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Niklas Süle gab gegen Finnland sein Debüt unter Joachim Löw © Imago

Mönchengladbach - Senkrechtstarter Niklas Süle spricht im SPORT1-Interview über seinen rasanten Aufstieg, beschreibt sein Debüt in der A-Nationalmannschaft - und gibt ein Versprechen.

An einer Tankstelle erfuhr Niklas Süle am vergangenen Donnerstag von seiner ersten Nominierung für die A-Nationalmannschaft - nur vier Tage, nachdem er mit der deutschen Olympia-Auswahl in Rio die Silbermedaille gewonnen hatte.

Beim 2:0-Sieg im Länderspiel gegen Finnland in Mönchengladbach stand der Hoffenheimer dann direkt in der Startelf. Statt der Reise zum ersten WM-Qualifikationsspiel am Sonntag in Norwegen (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) ist für Süle nun allerdings erst mal Erholung angesagt, Joachim Löw verzichtet nach dessen Mammutprogramm in Oslo auf den 20-Jährigen.

Im SPORT1-Interview spricht der Senkrechtstarter über seinen rasanten Aufstieg, beschreibt das Gefühl, an der Seite von Bastian Schweinsteiger und Co. auflaufen zu dürfen - und gibt ein Versprechen.

SPORT1: Herr Süle, Sie haben innerhalb von zehn Tagen Olympia-Silber gewonnen und Ihr erstes A-Länderspiel absolviert. Was war für Sie persönlich der größere Moment?

Niklas Süle: Ich würde fast sagen: Olympia-Silber, einfach wegen der Umstände dort. Gegen den Gastgeber, vor 70.000 Zuschauern, Elfmeterschießen - dramatischer geht es fast nicht.

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Im Olympia-Finale verlor Niklas Süle (l.) mit dem DFB-Team knapp gegen Neymar (r.) und Co. © Getty Images

SPORT1: Inwieweit ging mit Ihrem ersten Einsatz bei Joachim Löw trotzdem ein Traum in Erfüllung?

Süle: Das war natürlich auch ein Moment, auf den ich lange hingearbeitet habe. Das ist von jedem Fußballer das Ziel. Dabei gleich von Anfang an zum Einsatz zu kommen, die Nationalhymne auf dem Platz mitzusingen, das war für mich überragend, ein tolles Gefühl. Und dann auch noch beim Abschied von Basti - besser geht es nicht.

SPORT1: Wie sehr hat es Sie überrascht, dass Sie gleich in der Startelf standen?

Süle: Ich wusste, dass ich zum Einsatz komme, bin aber eher davon ausgegangen, dass ich vielleicht 30 Minuten oder so spielen werde. Dass ich gleich von Anfang an und dann 55, 60 Minuten ran darf, das war für mich super. Aber die Auswechslung kam nicht zum schlechtesten Zeitpunkt, weil ich natürlich schon relativ viele Spiele in den Knochen habe. Das nehme ich jetzt alles so mit, habe jetzt ein paar Tage frei und dann kann ich das wieder positiv für Hoffenheim mitnehmen.

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SPORT1: In den ersten Minuten hatte man das Gefühl, dass Sie schon ein bisschen nervös waren.

Süle: Das ist ja ganz normal. Ich versuche dann erst mal, mit ein paar Pässen ins Spiel hineinzufinden. Da sind fast nur gestandene Spieler gewesen, die schon deutlich mehr Länderspiele haben - außer vielleicht Max Meyer und Julian Brandt. Das ist ja ganz normal, dass man da nervös ist. Ich denke trotzdem, dass es sehr ordentlich war.

SPORT1: Nach einer halben Stunde wirkten Sie angekommen. Inwiefern legt man nach einer gewissen Zeit den Respekt vor den Umständen ab?

Süle: Der Respekt ist immer da, am Anfang war es wirklich mehr die Nervosität. Der Gedanke, dass man jetzt da spielt, wo man eigentlich immer hinwollte. Plötzlich realisiert man, dass da ein Schweinsteiger vor einem auf der Sechs spielt. Das sind besondere Momente, die gerade auf mich einprasseln, auch mit Olympia. Ich bin sehr froh, dass ich bei dem Turnier dabei war. So konnte ich mich auch mal auf der internationalen Bühne zeigen. Ich hoffe, es werden weitere solche Momente folgen.

SPORT1: Die Konkurrenz in der Innenverteidigung beim DFB ist mit Mats Hummels, Jerome Boateng oder auch Shkodran Mustafi und Benedikt Höwedes groß. Was erwarten Sie von den kommenden Monaten im Nationalteam?

Süle: Ich nehme alles so mit, wie es kommt. Ich durfte jetzt mal mein erstes Spiel machen, das kann mir keiner mehr nehmen. Man wird sehen, wie ich mich dann auch im Verein wieder anstelle. In den Fokus bin ich jetzt ein Stück weit gerückt, aber im Fußball muss man versuchen, da auch zu bleiben oder auf sich aufmerksam zu machen - und das werde ich tun.

SPORT1: Am besten geht das über den Verein, die Mannschaft wurde noch einmal punktuell verstärkt. Wie beurteilen Sie die Aussichten der TSG für die neue Saison?

Süle: Es sind alle gut aus der Vorbereitung gekommen, Julian (Nagelsmann, Anm. d. Red.) hat einen guten Job gemacht. Ich war natürlich vier Wochen weg, das hat man gegen Leipzig auch gesehen, dass da bei uns noch ein paar Abstimmungsschwierigkeiten waren. Aber wir sind alle fit, können alle kicken, das wird eine gute Saison. Ich habe ein gutes Gefühl.

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