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Madrid - Nach dem Sieg im Hinspiel genügt Turin im Rückspiel in Madrid ein Remis, um erstmals seit 2003 wieder ins Finale einzuziehen. Reals Traum von der Titelverteidigung platzt.

Als nach 94 dramatischen Minuten der Abpfiff ertönte, konnte der sonst so lässige Gianluigi Buffon seine Gefühle nicht mehr länger im Zaum halten.

Trotz seiner mittlerweile 37 Jahre stürmte der Torhüter von Juventus Turin mit geballten Fäusten vor die mitgereisten Fans und schrie seine Freude über den Finaleinzug in den Nachthimmel von Madrid.

Im selben Moment sackte nur wenige Meter weiter Reals Cristiano Ronaldo auf dem Rasen zusammen, schlich sein Teamkollege Toni Kroos mit hängendem Kopf in die Kabine.

Denn für den portugiesischen Weltfußballer und den deutschen Weltmeister ist der Traum von der Titelverteidigung geplatzt. Weiterhin hat keine Mannschaft die Champions League zwei Mal in Folge gewonnen.

Morata wirft Madrid raus

Anstelle der Königlichen kämpft nun die "Alte Dame" im Endspiel von Berlin gegen Bayern-Bezwinger FC Barcelona um die Krone in der Champions League.

Der italienische Rekordmeister verhinderte im Halbfinal-Rückspiel mit einem 1:1 (0:1) den ersten Clasico in einem Europacup-Finale - am 6. Juni könnte das Team von Trainer Massimiliano Allegri erstmals seit 1996 wieder den Henkelpott holen (DATENCENTER: Ergebnisse und Spielplan).

Auch ein verwandelter Strafstoß von Ronaldo (23.) bannte den Fluch des Titelverteidigers nicht - ausgerechnet der von Real nach Turin gewechselte Alvaro Morata (57.) öffnete Juventus am Mittwochabend nach dem 2:1 im Hinspiel am Dienstag vergangener Woche die Tür ins Berliner Olympiastadion.

"Finale wäre möglich gewesen"

"Es ist sehr bitter heute, weil es absolut möglich gewesen wäre, das Finale zu erreichen", sagte Kroos bei Sky: "Entscheidend war, dass wir aus vier großen Möglichkeiten nur ein Tor gemacht haben, und das war ein Elfmeter."

Außerdem hielt der Mittelfeldspieler ein Plädoyer für seinen in die Kritik geratenen Trainer Carlo Ancelotti: "Ich kann nur sagen, dass er ein absoluter Toptrainer ist. So, wie wir heute gespielt haben, kann kein schlechter Trainer an der Seitenlinie gestanden haben. Das wissen hoffentlich alle." 

Turins Torschütze Morata hatte nach seinem Treffer derweil gemischte Gefühle: "Es fühlt sich sehr komisch an. Bei Real Madrid spielen so viele meiner Freunde. So richtig kann ich mich daher momentan noch nicht freuen", sagte der Stürmer, der schon im Hinspiel getroffen hatte. "Es ist eine Ehre, im Finale zu stehen. Jetzt werden wir alles geben, um zu siegen."

Kroos wieder in der Startelf

Juves Altstars Andrea Pirlo und Gianluigi Buffon erwartet unterdessen eine Rückkehr an die Stätte ihres größten Triumphes: Das Duo war 2006 mit Italien in Berlin Weltmeister geworden.

Nun muss es Turin mit Lionel Messi, Neymar und Luis Suarez aufnehmen, den prägenden Figuren Barcas in den Halbfinalspielen gegen den FC Bayern (3:0/2:3).

Kroos spielte wie im Hinspiel von Beginn an, sein Auftrag war, aus hinterer Linie Wege für die hochkarätige Offensive aufzuzeigen.

Offensive Anfangsphase

Der gefürchtete "BBC"-Angriff war durch die Rückkehr des Stoßstürmers Karim Benzema wieder vereint, der sich im Strafraum auch gleich die erste gute Chance des Spiels (6.) erwühlte.

Ronaldo und Gareth Bale erzeugten wie gewohnt Druck über die Außenpositionen. Bei Juve kehrte ebenfalls ein Schlüsselspieler zurück: Der europaweit begehrte Paul Pogba.

Den ersten Turiner Akzent setzte Arturo Vidal mit einem Fernschuss, den das Real-Idol Iker Casillas in seinem 150. Champions-League-Spiel zur Seite abwehrte. Vidal, ehemals bei Bayer Leverkusen, setzte die Ansage seines Trainers Massimiliano Allegri um, der das benötigte 0:0 für "beinahe unerreichbar" erklärt hatte.

77. Treffer für Ronaldo

Ein Tor musste her - und um das bemühte sich Juve intensiver, als es viele erwartet hatten (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER).

Nach dem Rückstand blieb den Italienern dann auch keine andere Wahl. Giorgio Chiellini hatte dem in den Strafraum stürmenden James Rodriguez in die Kniekehle getreten, Ronaldo verwandelte sicher in die Tormitte zu seinem 77. Treffer in der Königsklasse.

Die Gäste verschoben nun noch weiter nach vorne, was ein enormes Risiko war und Real gefährliche Konter ermöglichte. Zwei hätte Ronaldo (29./41. ) zum 2:0 abschließen können, einen weiteren Benzema (42.). Juventus gab nun zu häufig die Kontrolle ab, einzig Torhüter Buffon hielt seine Mannschaft in dieser Phase im Spiel.

Real lässt Chancen liegen

Für beide Teams wurde es dann ein Vabanque-Spiel: Juventus musste attackieren, erhöhte peu a peu das Risiko, musste zugleich hinten absichern. Madrid durfte keineswegs zu passiv werden und hoffte auf den entscheidenden Schlag (SERVICE: Statistiken des Spiels).

Mit dem Ausgleich durch Moratas Schuss aus kurzer Distanz geriet allerdings Real unter Zugzwang - fortan belagerte der spanische Tabellenzweite den gegnerischen Strafraum fast durchgehend, Bale verpasste das 2:1 gegen nun tief stehende Gäste knapp (63.).

Turin setzte daraufhin auf Konter. Hätte Claudio Marchisio (68.) mit einem Flachschuss Casillas überwunden, hätte Real noch gleich drei weitere Tore gebraucht. Auf der anderen Seite war es immer wieder Ronaldo, der in den meisten Fällen Bale gefährlich einsetzte.

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