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München - Jerome Boatengs Ausfall verschlimmert Bayerns Abwehrsorgen. Der Einsatz gegen Real wird zum Wettlauf gegen die Zeit. Ein Amateur und ein Youngster dienen als Notnagel.

Carlo Ancelotti ist ein Mann mit hellseherischen Fähigkeiten. 

Es ist noch nicht lange her, da hat der Trainer des FC Bayern München folgenden Satz gesagt: "Es gibt keine Nummer eins, zwei oder drei - sie sind alle drei fantastisch und ich werde alle brauchen."

Es ging um seine Innenverteidiger Mats Hummels, Javier Martinez und Jerome Boateng. Auf dem Papier eine vorzügliche Personalauswahl, ob der so mancher Experte den Bayern bereits ein Luxusproblem attestieren wollte. 

Ancelotti lächelte derlei Eingebungen weg. Ihm sei wichtig, dass immer zwei gesunde Verteidiger zur Verfügung stünden. Der Italiener muss geahnt haben, wie akut dieses Thema noch einmal werden würde. 

Vom einstigen Luxusproblem in der Abwehr ist mit Blick auf das Viertelfinal-Rückspiel in der Champions League bei Real Madrid (Di., 20.45 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) nämlich nicht mehr viel übrig geblieben.

Der Stand der Dinge sieht so aus:

Javier Martinez - gesperrt (Gelb-Rot im Hinspiel)

Mats Hummels - verletzt (Stauchung des rechten, oberen Sprunggelenks und Verletzung des Kapsel-Bandapparates, Einsatz im Rückspiel höchst fraglich)

Und nun auch noch Jerome Boateng, dessen Einsatz in Madrid aufgrund von schweren Problemen im Adduktorenbereich nach SPORT1-Informationen stark gefährdet ist.

Ancelotti muss Verteidiger erfinden

In der Defensive des FC Bayern herrscht also endgültig Land unter. 

Bei der Pressekonferenz am Karfreitag verhängte Ancelotti den Notstand über sein Abwehrzentrum. Aktuell ist keiner seiner drei etatmäßigen Innenverteidiger einsatzfähig. Boateng muss mindestens für das Bundesliga-Spiel in Leverkusen (Sa., 18.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) passen. 

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"Wir denken, dass er gegen Real spielen kann", teilte Ancelotti mit. In seinen Worten schwang mehr Hoffnung als Gewissheit mit. Denn auch für Hummels wird es bis zum Rückspiel am Dienstag "sehr eng", wie er der Bild verriet. 

Einen ersten Vorgeschmack auf das, was den Bayern in Madrid blüht, könnte die Bundesligapartie am Samstagabend liefern. Sollte Joshua Kimmich im Mittelfeld auflaufen und Philipp Lahm wie erwartet geschont werden, besteht die Viererkette in Leverkusen wohl aus Rafinha, dem in der Liga spielberechtigten Martinez, David Alaba sowie Juan Bernat. 

Bayerns Notnagel: Ein Amateur und ein 19-Jähriger

Für den schlimmsten aller Notfälle nimmt ein gewisser Nicolas Feldhahn auf der Bank Platz. Sollte Ancelotti gegen Bayer - anders als am Freitag angekündigt - auch Alaba schonen wollen, könnte Feldhahn sogar in der Startelf stehen.

Der 30-Jährige misst sich sonst mit Teams wie Illertissen und Seligenporten in der Regionalliga Bayern. Seine bisherigen Pflichtspieleinsätze bei den Profis: null.

Nur mal angenommen, Boateng wird bis Madrid nicht rechtzeitig fit: Ancelotti müsste für seinen Abwehrriegel auf die Schnelle einen halbwegs erprobten Zweikämpfer erfinden. Die wahrscheinlichste Konstellation:

Lahm - Kimmich - Alaba - Bernat: vier Flöhe, von denen der größte (Alaba) 1,80 Meter ist. Lufthoheit ist etwas anderes.

Eine zweite denkbare Formation:

Lahm - Alonso - Alaba - Bernat 

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Und in dem Rhythmus, in dem sich Münchner Defensivspieler derzeit dienstunfähig melden, muss man Sorge haben, dass die Ausfallliste bis Dienstag noch länger wird. 

Irgendwann wird an Nicolas Feldhahn kein Weg mehr vorbeiführen. Den hatten die Bayern schon vorsorglich für die Champions League auf die Meldeliste gesetzt. Dort ebenfalls registriert ist Marco Friedl, eigentlich Linksverteidiger. Zur Not kann er auch in der Mitte spielen. Der Youngster ist immerhin 1,87 Meter groß.

Bevor er einen 19-Jährigen auf Ronaldo und Benzema loslassen muss, wird Ancelotti aber inständig hoffen, dass Boateng rechtzeitig wieder fit wird.

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