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Janni Serra mit der U19 des DFB gegen Italien
Janni Serra (l.) wurde mit der U19 des BVB deutscher Meister © dpa Picture-Alliance

Stuttgart - BVB-Talent Janni Serra ist der Beweis, dass Deutschland noch echte Mittelstürmer hat. Im Interview spricht er über seine Stärken, Aubameyang und die Stürmerdebatte.

1,92 Meter groß, 19 Tore in 28 Spielen für den deutschen A-Junioren-Meister Borussia Dortmund, dazu 13 Assists: Janni Serra ist der lebende Beweis dafür, dass es die echte Neun in Deutschland noch gibt.

Und das, obwohl der Mittelstürmer im März erst 18 Jahre alt wurde - und damit ein Jahr jünger ist als die meisten Spieler, mit denen er auf dem Platz steht.

1899 Hoffenheim U19 v Borussia Dortmund U19 - A Juniors German Championship Final
Mit dem BVB siegte Janni Serra (l.) im Finale um die deutsche Meisterschaft gegen Hoffenheim © Getty Images

Auch bei der unglücklichen 0:1-Niederlage der DFB-Junioren im Eröffnungsspiel der U19-EM gegen Italien war der BVB-Stürmer einer der auffälligsten Spieler auf dem Platz.

Im SPORT1-Interview erklärt Serra seine Stärken, spricht über die Vorbilder Pierre-Emerick Aubameyang und Adrian Ramos und äußert sich zur Stürmerdebatte in Deutschland.

SPORT1: Herr Serra, zum EM-Auftakt gab es eine bittere Pleite. Wie sehr erhöht das den Druck für das Portugal-Spiel?

Janni Serra: Portugal ist sicherlich auch sehr stark. Jetzt müssen wir natürlich gewinnen und werden alles dafür tun, damit wir weiter im Turnier dabei sind.

SPORT1: Wie überrascht waren Sie, es als Spieler des jüngeren Jahrgangs in den EM-Kader geschafft zu haben und dann gleich in der Startelf zu stehen?

Serra: Ich bin sehr froh. Ich habe hart dafür gearbeitet, das hat der Trainer belohnt. Ich war schon überrascht: Wir waren ja nur drei 98er im vorläufigen Kader - und dann hier dabei zu sein und gleich in der Startelf zu stehen, ist ein überragendes Gefühl.

SPORT1: Sie haben sich gegen Italien als alleinige Spitze einige gute Chancen erarbeitet, gerade per Kopf. Wie würden Sie selbst Ihre Stärken beschreiben?

Serra: In der Luft kann ich mich dank meiner Physis, die ich in den letzten Jahren aufgebaut habe, gut gegen andere Spieler behaupten. Da habe ich in der Luft schon Vorteile. Ich denke auch, dass ich mich am Boden stark verbessert habe, aber es gibt immer noch Verbesserungspotenzial. Daran will ich arbeiten, um am Ende ein ganz großer Spieler zu werden.

Thomas Tuchel mit BVB-Youngstern
In Testspielen durfte Janni Serra (r.) auch schon für die Profis von Thomas Tuchel (l.) ran © Imago

SPORT1: Beim BVB haben Sie in Pierre-Emerick Aubameyang und Adrian Ramos zwei hochkarätige Vorbilder. Was können Sie sich von den beiden abschauen?

Serra: Aubameyang hat natürlich seine Schnelligkeit, die man sich schwer abschauen kann (lacht). Aber sein Abschluss ist natürlich überragend. Bei Ramos ist stark, wie er die Bälle festmacht. Wenn man bei den Profis mittrainiert, dann sieht man das. Beide arbeiten unermüdlich für ihr Team. Das ist auch der Grund, warum sie eben bei Borussia Dortmund spielen.

SPORT1: Jetzt gibt es nicht erst seit der EM in Frankreich eine hitzige Stürmerdiskussion. Als wie wichtig empfinden Sie die Position der echten Neun?

Serra: Ich denke schon, dass die Rolle sehr wichtig ist. Das hat man bei Mario Gomez gesehen. Der hat auch zwei wichtige Tore geschossen bei der EM. Es gab ja nicht nur Deutschland als Beispiel: Es gab Italien mit Graziano Pelle, Frankreich mit Olivier Giroud, die vorne große Spieler haben und auch weit im Turnier gekommen sind.

SPORT1: Trotzdem gibt es gerade in Deutschland kaum noch klassische Mittelstürmer. Haben Sie das Gefühl, dass dieser Spielertyp in den letzten Jahren gar nicht mehr ausgebildet wurde?

Serra: Der Mittelstürmer wird so oder so ausgebildet. Es gab vielleicht in den letzten Jahren keinen, der oben angekommen ist auf dem Level, um für Deutschland zu spielen. Deswegen wurde ja auch immer Mario Götze oben reingeschmissen, der überragend ist. Der kann die falsche Neun spielen. Es gibt viele kleinere Spieler, die sich heutzutage durchsetzen können. Falsch ausgebildet wird da auf keinen Fall.

SPORT1: Aber haben Sie nicht selbst den Eindruck, dass es in Ihrem Alter fast keine anderen Spieler wie Sie gibt?

Serra: Ich bin 1,92 Meter groß. Ich weiß nicht, ob es noch einen anderen in meinem Alter gibt, der 1,92 groß ist und vorne drin spielt. Wahrscheinlich irgendwo. Aber ich denke schon, dass ich da einer der Besten bin.

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