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München und Mönchengladbach - Frankfurts Coach Niko Kovac erklärt, warum er während des Elfmeterschießens gegen Gladbach ausflippte. Für einen Frankfurter ist der Finaleinzug märchenhaft.

Als das Spiel gerade auf des Messers Schneide stand, da brach es aus Niko Kovac heraus wie aus einem Vulkan.

Der sonst so souveräne Trainer von Eintracht Frankfurt faltete während des Elfmeterschießens gegen Borussia Mönchengladbach lautstark seinen Betreuerstab zusammen.

"Bei unseren Elfmetern war ich relativ ruhig", meinte Kovac dennoch nach dem dramatischen Einzug ins DFB-Pokalfinale.

Was den Eintracht-Coach so auf die Palme brachte, war etwas anderes: Die nahezu perfekte Ausführung der ersten sechs Gladbacher Strafstöße in den Torwinkel.

Niko Kovac
Trotz des Treffers von Russ im Elfmeterschießen regte sich Niko Kovac (M.) am Seitenrand fürchterlich auf © SPORT1

"Haben nur nach oben geschossen"

"Ich habe versucht, jemanden hinters Tor zu schicken, weil ich auch gesehen habe, dass sie nur nach oben geschossen haben und ich wollte, dass der Lukas da einen kleinen Tipp bekommt", erklärte Kovac seinen Wutanfall in der ARD.

"Wobei er intelligent genug ist und schon gemerkt hat, dass die da oben immer nur die Spinnennester vom Netz schießen wollten."

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Kurz danach parierte Keeper Lukas Hradecky die - flach geschossenen - Elfmeter sieben und acht der Gastgeber und wurde somit zum Frankfurter Helden.

"Elfmeterschießen ist immer Lotterie, und wir waren heute die Glücklicheren", meinte Kovac danach und musste lachen: "In der Liga ist unsere Elfer-Bilanz katastrophal, wir haben uns die Treffer alle für den Pokal aufgehoben."

Freifahrtsschein für die Partynacht

Danach brachen alle Dämme bei den jubelnden Hessen, denen ihr Trainer einen Freifahrtsschein zur Party ausstellte.

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"Meine Spieler können tun und lassen, was sie möchten. Wenn man ins Endspiel kommt, will man das ausgiebig feiern. Das sollen die Jungs auch machen", sagte er.

"Heute wird es sicher etwas länger dauern. Morgen am späten Nachmittag werden wir versuchen, uns etwas zu bewegen und Donnerstag kriegen die Jungs frei."

Vor einem Jahr erst in der Relegation vor dem Abstieg gerettet, steht die Eintracht nun zum ersten Mal seit 2006 (0:1 gegen Bayern) wieder im DFB-Pokalfinale – in Kovacs' Geburtsstadt Berlin.

"Besser geht es nicht", sagte der 45-Jährige. "Eines ist klar, ich brauche sicher die meisten Eintrittskarten."

Russ' persönliches Märchen

Zwei Spieler aus dem aktuellen Kader waren schon vor elf Jahren dabei: Der verletzte Kapitän Alex Meier und Marco Russ, der in Gladbach sein ganz persönliches Märchen schrieb und symbolisch für den Höhenflug der Frankfurter steht.

"Es ist noch kein Jahr her, da habe ich von meiner Krankheit erfahren. Deshalb bin ich megaglücklich, dass wir das Finale erreicht haben und ich sogar ein Teil davon war", berichtete Russ, der erst Ende März nach überstandener Hodenkrebs-Erkrankung sein Comeback gegeben hatte.

"Das ist sicher auch eine Message für viele Menschen", meinte Eintrachts Sportchef Fredi Bobic. "Ich wusste gar nicht, dass er auch Elfmeter kann."

Für den viermaligen DFB-Pokalsieger (zuletzt 1988) war es bereits der dritte Erfolg im Elfmeterschießen in dieser Pokalsaison.

Mit der gleichen Bilanz gewann der VfB Stuttgart zuletzt 1997 den Pott. Damals im Siegerteam: Fredi Bobic.

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