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Oliver Kahn hegt Zweifel, ob der verletzungsgeplagte Kapitän bis zur EM wieder zur Top-Form findet. Gefälligkeiten dürfe es nicht geben. Beim DFB zeigt man sich unbesorgt.

Bastian Schweinsteiger steht wie kein anderer Spieler für den deutschen WM-Triumph.

Wie sich der DFB-Kapitän im Endspiel gegen Argentinien für "Die Mannschaft" aufopferte, sich von den Malträtierungen der Südamerikaner nicht stoppen ließ und am Ende sichtlich gezeichnet die Trophäe in den Nachthimmel von Rio reckte, hat sich wohl jedem deutschen Fußball-Fan fest eingeprägt.

Inzwischen sind Auftritte des Ex-Münchners auf dem Fußballplatz zur Seltenheit geworden.

Seit Anfang Januar hat Schweinsteiger wegen einer Knieverletzung keine einzige Minute mehr für Manchester United gespielt.

"Schweinsteiger muss in die Gänge kommen"

Und allmählich mehren sich die Zweifel, ob der Mittelfeldspieler bei der EM  im Sommer eine ähnliche Rolle wie 2014 einnehmen kann.

"Es geht darum, ob Bastian auf höchstem Niveau bestehen kann. Bastian hat das Bestreben, Europameister zu werden. Aber klar ist: Wenn Bastian eine tragende Rolle spielen will, muss er schnell in die Gänge kommen", nimmt Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn in der Sport Bild Schweinsteiger in die Pflicht.

Von den 15 Länderspielen seit dem WM-Finale hat Schweinsteiger nur sechs absolivert, in dieser Saison bestritt er lediglich elf seiner 27 Pflichtspiele für Manchester United über die volle Distanz.

Kahn gegen Freifahrtsschein

Zwar hebt auch Kahn heraus, dass "jeder weiß, was er leisten kann, wenn er zu 100 Prozent die geistige und körperliche Verfassung hat", dennoch müsse man auch bei Schweinsteiger nach dem Leistungsprinzip urteilen. Eine Nominierung allein aufgrund seiner vergangen Verdienste dürfe es nicht geben.

"Ich war so oft selbst bei großen Turnieren dabei, dass ich erlebt habe, dass niemandem geholfen ist, wenn Spieler spielen, die körperlich nicht in ihrer besten Verfassung sind. Bei einer EM musst du alle zwei, drei Tage Top-Leistungen bringen - und das geht nur, wenn du voll im Rhythmus bist."

Auch Andreas Brehme schlägt in diese Kerbe:  "Natürlich sollte der Kapitän eigentlich immer da sein. Er weiß selbst, dass er mehr bringen muss und an seinen großen Leistungen gemessen wird."

Löw in ständigem Austausch

Auf DFB-Seite sieht man hingegen noch keinen Grund, Schweinsteiger in Frage zu stellen.

"Ich stehe in ständigem Austausch mit Bastian. Die aktuelle Verletzung macht mir keine Sorgen", sieht Bundestrainer Joachim Löw in der Sport Bild noch keinen Grund zur Sorge, und lobt United-Coach Louis van Gaal für den behutsamen Umgang mit Schweinsteiger.

Van Gaal schickte den 31-Jährigen in eine Art Kurzurlaub, um sowohl körperlich als auch mental wieder in Form zu kommen.

"Oft besteht das Risiko von Folgeverletzungen ja darin, dass Spieler zu früh wieder zurückkommen. Ich weiß, dass Bastians absoluter Fokus die EM ist, und ich habe vollstes Vertrauen, dass er sich gründlich vorbereiten und alles dafür tun wird", so Löw.

"In der Vergangenheit hat man immer gesehen, dass man sich auf Spieler mit großer Erfahrung verlassen kann, auch wenn sie in den drei Monaten vor einer EM oder WM nicht in jedem Spiel durchgespielt haben," ist auch Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hoffnungsfroh, dass der Kapitän bis zum EM-Start in Top-Form sein wird.

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