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Paris Saint-Germain v FC Barcelona - UEFA Champions League Round of 16: First Leg
Julian Draxler profitiert in Paris auch von der Klasse seiner Mitspieler © Getty Images

München - Nach seinem Wechsel von Wolfsburg nach Paris blüht Julian Draxler bei PSG auf, nicht erst seit dem Kantersieg gegen Barcelona. Unter Gleichgesinnten fühlt sich der Nationalspieler pudelwohl.

In der Schule sind hochbegabte Kinder nicht selten unterfordert. Während das Unterrichtsniveau dem Level der meisten ihrer Klassenkameraden entspricht, langweilt sich der Intelligenzbolzen.

Er kann sein Potenzial nicht ausschöpfen, wird lustlos und muss sich notgedrungen dem Niveau seiner Mitschüler anpassen. Im besten Fall wird er befördert und überspringt eine Klasse.

So oder ähnlich dürfte sich Julian Draxler in den vergangenen Monaten gefühlt haben.

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Dabei erwies sich allerdings der Wechsel im Sommer 2015 von seinem Heimatklub Schalke 04 zum VfL Wolfsburg, dem geplanten Beginn einer Weltkarriere, zunächst als Megaflop.

Neun Spiele, sieben Scorerpunkte

Draxler spielte so uninspiriert wie der Rest der Wölfe und verpasste mit seinem neuen Team sang- und klanglos die europäischen Plätze. Nachdem es auch im zweiten Jahr nicht besser wurde, setzte er seinen erneuten Wechsel durch, dieses Mal zu Paris Saint-Germain.

Und siehe da: Mit zahlreichen Topstars wie Edinson Cavani, Angel Di Maria oder Marco Verratti um ihn herum kommt Draxlers Potenzial auf einmal zum Vorschein. In den neun Pflichtspielen, in denen Draxler bislang zum Einsatz kam, war er an sieben Toren beteiligt. Fünf Treffer erzielte er selbst, zwei weitere bereitete er vor.

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Den vorläufigen Höhepunkt erlebte der Nationalspieler im Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Barcelona, in dem PSG die Katalanen im Stile einer Weltklassemannschaft regelrecht zerpflückte.

Beim 4:0-Sieg gegen den vormaligen Champions-League-Favoriten drehte der 23-Jährige auf und sammelte neben seinem Treffer zum zwischenzeitlichen 2:0 auch noch einen Assist.

Ein Spiel wie gemalt

In den 86 Minuten, in denen der Nationalspieler auf dem Platz stand, spulte er 10,4 Kilometer ab und brachte 25 von 28 Pässen an den Mann.

Julian Draxlers Premieren bei PSG © iM Football

"Es war eine nahezu perfekte Nacht", schwärmte er nach den historischen 90 Minuten. Und: "So ein Spiel erlebt man nicht alle Tage."

In der Tat: Der Sturmlauf der Gastgeber war dermaßen beeindruckend, dass Barcelona am Ende nur noch die weiße Fahne hissen konnten. "Di Maria, Draxler und Cavani spielten mit den Gefühlen der Mannschaft von Luis Enrique", schrieb die spanische Zeitung AS.

Die Marca spottete Richtung seines Gegenspielers: "Sergi Roberto war nur eine Karikatur eines Außenverteidigers, Draxler machte mit ihm, was er wollte."

PSG und Draxler - das passt!

Der Verdacht drängt sich auf, dass Draxler sein Potenzial erst dann ausschöpfen kann, wenn auch seine Teamkollegen ähnlich hoch veranlagt sind wie er. Dann erst kommt der pfeilschnelle Mittelfeldspieler auf Touren und entfaltet seine ganze Spielstärke.

"Paris steht für technisch anspruchsvollen Fußball, das passt zu einem Spielertyp, wie Julian ihn verkörpert", sagte Joachim Löw bereits vor Zeiten in der Sport Bild.

In einem Team, das - wie der VfL Wolfsburg - nicht auf Spitzenniveau agiert, scheint Draxler dagegen nicht willens oder in der Lage zu sein, den Unterschied auszumachen. In 14 Pflichtspielen brachte er nur zwei Torvorlagen zustande.

"Ich fühle mich sehr, sehr wohl in der Stadt und im Verein", lautet Draxlers Zwischenfazit.

Es scheint, als habe der Hochbegabte endlich seine wahre Bestimmung gefunden.

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