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München - Der FC Bayern bleibt unter Jupp Heynckes in der Erfolgsspur. Doch in Leipzig wird auch deutlich, dass die anhaltenden Schwächen nicht über Nacht zu beheben sind.

Nach dem glücklichen Ende des Dramas von Leipzig gab es beim FC Bayern München kein Halten mehr.

Nur einer feierte nicht mit, sondern verschwand schnurstracks in den Katakomben: Jupp Heynckes.

Nicht wenige machten sich am Mittwochabend Sorgen um den 72-Jährigen, der auch wegen seines anhaltenden Nasenblutens angeschlagen wirkte.

Ähnlich wie der FC Bayern zuvor, der trotz 65 Minuten mit einem Mann mehr erst im Elfmeterschießen den aufmüpfigen Underdog aus Leipzig besiegen konnte.

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"Dieses Spiel hat sehr viele Nerven gekostet", meinte Arjen Robben - und klang ebenso erleichtert wie David Alaba: "Wir sind alle überglücklich, dass wir das hier gepackt haben."

Das Erfolgserlebnis sorgte für einen kleinen Euphorieschub beim Rekordmeister, wie die Begeisterung nach der Partie zeigte. (Pressestimmen: Ausland neidisch auf "Sauron gegen Darth Vader")

"Wichtiger Schub für die nächsten Wochen"

"Wenn du ein Spiel so gewinnst, im Elfmeterschießen, dann bekommst du noch mal Energie", meinte Robert Lewandowski. Und auch Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge glaubt:  "Das ist ein wichtiger Schub für uns für die kommenden Wochen."

Von den Ergebnissen her haben die Bayern unter Rückkehrer Heynckes mit vier Siegen in vier Spielen den Turnaround geschafft.

In der Champions League ist das Weiterkommen so gut wie sicher, im Pokal wurde der neben Dortmund schwerste Gegner bezwungen und in der Bundesliga hat das Team binnen zwei Spielen fünf Punkte auf den BVB aufgeholt.

Zweifel an der Stärke der Bayern bleiben

Und doch bot der Auftritt in Leipzig auch Anlass zu neuem Zweifel, wie stark die Münchner wirklich noch sind. "Heute haben wir in einigen Situationen das nötige Glück gehabt", gab Mats Hummels zu.

So steht auch wieder die Frage im Raum, ob Heynckes tatsächlich nach viereinhalb Jahren im Ruhestand noch die Energie hat, der Mannschaft eine neue Handschrift zu verpassen.

Dafür standen die gesundheitlichen Probleme des Routiniers in Leipzig irgendwie sinnbildlich, auch wenn das Nasenbluten medizinisch unbedenklich ist. Aber es tritt eben bei älteren Menschen und unter Stress deutlich häufiger auf.

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Herkulesaufgabe für Heynckes

Doch mit ruhiger Hand alleine ist es nicht getan, Heynckes hat sich in München eine echte Herkulesaufgabe aufgehalst.

"Wir haben in der ersten Halbzeit viele Ballverluste in der Vorwärtsbewegung gehabt. Das war eklatant. Da haben wir viele brandgefährliche Konter zugelassen", verwies Hummels auf eins von mehreren Problemen.

Die fehlende Struktur im Spiel, die Harmlosigkeit in der Offensive, die Fehler in der Rückwärtsbewegung, die teilweise mangelnde Fitness, die Formprobleme von Stars wie Arturo Vidal oder James, die Unwucht im Kader - all das ist durch die Trennung von Carlo Ancelotti nicht über Nacht verschwunden. Im Gegenteil.

Die von Louis van Gaal, Heynckes und vor allem dessen Nachfolger Pep Guardiola perfektionierte totale Dominanz ist ebenso verloren gegangen wie die klare Spielphilosophie. Stattdessen setzt man auf Einsatz, Intuition, Einzelkönner und Glück.

Kaum Zeit zur Ursachenbehebung

Und Heynckes hat angesichts der Dreifachbelastung und der extrem kurzen Winterpause kaum Zeit, die Ursachen zu beheben, kann nur an den Symptomen herumdoktern. So ähnlich wie die Tamponade, die sein Nasenbluten nur aufhält, aber das Problem nicht behebt.

"Allgemein sind wir in einer besseren körperlichen Verfassung und spielen auch besseren Fußball. Es ist aber noch nicht so, dass wir alles an die Wand spielen", sagte Hummels. "Ganz im Gegenteil, wir müssen hart kämpfen für unsere Punkte."

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Umso größere Bedeutung kommt nun den beiden Duellen gegen Leipzig am Samstagabend (18.30 Uhr im LIVETICKER) und eine Woche später gegen Dortmund zu. Mit zwei Siegen wäre der FCB wieder zurück an der Bundesliga-Spitze.

Bei Rückschlägen allerdings könnte die Stimmung in München schnell wieder kippen. Spätestens die Begegnung am Mittwoch hat gezeigt, dass die beiden Rivalen in dieser Saison offenbar auf Augenhöhe mit dem Dominator der Vorjahre sind.

"Leipzig ist eine Mannschaft mit Qualität, hier wird gut gearbeitet", meinte Rummenigge ungewohnt zurückhaltend: "Da sollte nicht nur der FC Bayern Respekt haben, sondern die ganze Liga."

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