vergrößern verkleinern
Massimiliano Allegri (l.) stürzt Pep Guardiola in der zweiten Hälfte in Schwierigkeiten © SPORT1-Montage: Gabriel Fehlandt / Getty Images

Der FC Bayern geht mit einem ordentlichen Ergebnis ins Rückspiel gegen Juventus - es hätte ein sehr gutes sein können. Am Ende reagiert Trainer Guardiola aber nicht auf sein Gegenüber.

Nach 55 Minuten schien das Hinspiel im Champions-League-Achtelfinale bereits entschieden. Juventus hatte gerade das zweite Tor kassiert. Bayern München trat wie der Herrscher über Turin auf.

Doch dann kippte das Spiel und endete noch 2:2. Wie konnte der deutsche Rekordmeister die Kontrolle verlieren und diese Führung herschenken?

Die SPORT1-Taktikanalyse

Alaba und Kimmich weit vorne

Die Bayern begannen aggressiv. Direkt in den ersten Minuten rückten alle Münchener im Pressing auf und stellten die kurzen Anspieloptionen bei Juventus zu.

Die beiden Innenverteidiger David Alaba und Joshua Kimmich standen extrem weit vorn, wurden aber deshalb auch vom ersten langen Ball umgehend erwischt. Mario Mandzukic vergab die Chance für Juventus.

Im Anschluss übernahmen die Münchner sehr schnell das Kommando über die Partie. Thiago kontrollierte die zentralen Zonen und gab Juventus' Mittelfeldachse bestehend aus Claudio Marchisio und Sami Khedira keine Möglichkeit, das Spiel ruhig aufzubauen.

Die Aufstellung von Juventus Turin
Die Aufstellung von Juventus Turin © SPORT1

Juventus beging zudem einen entscheidenden Fehler in der Defensive: Die Italiener standen nicht nur tief im 4-4-2, sondern ihre Reihen formierten sich, als hätte jemand ein Lineal dafür benutzt. Es gab keine Staffelungen, keine Absicherung der Räume zwischen den Linien.

Bayern nutzen Räume

Bayern konnte simpel in diese Zonen vordringen und die Abwehrzentrale der Italiener unter Druck setzen. Der Vorlauf zum 1:0 durch Thomas Müller lieferte Anschauungsmaterial dafür.

Sinnbildlich für Juves Defensivprobleme war Khediras Auftritt. Der sonst so aggressive Deutsche führte in der ersten Halbzeit keinen einzigen Zweikampf.

Es trat genau das ein, was Trainer Massimiliano Allegri nicht sehen wollte: Die Turiner wurden bis zum eigenen Sechzehner zurückgedrängt und Bayern konnte in Ruhe das Spiel aufbauen. Irgendwann gaben Mandzukic und Paulo Dybala das Pressing in der vordersten Linie auf.

Vidal bringt Kollegen in Bedrängnis

Dabei waren die Gäste aus München keineswegs fehlerlos. Arturo Vidal fungierte als eine Art Libero zwischen Alaba und Kimmich, verhielt sich dabei im Spielaufbau jedoch nicht immer geschickt. Sein Stellungsspiel brachte die Teamkollegen mehrfach in Bedrängnis.

Die Aufstellung des FC Bayern
Die Aufstellung des FC Bayern © SPORT1

Nach dem zweiten Treffer der Bayern löste Allegri die Zügel für die verbliebene halbe Stunde. Dies bedeutete: Die Flügelspieler rückten aggressiver nach vorn.

Beide Mittelstürmer bekamen mehr Ballkontakte in der gegnerischen Hälfte. Juve spielte insgesamt risikoreicher, während bei den Bayern das Gegenpressing verpuffte und folglich der Ball seltener zurückerobert wurde.

Mandzukic nicht aufzuhalten

Mit den Einwechslungen von Stefano Sturaro sowie Alvaro Morata brachte Allegri zudem frische Kräfte, die beide mit ihrer dynamischen Spielweise die offenen Räume in Bayerns Formation attackierten. Mandzukic nutzte derweil seine Physis und war von den Münchnern im Umschaltspiel nicht aufzuhalten.

"Juventus mag die Verteidigung im kleinen Raum und den Angriff im großen Raum. Ich mag dagegen die Verteidigung im großen Raum und den Angriff im kleinen Raum", kommentierte Pep Guardiola anschließend die taktische Struktur des Spiels.

Von seiner Seite erfolgten jedoch keine entscheidenden Anpassungen. Das Offensivspiel der Guardiola-Elf war bis zum Schluss sehr direkt ausgerichtet, was aufgrund des aggressiveren Pressings der Italiener zu mehr Ballverlusten führte.

Juventus im Konter erfolgreich

Beide Juve-Treffer in der zweiten Halbzeit fielen nach Kontern, bei denen die Bayern eben jene großen Räume nicht verteidigen konnten.

Mit der Einwechslung des wiedergenesenen Mehdi Benatia verstärkte Guardiola die physische Präsenz im Abwehrzentrum. Das bayerische Mittelfeld blieb hingegen unverändert. Die Ballsicherheit der ersten Halbzeit konnte ohne zusätzliche Verstärkung nicht zurückgewonnen werden.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel