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Osnabrück - Borussia Dortmund tut sich gegen die Sportfreunde Lotte lange schwer, zieht aber dennoch ins Halbfinale des DFB-Pokals ein. Dort kommt es zum Traumduell.

Anfangs zittrig, am Ende eiskalt: Borussia Dortmund hat den Pokalschreck Sportfreunde Lotte im zweiten Anlauf aus allen Träumen gerissen und sich den Halbfinal-Kracher bei Bayern München erspielt.

Der BVB gewann das Viertelfinal-Nachholspiel im Ausweichstadion von Osnabrück nach schwacher erster Halbzeit letztlich verdient mit 3:0 (0:0). Am 25. oder 26. April kann der BVB mit einem Triumph beim FC Bayern als erste Mannschaft zum vierten Mal in Folge das Endspiel erreichen. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

"Wenn man den Pokal gewinnen will, und das wollen wir unbedingt, dann muss man irgendwann gegen Bayern München gewinnen. Am besten machen wir es wie vor zwei Jahren im Halbfinale schon", schickte Marcel Schmelzer bei Sky eine Kampfansage Richtung München. Gonzalo Castro ergänzte: "Wir fahren dahin, um ins Finale zu kommen und um den Pokal zu gewinnen." (Die Stimmen zum Spiel)

Das erlösende Dortmunder Tor von Christian Pulisic (57.) beendete das Lotter Pokalmärchen mit einem Schlag. Der Drittliga-Aufsteiger hatte 1860 München, Bayer Leverkusen und Werder Bremen aus dem Wettbewerb geworfen, die vierte Sensation blieb aus: Der BVB war vor 15.780 Zuschauern eine Nummer zu groß.

Schürrle trifft zur Entscheidung

Spätestens mit dem 2:0 von Weltmeister Andre Schürrle (66.) war das Duell entschieden. Kapitän Schmelzer schraubte das Ergebnis mit einem harten, aber haltbaren Freistoß (83.) weiter in die Höhe.

"Schöner könnte es nicht sein. Mund abputzen, jetzt das Halbfinale gegen Bayern", sagte BVB-Mittelfeldspieler Gonzalo Castro in der ARD: "Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass wir keinen Schönheitspreis erringen wollen. Wir haben das gespielt, was der Platz uns erlaubt hat und nach schwieriger Anfangsphase verdient gewonnen."

"Der Platz war unglaublich schwer zu bespielen, aber es ist alles so gekommen, wie wir es erwartet haben. Wir wollten ganz seriös spielen und das haben wir geschafft. Dickes Kompliment an meine Mannschaft", ergänzte Coach Thomas Tuchel. "Heute war kein Matchplan-Spiel für uns, heute lief es erstmal nicht über Qualität. Das hatte eher mit Charakter, Einstellung und Aufmerksamkeit zu tun. Das haben wir gezeigt, darum haben wir verdient gewonnen."

Isak gibt Debüt

Die Borussia war überraschend ohne Pierre-Emerick Aubameyang angetreten, der wegen Adduktorenproblemen nicht im 18er-Kader von Trainer Thomas Tuchel stand. Für den besten Bundesliga-Schützen (21 Treffer) stürmte Schürrle.

Nationalspieler Julian Weigl fehlte ebenfalls mit Adduktorenbeschwerden, Matthias Ginter ersetzte in der Innenverteidigung den gesperrten Abwehrchef Sokratis. Der schwedische Winterzugang Alexander Isak feierte mit seiner Einwechslung nach 86 Minuten sein BVB-Debüt. (Die Statistiken zum Spiel)

Lotte ging mutig und schwungvoll in das größte Spiel seiner Vereinsgeschichte. Es dauerte 63 Sekunden bis zur ersten Lotter Großchance: Der beeindruckend robuste Bernd Rosinger schaffte es, BVB-Torwart Roman Bürki zu umspielen, sein Pass in die Mitte fand jedoch keinen Abnehmer. Zwei Minuten später erzielte Schürrle auf der Gegenseite ein Abseitstor, Bürki musste gegen Tim Wendel retten (11.).

"Wenn wir mit der ersten Chance das Tor erzielen, wird Dortmund vielleicht bisschen nervös. Wir waren in den Zweikämpfen sehr präsent, aber es ist schwer, so eine Qualität 90 Minuten lang zu kontrollieren", sagte Lottes Trainer Ismail Atalan.

Stadionsprecher sorgt für Erheiterung

Die Bedingungen waren nach der kurzfristigen Absage Ende Februar diesmal angenehm. "Wir haben den Rasen aus unserem Stadion mitgebracht", rief der Sportfreunde-Stadionsprecher den Fans zu - aber das war selbstverständlich ein Scherz. Der Rasen im Osnabrücker Stadion an der Bremer Brücke war nicht im besten, aber doch in einem ordentlichen Zustand: kein Vergleich mit dem Matschsumpf in Lotte vor drei Wochen. (Ergebnisse und Spielplan des DFB-Pokals)

Die Sportfreunde zeigten, wie ein Außenseiter ein Pokalspiel angehen muss: Laufstark, hart am Mann und nach Ballgewinn blitzschnell nach vorn spielte der Drittligist, der einige Schwächen in der Dortmunder Defensive aufdeckte.

Dembele leitet sehenswert ein

Da dem BVB offensiv die Präzision fehlte - beispielsweise bei Schüsssen von Gonzalo Castro und Raphael Guerreiro -, entstand ein Spiel auf Augenhöhe, was nicht im Sinne des hohen Favoriten sein konnte. Besonders Schürrle spielte die durchaus ansehnlichen Angriffe selten effektiv aus. Nach der Pause drückte der BVB heftig auf den Sieg.

Gegen einen Kopfball Ginters (50.) rettete Matthias Rahn noch in höchster Not - doch dann musste der tapfere Underdog sich geschlagen geben, als Ousmane Dembele zu einem Sololauf ansetzte. Andre Dej gab die Verfolgung des pfeilschnellen Franzosen im Mittelfeld nach 20 Metern auf, Dembele setzte dann Pulisic ein, der Torhüter Benedikt Fernandez tunnelte. Schürrle entschied das nun einseitige Spiel mit einem Volleyschuss aus kurzer Distanz.

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