vergrößernverkleinern
DFB-Rekordtorschütze Miroslav Klose ist davon überzeugt, dass Thomas Müller noch sein erstes EM-Tor gelingen wird. © SPORT1-Grafik: Marc Tirl / Getty Images

München - Miroslav Klose glaubt fest an den noch torlosen Thomas Müller. Vor dem Halbfinale spricht er im SPORT1-Interview über seine Rolle als Fan und Löws Personalpuzzle.

Miroslav Klose hat sich längst unsterblich gemacht. Mit 71 Treffern in 137 Länderspielen ist der 38-Jährige der Rekordtorschütze der deutschen Nationalmannschaft. Nach dem WM-Triumph 2014 trat er aus dem DFB-Team zurück.

Klose gehörte bei sieben großen Turnieren zum Aufgebot. Nach fünf Jahren bei Lazio Rom sucht er zur kommenden Saison eine neue Herausforderung. Eine Entscheidung über seine Zukunft ist noch nicht gefallen.

Im SPORT1-Interview spricht Klose über die EM, die Verletzungssorgen von Bundestrainer Joachim Löw, Thomas Müller - und sagt, was er vom Halbfinale gegen Frankreich am Donnerstag (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) erwartet.

SPORT1: Ein großes Turnier - und Miroslav Klose ist nicht dabei. Wie ist das für Sie?

Miroslav Klose: Ganz normal. Ich bin jetzt Fan und kann endlich ganz entspannt daheim sitzen und mir die Spiele anschauen. Das ist einfach nur schön. Es war 2014 meine Entscheidung aufzuhören. Ich freue mich vor dem Fernseher und genieße die Spiele zusammen mit meiner Familie. Als Fan sehe ich vieles nicht mehr so verbissen. Viele Abläufe kenne ich noch genau.

SPORT1: Sind Sie auch der Meinung, dass das Niveau bei der EM sehr überschaubar war?

Klose: Ich sehe das etwas anders. Ich bin immer froh, wenn Außenseiter mit ihrer mannschaftlichen Leistung für Furore sorgen und eine Runde weiterkommen. Es ist doch positiv, dass die Gruppen-Dritten in der Vorrunde auch die Chance hatten, sich für die K.o.-Phase zu qualifizieren. Das sind keine einfachen Spiele. Für mich war das Niveau bis jetzt okay. Das Einzige, was mich stört, ist, dass viele Teams zu defensiv spielen.

Miroslav Klose
Miroslav Klose erzielte in fünf Jahren für Lazio Rom 64 Tore. Hier posiert er bei seinem Abschied mit seinen Zwillingen. © Getty Images

SPORT1: Die letzten fünf Jahre haben Sie bei Lazio Rom gespielt. Demnächst wollen Sie erklären, wo es für Sie weitergeht. Momentan haben Sie viel Zeit, um Ihrem Hobby, dem Angeln, nachzugehen. Beißen die Fische ordentlich?

Klose (lacht): Geht so. Angeln war schon immer mein großes Hobby, da kann ich am besten abschalten. Ich habe nach Saisonende noch im Urlaub in Italien geangelt, solange die Kinder dort noch zur Schule gehen mussten. Jetzt bin ich in München und auch da gibt es schöne Plätze zum Angeln. Es war zuletzt etwas stressig wegen des Umzugs, aber sobald es wieder ruhiger ist, gehe ich sofort wieder angeln.

SPORT1: Wie sehen Sie die deutsche Mannschaft bei der EM?

Klose: Absolut positiv. Es war wieder so, wie es eigentlich immer war. Die Mannschaft hat sich von Spiel zu Spiel gesteigert. Ich habe kein Spiel von den Jungs gesehen, bei dem ich mir hätte Sorgen machen müssen, dass es schiefgeht. Dafür war die deutsche Elf zu dominant. Auch gegen Italien. Natürlich hätte das Elfmeterschießen auch schiefgehen können, aber die Jungs sind dann verdient weitergekommen. Auch Joachim Löw zeigt sich wie gewohnt ganz souverän.

Video

SPORT1: Das Spiel gegen Italien war für viele Hochgenuss und Drama zugleich. Für Sie?

Klose: Es war spannend. Das Spiel habe ich völlig entspannt verfolgt, obwohl es schon ein spezielles Spiel für mich war. Ich kenne natürlich noch viele Spieler aus Italien und habe schon sehr mitgefiebert, dass wir die Squadra Azzura endlich auch mal in einem Turnier schlagen. Und ich drücke Deutschland beide Daumen, dass es gegen Frankreich auch positiv endet. Ich will die DFB-Elf im Finale als Fan erleben.

SPORT1: Jetzt geht es gegen Frankreich. Wie schwer wird es?

Klose: Es wird sehr schwer. Die Franzosen haben durch das Spiel gegen Island Selbstvertrauen bekommen und haben die Zuschauer im Rücken. Aber unsere Jungs freuen sich auf das Spiel. Wir haben bei der WM 2014 gemerkt, als wir gegen Brasilien spielten, wie herrlich es war mit der ganzen Euphorie. Das war einfach grandios. Da haben wir ein Riesenspiel gemacht und ich hoffe, dass es am Donnerstag ähnlich spektakulär wird.

SPORT1: Löw hat große Personalsorgen. Mario Gomez und Sami Khedira fallen sicher aus, Bastian Schweinsteiger ist noch unsicher. Eine Katastrophe?

Klose: Das nicht, aber die Situation ist schon sehr beunruhigend. Doch ich glaube an die Jungs. Gomez wird natürlich fehlen, das ist schon ein schwerer Schlag. Er war so gut in Form. Ich hatte vorher noch gesagt, dass Mario mein Mann für das Turnier ist. Es ist wirklich bitter und es ärgert mich fast genauso wie ihn. Ich hätte ihm gegönnt, dass er weiter eine wichtige Rolle spielen kann. Ich bin auch von Julian Draxler begeistert, ähnlich wie ich vor dem Turnier wochenlang von Marco Reus überzeugt war. Löw wird schon seine Spieler finden, die es gegen Frankreich richten sollen. Ich bin auch überzeugt, dass Thomas Müller endlich knipsen wird. Da kenne ich ihn viel zu gut.

Video

SPORT1: Müller ist für viele der tragische Held. Er stand jede Minute auf dem Platz, hat aber noch kein EM-Tor auf dem Konto. Können Sie sich das als Stürmer erklären?

Klose: Das kann einem Stürmer immer mal passieren. Ich sehe aber ganz andere Sachen bei ihm. Er ist immer top motiviert, gibt alles für das Team und arbeitet immer sehr an sich, um sich zu belohnen. Das ist das Entscheidende: Er gibt sich nie auf. Wenn er im Finale das Siegtor schießt wie Mario Götze 2014, dann kräht kein Hahn mehr nach seinen verpassten Chancen bisher.

SPORT1: Haben Sie noch regelmäßig Kontakt zum Team?

Klose: Natürlich habe ich mit einigen Spielern gesprochen und SMS verschickt, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, was das für ein Stress ist bei so einem Turnier. Die Jungs haben viele Termine und müssen zwischen Pressekonferenz, Training und Physiotherapeuten hin und her hetzen, da bleibt wenig Zeit für ausführliche Gespräche. In den vergangenen Tagen habe ich mit keinem Spieler geschrieben. Im Kopf bin ich sowieso verbunden mit den Jungs.

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel