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Die deutschen Fans waren vom Auftreten des Weltmeisters in Berlin nicht begeistert © Imago

München - Vor dem Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien ist fehlende Unterstützung der Fans des Weltmeister ein Streitpunkt. SPORT1 klärt die wichtigsten Fragen zu dem Thema.

Es war eine merkwürdige Atmosphäre. Deutschland führte 2:0 gegen England, und trotzdem hörte man von den 71.400 Zuschauern im Berliner Olympiastadion fast nur die 4000 englischen Fans.

Woran liegt es, dass bei Spielen der Nationalmannschaft häufig keine richtige Stimmung aufkommt? Wer entwirft die Choreographien? Welche Rolle spielt der Deutsche Fußball-Bund?  Ist miese Stimmung ein rein deutsches Phänomen?

SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer macht die Choreographien?

Vor dem Spiel gegen England standen Ordner vor dem deutschen Fanblock und hielten ein Transparent hoch, auf denen Anweisungen für die Zuschauer standen: Bitte Papptafeln/Folienschnitte hochhalten. In den sozialen Netzwerken gab es darauf viele Reaktionen und Vermutungen, der DFB gebe den Fans Anweisungen. Dem ist nicht so.

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Im Fan Club Nationalmannschaft gibt es eine Gruppe von 50 ehrenamtlichen Helfern, die Choreographien planen. Das Material stellt der DFB zur Verfügung und nimmt die Choreo ab, die Durchführung liegt aber bei den Fans. Damit alle mitmachen und die Choreo gelingt, liegen Zettel auf den Sitzplätzen - in Berlin wurde ein großes Transparent gewählt.

Was ist der Fan-Club Nationalmannschaft?

Der Club, der am Dienstag sein 13-jähriges Bestehen feiert und der etwa 63.000 Mitglieder hat, bietet u.a. Vorkaufsrecht für Karten (außer EM/WM), Wegfall der Vorverkaufsgebühren und spezielle Reiseangebote. Der Jahresbeitrag kosten 30 Euro, die Aufnahmegebühr beträgt zehn Euro.

Für den Kauf von EM-Tickets aus dem Kontingent des DFB konnten sich nur Club-Mitglieder bewerben. Das sorgte für Kritik und rief das Bundeskartellamt auf den Plan, das ein Verwaltungsverfahren eingeleitet hat, um die Kopplungs-Praxis zu prüfen.

Gibt es einen Fanblock wie bei Bundesligavereinen?

Ja, und normalerweise ist er in jedem Stadion auch dort, wo der harte Kern der Heimfans steht. In München sind zwei Blöcke in der Südkurve hinter dem Tor dafür reserviert. In diesem Bereich dürfen die Zuschauer auch stehen - wie in der Bundesliga.

Warum ist die Stimmung bei den Vereinen besser?

Ein Unterschied liegt auf der Hand: Die Nationalmannschaft spielt an unterschiedlichen Orten, es gibt keine gewachsenen Fan-Gruppierungen und auch nicht dieselbe Nähe zu den Spielern.

Bei der Nationalmannschaft ist man sich der Problematik bewusst. Es gibt 16 Fanclub-Betreuer, die sich viermal im Jahr beim DFB treffen und die wichtigsten Themen und Maßnahmen besprechen.

Ein zweiter Punkt ist das Alter der Fans: In den Vereinen sind die Anhänger jünger als bei der Nationalmannschaft.

Auch die Erwartungshaltung ist eine andere. Wer viel Geld für Eintrittskarten bezahlt, möchte etwas dafür bekommen. Wenn bei Freundschaftsspielen der letzte Einsatz auf dem Platz fehlt, bleibt auf den Rängen die Unterstützung aus.

Was kosten die Eintrittskarten?

Die günstigsten Plätze kosten 23 Euro. Die teuersten Sitzplatzkarten für das Spiel gegen Italien kosten 98 Euro.

Haben andere Länder auch organisierte Fanclubs?

Ja. Der englische Verband beispielsweise hat den Supporters Club (kostenlose Mitgliedschaft) und den gebührenpflichtigen Supporters Travel Club. Letzterer bietet die Möglichkeit, Karten für Auswärtsspiele und Turniere kaufen zu können. Die Mitgliedschaft für zwei Jahre kostet 75 Pfund (95 Euro) für Erwachsene und 45 Pfund für Kinder/Jugendliche.

Wie ist die Stimmung bei Auswärtsspielen?

Ähnlich wie in der Bundesliga oder Champions League bekommen die Gäste ein Kontingent von 10 Prozent des Stadion-Fassungsvermögens. Es gibt einen harten Kern von ein paar Hundert Fans, die bei allen Auswärtsspielen dabei sind und auch richtig Stimmung machen.

Als die DFB-Auswahl vor drei Jahren in England spielte und gewann, war die Stimmung im Gästeblock prächtig, die englischen Zuschauer im Wembley Stadion waren ähnlich ruhig wie die deutschen Fans in Berlin.

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