das Wiedersehen mit Donezk: "Im Rückspiel wird es nicht einfach für uns, ich hoffe, dass wir gewinnen."

37 Minuten auf der Außenbahn

Dass der FC Bayern plötzlich bang auf den 11. März schauen muss, liegt auch an jener unglücklichen Beziehung zwischen dem FC Bayern auf der einen und Lewandowski auf der anderen Seite. Oder noch genauer: zwischen Guardiola und Lewandowski.

Denn natürlich hat Lewandowski Anlaufschwierigkeiten, der Starcoach aus Katalonien macht ihm den Job aber auch nicht leichter. Beim 1:1 gegen Schalke wurde er nur eingewechselt, in Stuttgart und gegen den HSV spielte er von Anfang an, musste gegen die Hanseaten aber über 37 Minuten auf der ungeliebten linken Außenbahn ran.

"Man ist unfair mit ihm umgegangen"

Und trotz seines Tors gegen den HSV setzte Guardiola in der Ukraine auf Thomas Müller. Ein Umstand, der nun den früheren Bayern-Profi Dietmar Hamann dazu bringt, Lewandowski einen Vereinswechsel nahe zu legen. "So wie das Team unter Pep Guardiola spielt, das gibt es für Lewandowski einfach keinen Raum", sagte der Ex-Bayern-Profi beim englischen Sender Sky.

"In den letzten Wochen ist man mit Lewandowski ziemlich unfair umgegangen."

Harte Worte. Für Hamann gibt es nur einen Schluss. "Lewandowski ist wie gemacht für Manchester United, Arsenal London oder Liverpool. Wenn es eine Möglichkeit gäbe, ihn zu kaufen, würde ich an deren Stelle das Vereinskonto räumen, denn momentan findest du auf der Welt keinen besseren Stürmer als ihn."

Stimmt Hamanns Kritik?

Offene Konflikte zwischen Guardiola und dem Angreifer sind nicht überliefert. Klar ist aber auch, dass Lewandowskis Selbstvertrauen leidet. In Stuttgart und gegen den HSV ließ er schon beste Gelegenheiten aus, die er gewöhnlich mit Leichtigkeit nutzt.

Sogar in der Ukraine wurde der Bayern-Coach vor der Partie auf Lewandowskis Einsatzzeit angesprochen. Er spiele doch "fast jedes Spiel", gab Guardiola erstaunt zurück.

Schon vorher hatte er Lewandowski öffentlich in Schutz genommen, der Stürmer bekomme einfach zu wenige Vorlagen, reklamierte er zudem vor einer Weile.

In der Branche ist Guardiola inzwischen als Stürmer-Vernichter gefürchtet. Samuel Eto’o und  Zlatan Ibrahimovic wurden bei Barcelona nicht glücklich mit dem Chefstrategen, beim FC Bayern flüchtete Ende der vergangenen Saison Mario Mandzukic nach einigen Reibereien.

"Kein Problem mit Lewandowski"

"Guardiola hat kein Problem mit Lewandowski", sagt Isaac Lluch, der als Reporter für die katalanische Zeitung Ara den Trainer seit Jahren begleitet. Und außerdem seien beispielsweise Ibrahimovic und Lewandowski kein bisschen vergleichbar.

Mit einer Zurücksetzung geht Lewandowski sicher gelassener um als der temperamentvolle Schwede. Den Druck spürt er dennoch. "Ich weiß, dass die Erwartungen sehr hoch sind", sagte er nach dem 8:0 gegen Hamburg.

Guardiola muss es jetzt schaffen, Lewandowski bestmöglich zu schützen, aus einer unglücklichen könnte sonst eine gescheiterte Beziehung werden.

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