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Der FK Rostov hat in der Qualifikation zur Champions League Anderlecht und Amsterdam ausgeschaltet © SPORT1-Montage: Paul Hänel / Getty Images

Der FC Bayern muss zum Auftakt der Champions League gegen den FK Rostov ran. Der russische Vize-Meister ist in den vergangenen anderthalb Jahren gewaltig durchgestartet.

Die Stadien des FC Bayern München und des FK Rostov trennen rund 2700 Kilometer, und auch sportlich scheinen Welten zwischen den Vereinen zu liegen. Doch der Schein trügt.

In der vergangenen Saison belegte der Klub aus Südrussland sensationell Platz zwei in der russischen Premier Liga - vor Mannschaften wie Zenit St. Petersburg, Kuban Krasnodar oder Spartak Moskau.

Nun ruft die ganz große europäische Bühne. Mindestens drei Mal wird die Champions-League-Hymne im Olimp-2-Stadion ertönen.

Auf dem Weg dorthin hat Rostov in den Qualifikationsrunden den RSC Anderlecht (2:2, 2:0) und Ajax Amsterdam (1:1, 4:1) ausgeschaltet. Nun geht es gegen Atletico Madrid, PSV Eindhoven und den FC Bayern (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Berdyev ist weg und wieder da

Vater des Erfolgs ist Kurban Berdyev.

Der Turkmene hatte schon Rubin Kasan zu zwei russischen Meistertiteln geführt. Rostov rettete er zunächst vor dem Abstieg und führte den Klub in der darauffolgenden Saison sensationell in die Champions League.

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Vor der Qualifikationsrunde gegen Anderlecht dann der große Knall: Weil er sich mit der Regionalregierung, dem Besitzer des FK, über die finanzielle Ausstattung nicht einig wurde, warf Berdyev hin.

Nach gescheiterten Verhandlungen mit Spartak Moskau ist er aber wieder bei Rostov im Boot - offiziell als Berater. Dass er Trainer Iwan Danilijants und Co-Trainer Dimitri Kirichenko, seinem ehemaligen Assistenten und Vertrauten, nach wie vor die Aufstellung diktiert, gilt als offenes Geheimnis.

Abstieg in die zweite Liga drohte

In der Saison 2014/2015 war Rostovs Erfolgskurs nicht abzusehen. Das Team wäre beinahe in die zweite Liga abgestiegen, hielt erst in der Relegation die Klasse. Ein Jahr später wurden sie Vize-Meister, mit nur zwei Punkten Rückstand auf ZSKA Moskau.

Topstars und bekannte Namen sucht man bei der russischen Cinderella dennoch vergebens. Stürmer Sardar Azmoun erzielte 15 Tore in 20 Länderspielen für den Iran. Top-Klubs wie Everton, Schalke und Leverkusen wollten ihn im Sommer verpflichten.

Auch ein Mann aus dem Rostover Mittelfeld kann reichlich internationale Erfahrung nachweisen: Christian Noboa lief 70 Mal für Ecuador auf - im Januar 2015 wurde ihm ein Marktwert von rund zehn Millionen Euro nachgesagt.

Im Angriff alle Freiheiten

"Berdyev stellt sein Team so auf, dass die Spieler im Angriff Freiheiten haben und improvisieren können. Gleichzeitig müssen alle dafür sorgen, dass in der Verteidigung alles dicht ist. Und wir sollen uns strikt an das halten, was wir im Training erarbeitet haben", erklärte Noboa in einem Interview mit FIFA.com die Vorgaben für seine Mannschaft.

Der Kapitän der Russen, Alexandru Gatcan, ist seit 2008 im Verein und trägt auch die Kapitänsbinde der moldawischen Nationalmannschaft. Zum Ziel in der Königsklasse äußert er sich selbstbewusst: "Wir wollen die Großen ärgern".

Alexandru Gatcan im Zweikampf mit Axel Witsel
Kapitän Alexandru Gatcan (gelb) weiß, was sein Trainer von ihm und der Mannschaft verlangt. © Getty Images

Kein Selbstläufer für Bayern

Rostov feierte am vergangenen Wochenende einen 2:1-Sieg gegen Krylja Sowjetow Samara und kommt mit Selbstvertrauen nach München.

Auf dem Papier ist das Duell zwischen dem FC Bayern und Rostov eine klare Angelegenheit. Doch die Münchner sollten die Aufgabe nicht zu leicht nehmen. In jüngerer Vergangenheit taten sie sich mit den "kleinen" Teams aus Osteuropa des Öfteren schwer.

Am 3. Oktober 2012 setzte es eine blamable 1:3-Niederlage bei Bate Borisov in Weißrussland. Im Halbfinale des UEFA-Cups 2008 sahen die Münchner beim 0:4 bei Zenit St. Petersburg alt aus.

Defensiv stabil, vorne effektiv - diese Rostover Mischung hat es durchaus in sich - man frage nach in Anderlecht und Amsterdam.

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