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Paris - Mario Gomez schießt Deutschland gegen Nordirland zum Gruppensieg, Joshua Kimmich brilliert - doch ein entscheidender Punkt mach Joachim Löw weiter Sorgen.

Sie zauberten, sie trafen, und sie stürmten dank Mario Gomez zum Gruppensieg - doch der Bundestrainer setzte in der euphorischen Stimmung gleich einen Kontrapunkt.

Mit viel Esprit und großer Spielfreude knackte die deutsche Nationalmannschaft das Abwehrbollwerk Nordirland und zog mit einem 1:0 (0:0) ins EM-Achtelfinale ein - wahrscheinlich gegen die Slowakei (Ergebnisse und Spielplan der EM). Im Viertelfinale wartet dank Kroatiens Überraschungssieg über Spanien am Abend dann definitiv ein Kracher gegen Italien oder Spanien.

Obwohl das nach Abpfiff der deutschen Partie noch nicht Gewissheit war, gab Löw direkt den Mahner und fokussierte sich auf den einzigen Punkt, der bei seinem Team nicht überzeugte: die Abschlussschwäche.

Löw: "Das geht nicht!"

"Das geht nicht! Wenn man in der K.o.-Runde mal nur wenige Torchancen bekommt, dann muss man die alle auch verwerten", sagte Löw im ARD-Interview im Pariser Prinzenpark, eindringlich schob er hinterher: "Damit kann man nicht spaßen! Da müssen wir auch mal das Tor treffen!"

"Wir hätten zur Halbzeit drei oder vier zu Null führen müssen", betonte Löw nach dem verdienten Gruppensieg, das Wort "müssen" sprach er langsamer und deutlich lauter.

Mario Gomez, von Löw erstmals seit dem EM-Halbfinale 2012 in die Startelf gestellt, erzielte vor 44.125 Zuschauern im Pariser Prinzenpark das einzige Tor (30.). Es hätten in der Tat weit mehr sein müssen, denn auch die Mannschaftskollegen hatten Chancen in Hülle und Fülle (Das Spiel im TICKER zum Nachlesen).

Allein Thomas Müller traf erst den Pfosten (23.) und dann die Querlatte (35.), auch die Teamkollegen hatten nicht den Killerinstinkt. Sorge bereitete zudem, dass Abwehrchef Jerome Boateng sich angeschlagen auswechseln ließ (76.).

Gomez und Kimmich beleben

"Wir haben gut und überzeugend gespielt, aber viel zu wenig Tore geschossen. Das war das Manko", sagte Mats Hummels, betonte aber: "Wenn wir auf die absoluten Top-Teams treffen, werden wir noch eine Schippe drauflegen können." Auch Gomez versicherte: "Die Tore haben wir uns für die K.o.-Phase aufgehoben."

Abgesehen von diesem Manko gab das deutsche Spiel Anlass zur Euphorie, die Umstellungen des Bundestrainers waren absolut belebend. Dass Gomez seine erste Chance in der Startelf seit dem EM-Halbfinale gegen Italien am 28. Juni 2012 bekommen würde, war früh durchgesickert - aber mit Joshua Kimmich als Rechtsverteidiger hatte kaum jemand gerechnet.

Kimmich rechtfertigte das Vertrauen: In seinem ersten Pflichtspiel war er vor allem offensiv eine eindeutige Verstärkung.

Benedikt Höwedes, eine Bank in der Weltmeistermannschaft, blieb dafür nach neun Turnierspielen in Serie zunächst draußen, er kam erst für Boateng. Herausrotiert wurde auch Julian Draxler, denn links spielte Götze, den Löw nicht opfern wollte, neben Mesut Özil (zentral) und Müller (rechts) in der offensiven Dreierreihe.

Nordirland tief, Deutschland offensivstark

Rechnereien mit dem Parallelspiel der Polen gegen die Ukraine wollten sich die Deutschen ersparen, das unterstrichen sie von der ersten Minute an. Nordirland stellte die Weltmeister vor die erwarteten Aufgaben.

Mit einer Sechserreihe an der Strafraumgrenze und noch einmal drei Spielern davor verengte der Außenseiter den Raum, dennoch präsentierte die DFB-Elf die lange vermissten spielerischen Lösungen.

Özil leitete mit einem sanften Direktpass früh eine Riesenchance ein, die Müller vergab (8.). Dann säbelte er selbst in guter Position über den Ball (10.), und Kimmich wollte nach einer Götze-Gelegenheit lupfen, anstatt den Ball ins Tor zu schieben (12.).

Obwohl auch einige Pässe hängen blieben, waren es mit Abstand die besten deutschen 30 Minuten seit langer Zeit, beinahe gekrönt von Müllers Rechtsschuss (23.), seinem Pfostenkopfball oder dem Schuss an die Latte. Es wurde wie verhext mit seinem ersten EM-Tor.

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Gomez bricht den Bann

Es traf: der einzige echte Stürmer - Gomez. Seinem 28. Länderspieltor, dem ersten seit mehr als vier Jahren, ging ein äußerst gelungenes Zusammenspiel mit Müller voraus.

Zudem öffnete Gomez immer wieder Räume, in die Müller stieß - nach zwei mauen Spielen bekam der WM-Torschützenkönig von 2010 Gelegenheiten im Überfluss (Die Torjäger der EM).

Auch Götze, in der 55. Minute gegen Andre Schürrle ausgewechselt, profitierte davon. Bleibt nur noch die Mission, die Chancen besser und vor allem häufiger zu nutzen.

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