Video

Berlin - DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger erleidet erneut einen Innenband-Anriss im rechten Knie. Das EM-Aus droht, Bundestrainer Joachim Löw gibt die Hoffnung aber nicht auf.

Als Bastian Schweinsteiger am Mittwochmorgen zum Arzt seines Vertrauens flog, flog die Sorge mit.

Als die Diagnose von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt die DFB-Delegation in Berlin erreichte, schwankte die Stimmung zwischen Schock und Erleichterung. Der Innenbandteilriss gefährdet wohl zumindest das große Ziel des Nationalmannschafts-Kapitäns: Die EM in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli) als krönender Abschluss seiner Karriere im DFB-Team.

"Ich muss die Situation annehmen, wie sie ist. Und das werde ich auch", sagte Schweinsteiger in einer ersten Reaktion auf dfb.de.

Er verletzte sich am Ende des Dienstag-Trainings bei einem Gegner-Kontakt nach einem Pass. Darüber, wie lange er ausfallen wird, wie es bis zur EM in etwas mehr als zwei Monaten mit ihm weitergeht, wollte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Mittwoch nicht mutmaßen.

Die EM-Teilnahme scheint nicht ausgeschlossen. Es droht dem 31-Jährigen aber vielleicht doch ein Horror-Szenario: Nach zwölf Jahren und 114 Länderspielen im Kreise der Nationalelf ein Abschied durch die Hintertür.

Löw bleibt optimistisch

Bundestrainer Joachim Löw erklärte jedoch, er habe Schweinsteiger "gesagt, dass ich ihn mit Blick auf die EM keineswegs abschreiben werde. Ich weiß, dass er alles tun wird, um bis zum Turnier wieder fit zu sein." (Die Pressekonferenz zum Nachlesen)

Video

Doch aktuell war Schweinsteiger schon nur ein Chef für gewisse Stunden. Dass sein erstes Turnier als Kapitän auch sein einziges als Spielführer sein wird, pfeifen die Spatzen von den Dächern.

Ein Rücktritt aus dem Nationalteam nach der EM, so hört man aus Schweinsteigers Umfeld, ist wahrscheinlich. Weil er auch als Leader wichtig ist, nominierte ihn Bundestrainer Joachim Löw trotz fehlender Bestform für die beiden ersten Länderspiele des Jahres.

Sollte er zur EM fit werden, kann er sich Löws Unterstützung sicher sein. Denn nicht nur der Bundestrainer erinnert sich stets an das Bild vom 13. Juli 2014, auf dem Schweinsteiger, unter dem Auge eine blutende Wunde und der ganze Körper irgendwie ein einziger blauer Fleck, nach Sieg gegen Argentinien (1:0 n.V.) den WM-Pokal in die Luft reckt.

Das wichtigste Spiel seiner Karriere wurde sein bemerkenswertestes. Löw lobte eine "unmenschliche Willenskraft, die ich noch nie gesehen habe".

Zeitpunkt für Abschied verpasst?

Einen besseren Moment zum Abgang auf dem Höhepunkt wird Schweinsteiger nicht mehr finden, so viel scheint klar. Doch solch einen Leader braucht man auch bei einer EM. Obwohl er seit der Beförderung zum Kapitän nur 495 von 1350 Minuten auf dem Platz stand.

Bei Manchester United, wohin er im Sommer nach 17 Jahren bei Bayern München wechselte, nahm er aus Verletzungs- wie Leistungsgründen nicht die Rolle ein, die er und der Klub sich vorstellten. Die Daily Mail führt ihn als drittgrößten Flop der Saison.

Doch beim DFB irritiert das niemanden. "Bei so einem erfahrenen Spieler wie Bastian mache ich mir keine große Sorge", sagte Manager Oliver Bierhoff vor der Verletzung: "Vielleicht ist es sogar gut, dass er keine 60 Spiele vor der EM auf dem Buckel hat."

In einem offenen Brief an die Fans schrieb Schweinsteiger kürzlich, er wolle in Frankreich "einen Jubelsommer erleben". Sollte das gelingen und das DFB-Team mit dem Kapitän Schweinsteiger erstmals als Weltmeister eine EM gewinnen, wäre seine Mission endgültig erfüllt.

x
Bitte bewerten Sie diesen Artikel