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Mesut Özil (M.) steht vor seinem vierten Turnier mit dem DFB-Team © dpa Picture alliance

Bundestrainer Joachim Löw schließt aus, dass Mesut Özil bei der EM auf den Flügeln spielen muss. Das heißt aber nicht, dass er nur im offensiven Mittelfeld zum Zuge kommen wird.

Und dann grätschte er sogar. Mitten in der zweiten Halbzeit beim 2:0 in der EM-Generalprobe gegen Ungarn nahm Mesut Özil ein paar Schritte Anlauf, sprang ab und bewegte sich, das Bein gestreckt, im Tiefflug über den Rasen der Schalker Arena.

Wie schon beim 4:1 gegen Italien im März testete Löw gegen Ungarn in der zweiten Halbzeit das wohl spielstärkste, dafür aber nominell wohl zweikampfschwächste Duo im zentralen Mittelfeld seit Gründung des Verbands.

Özil/Kroos: Mehr als ein Versuchsballon

Neben Toni Kroos agierte der eigentliche Zehner Mesut Özil im defensiven, zentralen Mittelfeld. Bundestrainer Joachim Löw sprach das taktische Experiment nach dem Spiel von sich aus an. "Özil hat schon auf der Sechs gegen Italien gespielt, ist überragend gut mit Kroos beim Spieleinleiten, spielt gute Pässe in die Zwischenräume, von daher ist das auch eine Variante", sagte er.

Klang nicht so, als ob er das offensiv-spielmachende Defensivduo Özil/Kroos nur als zweimaligen Versuchsballon sieht. Ist es gar eine Option für das erste EM-Spiel am Sonntag gegen die Ukraine (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER)? 

Explizit schließt Löw nur aus, Özil wieder, wie bei der WM 2014 in Brasilien, auf den Flügeln spielen zu lassen. "Das ist im Moment keine Alternative", sagte er im kicker auf die Frage, ob er wie bei der WM eine Versetzung Özils auf die linke Seite plane.

Einsatzgarantie in der Zentrale

"Mesut ist auf der Zehn in diesem Jahr so stark, wie er vielleicht 2012 und 2013 war", so Löw. "2014 war er nicht in der starken Verfassung wie davor und danach. Jetzt ist er für die Mannschaft am wertvollsten, wenn er in der Zentrale spielt."

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Özil reagierte auf das Bekenntnis hocherfreut: "Ich bin sehr, sehr glücklich, dass ich das Vertrauen des Bundestrainers genieße", sagte er bei seiner Vorstellung als Mercedes-Markenbotschafter.

"Auf der Zehn kann ich mein Potenzial am besten ausschöpfen und am effektivsten sein."

Die von Löw angesprochene Zentrale liegt aber eben nicht nur hinter den Stürmern, sondern auch vor der Abwehr. Vor allem gegen die wohl superdefensiv eingestellten Vorrundengegner Ukraine, Polen und Nordirland könnte eine defensivere Rolle von Özil und Kroos zeitweise Sinn ergeben.

Ein Offensiver mehr

Mit den beiden Kreativen im defensiven Mittelfeld könnte Löw, je nach Spielverlauf, einen weiteren Offensiven ins Spiel bringen.

"Gegen Mannschaften, die tief stehen, kann ich mir Mesut und Toni in einer defensiveren Rolle gut vorstellen", sagt auch SPORT1-Experte Thomas Strunz.

Löw möchte sich vor dem Turnier nicht auf eine Wunschformation festnageln lassen. Mehr denn je fordert er von seinen Spielern nicht nur "högschde Disziplin", sondern auch högschde Flexibilität.

Die EM-Spiele, glaubt der Bundestrainer, werden Abnutzungskämpfe: "Jede Partie ist ihr eigenes Turnier. Es wird kräftezehrend. Über die spielerische Klasse verfügen wir ohnehin. Wir müssen jeden einzelnen Spieler in die Lage versetzen, bestimmte Positionen so zu auszufüllen, wie wir sie brauchen."

Heißt: Die Spieler müssen in der Lage sein, zwischen mehreren taktischen Grundordnungen und verschiedenen Positionen zu wechseln – auch während der Spiele.

4-1-4-1 auch eine Option

Strunz bringt noch eine weitere Variante ins Spiel: "Ich würde es gegen defensivstarke Mannschaften vielleicht in einer 4-1-4-1-Grundordnung mit einem echten Sechser, Özil halblinks und Kroos halbrechts davor versuchen", sagt er.

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"Toni Kroos spielt auf dieser Position oft auch bei Real Madrid, Özil traue ich die etwas defensivere Rolle auch zu. Aber er sollte sich immer auf seine Stärken besinnen, grätschen sollte er nicht unbedingt", so Strunz.

Hauptsache, er spielt in der Zentrale.

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