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Carlo Ancelotti mit seinem Sohn Davide: Welchen Plan heckt Bayerns Trainer-Gespann aus? © Imago

München - Vor dem Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid funkt der FC Bayern in mehreren Mannschaftsteilen SOS. Der Trainer ist gefordert, der Boss bereits auf 180.

Es gab diese eine Szene in Leverkusen, weit abseits des Rasens, die vieles über den momentanen Zustand des FC Bayern verriet. 

Die Münchner waren soeben mit einer ihrer zahlreichen Chancen an Torhüter Bernd Leno gescheitert - nicht wenige würden auch sagen: mal wieder an sich selbst.

Jedenfalls war der Moment gekommen, in dem es aus Karl-Heinz Rummenigge herausplatzte. Auf der Tribüne schimpfte der Vorstandsvorsitzende vor sich hin ob der Fahrlässigkeit von Bayerns Offensive. Hätte man ihn gelassen, wäre Rummenigge womöglich aufs Spielfeld gestürmt, um den Herren Angreifern zu zeigen, wie das geht mit dem Toreschießen. 

Vermutlich realisierte der Boss des Rekordmeisters, wovor Kenner der Szene seit geraumer Zeit warnen: Bayern hat eklatante Defizite, sobald Robert Lewandowski nicht auf dem Platz steht. 

"Ich wundere mich schon seit Jahren, dass die Bayern keinen zweiten Stürmer haben. Das ist schon sehr fahrlässig und das rächt sich jetzt", monierte SPORT1-Experte Armin Veh im Volkswagen Doppelpass.

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Büßen die Münchner in der heißen Saisonphase für einen Fehler in der Kaderplanung?

Die Entscheider hatten sich im Sommer von Carlo Ancelotti überzeugen lassen, es sei ausreichend, die Saison mit dem Tandem Lewandowski/Thomas Müller in Angriff zu nehmen. Auch wegen der Beschwichtigungen des Trainers wurde seinerzeit kein Mittelstürmer als Backup geholt. Ein folgenschwerer Trugschluss?

Alle Hoffnungen ruhen auf Lewandowski

Nach zwei Partien ohne Lewandowski steht fest: Thomas Müller, der sich und seinen Kollegen am Samstag eine "fatale Chancenverwertung" bescheinigte, taugt nicht als Ersatz im Sturmzentrum. Und die Möglichkeit, es mit jemandem anderen zu probieren, hat sich Ancelotti selbst genommen. 

Vor dem Champions-League-Rückspiel in Madrid (Di., ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) sehnen die Bayern wie selten zuvor einen ihrer Spieler zurück.

Sie wissen: Gegen Real müssen sie angreifen, Tore erzielen, um das 1:2 aus dem Hinspiel umzubiegen. Die vergangenen Spiele haben den Eindruck verstärkt, dass das - wenn überhaupt - nur mit Lewandowski möglich ist.

Der Pole ließ am Sonntag über die Klub-Webseite ausrichten: "Es geht mir gut. Ich bin sehr zufrieden, dass ich heute im Training dabei sein konnte. Alles ist okay." Die Bayern und ihr Trainer werden das mit Erleichterung vernommen haben.

Doch die lahmende Offensive ist nicht das einzige Problem. Ein ungleich größeres tut sich in der Defensive auf, die dieser Tage besorgniserregende Verluste zu beklagen hat. 

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Javier Martinez ist gesperrt. Jerome Boatengs Adduktoren zwicken so sehr, dass er momentan nicht mal einen Fußballplatz betreten kann. Der Verteidiger wird zwar mit dem Team am Montag nach Spanien reisen, ob es aber für einen Einsatz reicht, ist derzeit nur schwer zu beurteilen.

Chancen auf Hummels' Einsatz  steigen

Bei Mats Hummels gibt es seit Sonntag zumindest wieder berechtigte Hoffnungen auf einen Einsatz gegen Real. Der Nationalspieler absolvierte eine 25-minütige Laufeinheit und zeigte dabei vielversprechende Fortschritte.

Die medizinische Abteilung des Rekordmeisters arbeitet zudem mit Hochdruck an einer möglichen Blitz-Heilung des Weltmeisters: Mit der Fortsetzung der Lymphdrainage sowie Behandlungen mit Strom und Ice Packs soll ein Einsatz des 28-Jährigen doch noch möglich gemacht werden.

Ob Hummels, der gemeinsam mit dem Team am Montag gegen 11 Uhr nach Madrid fliegt, im Estadio Santiago Bernabeu auflaufen kann, wird sich vermutlich am Abend nach dem Abschlusstraining entscheiden. 

Auch wenn SPORT1 die Chancen auf einen Einsatz Hummels' auf 60 Prozent beziffert, ist Ancelotti dennoch gut beraten, sich andere Abwehrformationen zurechtzulegen.

In Leverkusen probte er für 20 Minuten den Ernstfall. An der Seite von David Alaba durfte Joshua Kimmich in der Schlussphase Innenverteidiger üben. Möglich ist aber auch, dass Ancelotti Xabi Alonso zurück in die Viererkette zieht.

Wie auch immer die Abwehr aussehen wird in Madrid - sie muss sich der Power eines Cristiano Ronaldo oder der Kopfballstärke von Sergio Ramos erwehren und gleichzeitig einen geordneten Spielaufbau organisieren. Wie das funktionieren soll, darauf muss Carlo Ancelotti nun zügig eine gute Antwort finden.

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