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München - Der FC Bayern ist nach der Halbfinal-Niederlage gegen Borussia Dortmund tief getroffen. Die Aufarbeitung des April-Absturzes wird dauern - und kann ungemütlich werden.

Größer hätte die Demütigung nicht sein können. Während aus der Kabine von Borussia Dortmund laute Musik schallte und Bierkästen herangeschleppt wurden, suchte Karl-Heinz Rummenigge wenige Meter entfernt fassungslos und mit versteinerter Miene nach Erklärungen.

Das 2:3 (2:1) im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den Erzrivalen hat den erfolgsverwöhnten FC Bayern schwer getroffen - und ihn nach dem Aus in der Champions League in Schockstarre versetzt.

Anstatt wie erhofft das Triple oder wenigstens das Double zu feiern, musste der Vorstandsvorsitzende die Krise moderieren und unangenehme Fragen zur Zukunft des Rekordmeisters beantworten.

Auch wenn die 27. Meisterschaft, die die Münchner am Samstag in Wolfsburg vorzeitig gewinnen könnten, als Trostpreis bleibt: Es dürfte ein unruhiger Sommer werden - auch für Trainer Carlo Ancelotti, der es wie zuvor Pep Guardiola nicht geschafft hat, die großen Träume des Rekordmeisters zu erfüllen.

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Hummels mit klaren Worten

Doch so rechte Lust, den Blick nach vorne zu richten, verspürte beim FC Bayern nach einem "bitteren Abend" (Rummenigge) niemand. "Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über die Zukunft zu sprechen. Jetzt müssen wir erst einmal in Ruhe die Wunden lecken. Das tut weh", sagte der Vorstandsboss ernüchtert.

Für eine Saison-Bilanz sei es "noch zu früh", ergänzte Ancelotti. Doch sein Gesicht sprach Bände. Aschfahl analysierte der Italiener die unnötige Pleite, die nicht nur bei Superstar Arjen Robben "Riesen-Enttäuschung und Frust" hinterließ.

Nur Mats Hummels fand gewohnt deutliche Worte. Auf die Frage, ob ein Titel für die riesigen Ansprüche zu wenig sei, räumte der Weltmeister offen ein: "Angesichts der vielen Chancen, die wir hatten, um ins Finale einzuziehen, kann man das so formulieren. Wir haben das Finale fahrlässig sausen lassen."

Der FC Bayern sei "selbst schuld", dass er nicht zum 22. Mal im Pokalfinale stehe, meinte auch Robben mit finsterem Blick.

"Dann wäre es vorbei gewesen"

In der Tat: Nachdem die Münchner noch vor der Pause die zu diesem Zeitpunkt verdiente BVB-Führung durch Marco Reus (19.) dank der Tore von Javi Martínez (28.) und Hummels (41.) gedreht hatten, versäumten sie es leichtfertig, den Sack zuzumachen. Sowohl der sonst so treffsichere Robert Lewandowski als auch Robben vergaben klarste Chancen.

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Nach 63 Minuten vertändelte Keeper Roman Bürki den Ball im eigenen Strafraum, Arjen Robben schloss mit links fulminant aus wenigen Metern ab.

Der auf der Linie stehende Sven Bender schmiss sich jedoch in den Schuss und erwischte die Kugel mit dem linken Fuß. Der Ball landete am Pfosten, ging von dort an die Latte und landete wieder beim BVB. Statt das Spiel mit dem 3:1 (vor) zu entscheiden, ließ der FCB die Partie offen - und verlor dramatisch.

"Das war überragend, den habe ich schon drin gesehen. Dann wäre es sehr eng geworden für uns. Das war eine tausendprozentige Chance für Robben und Sven lenkt ihn an den Pfosten", schwärmte Sportdirektor Michael Zorc bei Sky. Kapitän Marcel Schmelzer ergänzte: "Riesenkompliment an Sven Bender. Wenn er das Ding nicht noch von der Linie kratzt, wäre es vorbei gewesen." (POKALBLOG: Die Reaktionen zum Kracherduell)

Bender witzelt über Rettungstat

Auch beim Gegner hinterließ die Szene tiefe Spuren, Hummels sprach von der wichtigsten Aktion des Spiels: "Danach gab es gleich einen guten Konter für den BVB, da hat man gespürt, dass der Glaube wieder aufkommt. Diese Szene hat das Spiel mitentschieden", haderte der frühere Dortmunder, der die Bayern zuvor mit 2:1 in Führung gebracht hatte (41.).

Der Geehrte selbst nahm die Aktion mit Humor: "Wenn man keine Lust hat, den Ball zu halten, dann stehe ich gerne zur Verfügung", sagte er in Richtung seines Torwarts.

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Bürki nahm die Anspielung auf und erklärte: "Bis dahin habe ich Lust gehabt und dann hab ich gedacht: Jetzt kann er auch mal einen halten", anschließend holte er zum Loblied auf den verletzungsgeplagten Bender aus. "Das hat er überragend gemacht. So schnell mit dem Fuß zu sein, das habe ich noch nie gesehen. Er war wie ein Handballtorwart."

Auch Thomas Tuchel dachte an diese Szene. "Da sind wir mit dem Schrecken davongekommen", sagte er, bei einem 1:3-Rückstand, ergänzte der Dortmunder Trainer, "wäre es unmöglich gewesen zurückzukommen". So aber verdarben Pierre-Emerick Aubameyang (69.) und der auffällige Jungstar Ousmane Dembele (74.) nach einem Fehler von Philipp Lahm den Bayern die Pokal-Party - sie sorgten beim BVB zwei Wochen nach dem Attentat auf den Mannschaftsbus für reichlich positive Emotionen.

Bayern erstmals seit sechs Jahren ohne Finale

Tuchel sprang nach Spielschluss außer Rand und Band über den Rasen der Arena, seine Spieler fielen sich überglücklich in die Arme. "Das ist eine große Genugtuung", versicherte Sportdirektor Michael Zorc strahlend, "wenn es eine Mannschaft verdient hat nach den letzten Wochen, ein bisschen Glück zu haben und nach Berlin zu fahren, dann Borussia Dortmund". Es fühle sich "sensationell gut an", unterstrich Tuchel.

Während es die Dortmunder, die in der Liga noch den dritten Platz verteidigen wollen (Zorc: "Da sind wir in der Pflicht"), nach dem vierten Einzug ins Pokalfinale in Serie (Rekord!) ordentlich krachen ließen, blieben die Bayern ernüchtert zurück. Ihnen steht ein Umbruch bevor: Lahm und Xabi Alonso haben noch vier Ligaspiele und hören dann auf, Robben (33) und Franck Ribery (34) sind in die Jahre gekommen. Es werden bereits Namen wie Alexis Sanchez vom FC Arsenal gehandelt.

Doch Robben wollte eine Woche nach dem bitteren Aus in der Königsklasse gegen Real Madrid nicht den Stab über den aktuellen Kader brechen. "Der Hunger ist da, wir wollen. Wir haben eine sehr gute Mannschaft", sagte der Niederländer trotzig, "wir haben nur nicht gewonnen." Und genau das ist das Problem. Schon in Madrid hatte Hummels betont, "dass Fußball ein Ergebnissport ist". 

Dennoch, so Lahm tapfer: "Wenn man Meister wird, ist es nie eine schlechte Saison." Aber so auch keine gute. Erstmals seit 2011 finden die Finalspiele im Pokal und in der Champions League ohne Münchner Beteiligung statt, dem Kapitän bleibt ein krönender Abschluss in Berlin verwehrt. So schwer es jetzt falle, meinte Lahm, "werde ich trotzdem versuchen, die letzten Wochen zu genießen".

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