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Lionel Messi entblößt seinen Mentor Pep Guardiola und spielt den FC Bayern alleine schwindlig. Boateng und Lahm sind voller Ehrfurcht, der Argentinier selbst denkt an seinen Sohn.

Nein, Jerome Boateng ist nun wirklich kein Vorwurf zu machen.

Die Szene war im Eins-gegen-eins schlichtweg nicht zu verteidigen:

Als sich Lionel Messi in der 80. Minute den Ball mit einer kurzen Bewegung vom linken auf den rechten Fuß strich und anschließend mit seinem "schwächeren" Rechten über Manuel Neuer hinweg ins Tor lupfte, blieb Boateng quasi gar nichts anderes übrig, als sich vorzeitig vor Ehrfurcht auf den Hosenboden zu legen.

"Ich bin rechts vorbeigegangen, weil ich dachte, dass er denkt, dass ich links vorbeigehe", erklärte Messi sein Tor zum 2:0 anschließend in dieser herrlichen "Ich denke, du denkst"-Manier. Nun wissen wir also: Er hat auf dem Platz auch noch Zeit für philosophisch-psychologische Kurztraktate im Selbstgespräch.

Bei dieser Erkenntnis kann man als Boateng schon mal umfallen. Zu SPORT1 sagte der Verteidiger enttäuscht: "Messi kann man nicht 90 Minuten aus dem Spiel nehmen." Die Bayern erfuhren dies beim 0:3 (0:0) in Barcelona auf schmerzlichste Art und Weise.

Von Bildhauern und Steinmetzen

Dem geneigten Fan offenbarte sich dabei, was  den Bildhauer vom Steinmetz unterscheidet.

Ersterer zelebriert die hohe Kunst, letzterer bewährt sich durch ehrliche und harte Arbeit. Messi war an diesem Abend der mit Abstand beste Spieler seiner Mannschaften. Boateng hinter Torhüter Manuel Neuer stärkster Bayern-Akteur. Aber nur der Künstler strich Ruhm, Ehre und Erfolg ein.

Mal wieder Messi. Was soll man noch schreiben, was sagen?! Jeder hat es am Mittwoch gesehen: Messi spielt wieder in absoluter Bestform! Was bei ihm heißt, noch einmal auf einem höheren Niveau als alle anderen 21 Superstars auf dem Rasen.

Messi besiegt Guardiola im Alleingang

Er besiegte seinen Mentor Pep Guardiola quasi im Alleingang und entschied damit das Duell der erlösergleichen Ikonen klar für sich.

"Das war absolute Weltklasse", musste auch Bayerns Kapitän Philipp Lahm anerkennen. Er meinte nicht Guardiola, dessen Taktik trotz früher Umstellung von Dreier- auf Viererkette nicht aufgegangen war.

Messi denkt an seinen Sohn

Und danach? Dachte Messi ganz irdisch an seine Familie: "Jetzt fahre ich mit meiner Frau nach Hause zu unserem Sohn, der Kerl müsste längst schlafen..." Vater und Sohn - so ganz von dieser Welt ist der kleine Kerl vielleicht doch nicht.

"Er überrascht uns jeden Tag aufs Neue. Es ist ein Vergnügen, ihm zuzusehen, er ist ein Spieler aus einer ganz anderen Dimension", kommentierte sein Trainer Luis Enrique, mit dem Messi zu Saisonbeginn noch so seine Probleme hatte. Mittlerweile scheint das Verhältnis zu stimmen.

Enrique hat sich Messi gebeugt. Der Argentinier sitzt nicht mehr auf der Bank, er hat auf dem Spielfeld wieder alle Freiheiten. So will er es. So braucht er es.

Fähig zur Selbstkritik

Dabei nicht zu vergessen: Messis Stärke ist auch seine Fähigkeit zur Selbstkritik. Nach der vergangenen Saison ohne Titel und dem verlorenen WM-Finale arbeitete er noch härter, verbesserte weiter sein Spiel.

"Ich wusste, dass ich kein gutes Jahr hinter mir hatte, mit vielen Problemen sowohl auf als auch neben dem Platz", schilderte er rückblickend. Dabei waren seine Bilanz von 41 Toren in 46 Pflichtspielen und der knapp verpasste Weltmeister-Titel ja nicht so schlecht. "Es war eine Herausforderung, das Bild zu ändern, das ich in der Saison davor abgegeben hatte", meinte Messi dennoch.

Das Außerirdische gehört eben zum Selbstbild. Aktuell steht er in dieser Spielzeit bei 53 Toren in 51 Pflichtspielen - und das Triple ist in Reichweite.

Magenprobleme in den Griff bekommen

Seine Magenprobleme, wegen derer er sich ja auch schon am Spielfeldrand übergeben hat, lässt er mittlerweile von einem Ernährungsspezialisten alternativ behandeln. Mit Homöopathie und Kinesiologie, das heißt Kügelchen und Nädelchen. Der Glaube zählt.

Das Schicksal dagegen ist bezwingbar, wie Messi  mit seinen ersten beiden Treffer gegen Welttorhüter Manuel Neuer, an dem er bei den letzten drei Begegnungen schier verzweifelt war, unter Beweis stellte.

Nebenbei holte er sich damit noch den Torrekord der Champions League von Cristiano Ronaldo zurück.

"Der Beste der Welt"

Bei Barcelonas Kabinenparty verschwand er wieder in der hinteren Reihe, als einer unter vielen.

Die Teamkollege hoben ihn dafür umso mehr heraus. Javier Mascherano machte die einfach Rechnung: "Wir haben Messi - also sind wir im Vorteil."

Und selbst Marc-Andre ter Stegen, der am Anfang der Saison noch mit der überraschenden Feststellung aufgefallen war, auch Messi würde ganz normal aufs Klo gehen, konstatierte diesmal nur: "Der Beste der Welt."

Amen.

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