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Lukas Podolski feiert mit Max Kruse und Andre Schürrle seinen Ausgleichstreffer gegen Australien.
Lukas Podolski feiert mit Max Kruse und Andre Schürrle seinen Ausgleichstreffer gegen Australien. © Getty Images

Kaiserslautern - Im ersten Länderspiel des Jahres schafft das DFB-Team gegen Australien mit Ach und Krach ein Unentschieden. Vor allem hinten knirscht es - ein Experiment scheitert kolossal. Immerhin Lukas Podolski jubelt.

Joachim Löws Experimente sind zunächst einmal gescheitert:

Mit verändertem Personal und einer neuen taktischen Ausrichtung hat Weltmeister Deutschland beim 2:2 (1:1) gegen den ersatzgeschwächten Asienmeister Australien einen klassischen Fehlstart ins neue Länderspieljahr hingelegt.

Ausgerechnet der zuletzt hart kritisierte Lukas Podolski bewahrte die DFB-Elf mit seinem Ausgleichstreffer (81.) acht Minuten nach seiner Einwechslung vor einer Blamage.

Bei ihrem ersten Auftritt 2015 offenbarte die Mannschaft von Bundestrainer Löw vier Tage vor ihrem ersten Pflichtspiel nach der Jahreswende am Sonntag in Tiflis gegen Georgien (Sa., 18 Uhr im LIVETICKER) in allen Mannschaftsteilen große Schwächen.

Löw und Khedira selbstkritisch

Den letzten Vergleich mit Deutschland hatten die Socceroos am 29. März 2011 in Mönchengladbach sogar noch 2:1 gewonnen.

Der Dortmunder Marco Reus (17.) hatte die DFB-Elf im mit 47.106 Zuschauern ausverkauften Fritz-Walter-Stadion in Führung gebracht. James Troisi (40.) und Mile Jedinak (50.) sorgten dann aber mit ihren Treffern für lange Gesichter bei den Gastgebern.

"Ich wollte der veränderten Personalsituation Rechnung tragen. Das Spiel war insgesamt ein bisschen hektisch. Die erste Halbzeit war aus unserer Sicht ganz ordentlich, in der zweiten Halbzeit hat bei uns die Klarheit gefehlt. Wir haben die Dinge nicht so umgesetzt wie wir sie umsetzen wollten", sagte Löw nach dem Abpfiff selbstkritisch im ZDF.

Auch sein Ersatzkapitän Sami Khedira war nicht zufrieden: "Wir haben nur zum Teil umsetzen können, was wir uns vorgenommen haben. Das war sicher nicht das, was wir uns vorgenommen haben. Wir wissen in der EM-Qualifikation um den Ernst der Lage, aber es muss sich keiner um uns Sorgen machen."

Schweinsteiger erst mal draußen

Löw hatte in der Startelf etwas überraschend auf den erstmals seit dem WM-Triumph im Kader stehenden neuen Kapitän Bastian Schweinsteiger verzichtet.

Stattdessen führte Khedira die Mannschaft aufs Feld - wie beim 1:0 gegen Spanien zum Jahresabschluss 2014. (REAKTIONEN: "Es muss sich keiner Sorgen machen")

Der Real-Profi leitete mit einem Ballgewinn und einem Sprint über das halbe Spielfeld das 1:0 ein. (NEWS: Alles zum DFB-Team) 

Reus drückte den Ball nach Khediras Pass am Fünfmeterraum und am Rande des Abseits ins Tor.

Dreierkette schlägt fehlt

Zuvor hatte die mit sechs Weltmeistern gestartete DFB-Elf bereits große Probleme. In der vor der Pause defensiven Dreierkette mit Rückkehrer Holger Badstuber klafften Lücken, die Australien zu guten Chancen nutzte.

Der Ingolstädter Mathew Leckie (9.) und Nathan Burns (14.) verfehlten das von Ron-Robert Zieler anstelle des angeschlagenen Manuel Neuer (Schleimbeutelentzündung) gehütete deutsche Tor.

Nach einer Viertelstunde kam Deutschland, angetrieben vom auffälligen Rückkehrer Ilkay Gündogan und dem starken Reus, zu ersten Gelegenheiten.

Reus, der mit Kumpel Mario Götze eine Doppelspitze bildete, vergab nach seinem achten Länderspieltor alleinstehend vor Australiens Torwart Mathew Ryan das mögliche 2:0 (23.). Auch der junge Kölner Jonas Hector, der im linken Mittelfeld zum Einsatz kam, hätte erhöhen können (27.).

Schluss mit Experimenten nach der Pause

Die deutsche Elf hatte das Geschehen anschließend scheinbar unter Kontrolle, blieb jedoch anfällig bei schnellen Gegenstößen der Gäste, von denen Troisi einen per Kopf zum nicht unverdienten Ausgleich nutzte.

Das erstmals in dieser Formation aufgebotene deutsche Abwehrtrio, dem zudem Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi angehörten, wirkte auch in dieser Szene alles andere als sattelfest.

Auch Löws Hoffnung, den Gegner mit zwei zusätzlichen Spielern im Mittelfeld (Hector und Karim Bellarabi) verstärkt unter Druck setzen zu können, erfüllte sich nur bedingt.

Götze als alleinige Spitze 

Nach der Pause beendete Löw beide Experimente. Zum einen stellte er wieder auf eine Viererkette mit den Außen Sebastian Rudy und Hector um.

Mustafi rückte für Badstuber, der zur Pause in der Kabine blieb, in die Innenverteidigung. Zum anderen agierte Götze nach Wiederanpfiff als einzige Spitze.

Doch auch diese Umstellungen waren nicht von Erfolg gekrönt.

Ron-Robert Zieler sieht beim Freistoß-Gegentor durch Australiens Mile Jedinak unglücklich aus
Ron-Robert Zieler sieht beim Freistoß-Gegentor durch Australiens Mile Jedinak unglücklich aus © Getty Images

Zieler unglücklich

Im Gegenteil: Auch als Vierkette agierte die deutsche Defensive vogelwild, was Mile Jedinak fünf Minuten nach der Pause gnadenlos ausnutzte.

Bei seinem Freistoß sah auch Zieler nicht ganz machtlos aus. Kurz darauf hatte Australiens Kapitän Troisi noch eine gute Möglichkeit, auf 3:1 zu erhöhen.

Anschließend hatte Bellarabi noch gute Möglichkeiten für die Gastgeber.

Unter dem Strich war die Vorstellung des Weltmeisters aber zu dürftig, um die konterstarken Australier ernsthaft in Gefahr zu bringen - bis Joker Podolski den Ball aus kurzer Distanz nach Vorarbeit von Andre Schürrle über die Torlinie bugsierte.

Podolski überholt Klinsmann und Völler

Mit seinem 48 Länderspiel-Tor rückte der Stürmer auf den vierten Platz in der ewigen Torjägerliste des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) vor und überflügelte damit Jürgen Klinsmann und Rudi Völler.

Der inzwischen aus der Nationalmannschaft zurückgetretene Miroslav Klose führt das Ranking weiter mit 71 Toren an vor Gerd Müller (68) und Joachim Streich (55/DFV).

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