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München - Vor seinem letzten Spiel für Dortmund fürchtet sich Mats Hummels vor einem Schicksal wie Matthäus oder Möller. Seine schnörkellose Art ist zugleich Hilfe und Bürde.

Am Donnerstag schien alles schon vorbei zu sein. "Hummels beendet Karriere", so ging die Meldung. Ist vielleicht auch besser so, nach all dem Trubel um seinen Wechsel nach München.

Gemeint war dann doch Mats' Bruder Jonas, der es nach zu vielen zermürbenden Verletzungen gut sein lässt. Ab dem Spätsommer wächst dann die Familie wieder enger zusammen. Davor steht für Mats aber noch eine harte Prüfung an.

Horrorszenarien für Hummels

Alle möglichen Horrorszenarien sind bereits gedichtet, Hummels selbst äußerte bereits seine Angst vor einem Elfmeterschießen im Endspiel des DFB-Pokals mit Borussia Dortmund gegen den FC Bayern (Sa. ab 19.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER bei SPORT1).

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Macht er den Matthäus? Wird er zum Thurk? Endet er etwa wie Ballack und Möller? Alles Fälle, bei denen Transfers den Spielern jede Menge Hass einbrachten.

"Ich weiß, da war 1984 Lothar Matthäus vor seinem Wechsel von Mönchengladbach nach München. Da liegen wohl 20 Tonnen auf den Schultern", sagte Hummels. Matthäus verschoss im Pokalfinale im Elfmeterschießen, Gladbach verlor und die Borussenfans erdachten sich ganz neue Flüche.

Bloß kein Thurk werden

Thurk schoss erst Mainz zum Aufstieg und sorgte dafür, dass sein künftiger Verein Cottbus unten blieb. Nach seiner Rückkehr zum FSV erzwang er später seinen Wechsel zum Lokalrivalen Eintracht Frankfurt und erweitert seitdem den Kreis der personae non gratae in der Bundesliga.

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Ähnlich erging es Ballack 2006 bei seinem Wechsel von den Bayern zu Chelsea und Möller, als dieser erst 1990 einen Transfer vom BVB nach Frankfurt dementierte und dann doch ging, und es zehn Jahre später wagte, Dortmund erneut zu verlassen, diesmal dankenswerterweise nach Schalke.

Warnende Beispiele für Hummels. Nach acht Jahren in Dortmund will er auf keinen Fall als Antiheld gehen. Dabei würde es ohne Zweifel helfen, lupfte er am Samstag den Pokal in die Nacht von Berlin.

Lewandowski sagt schweres Spiel voraus

Viel wird auf diesen letzten Einsatz ankommen. "Ich kenne die Situation. Es wird nicht einfach für Mats", sagte Robert Lewandowski voraus. Alles Quatsch, konterte Hans-Joachim Watzke: "Wer in Rio de Janeiro dem Druck gegen Argentinien standhält, der hält auch den Druck in einem Pokalfinale aus", sagte Dortmunds Geschäftsführer über seinen Weltmeister.

Alle machen sich Gedanken über Hummels. Und genau das ist womöglich das Problem: Zum ersten Mal steht er derart im Mittelpunkt. Natürlich war der Druck in den Endspielen der Weltmeisterschaft oder der Champions League höher, doch da war Hummels noch einer von vielen.

Immerhin bewies er bereits bei seinen letzten Heimspielen für Dortmund Nervenstärke. Gegen Wolfsburg ertrug er Pfiffe und Beleidigungen einiger, die sich selbst als Anhänger des Vereins bezeichnen, bei dem Hummels spielt.

Sauberer Abschied wichtig

Sein letzter Auftritt mit BVB-Trikot im Dortmunder Stadion gegen Köln war dann so etwas wie Teil eins der großen Versöhnung. Hummels ist ein sauberer Abschied extrem wichtig.

Er klopfte nie auf sein Wappen oder sang an vorderster Front Dortmunder Lieder, sondern führte die Mannschaft strengen Wortes. Das brachte ihm keine heiße Liebe in Dortmund, sein Name ist bei den Fans kaum mit überbordender Emotion verbunden.

Das macht es in so einer Situation schwieriger für ihn. Allerdings hilft ihm seine gerade Art, sich der Situation zu stellen. Hummels weicht den Fans auf keinen Fall aus, das schätzen diese. Qualitäten, die er auch in seinem ersten Pflichtspiel für die Bayern brauchen wird - beim Supercup in Dortmund.

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