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Länderspiel DFB Italien - Deutschland Joachim Löw Leon Goretzka Serge Gnabry Benjamin Henrichs
Joachim Löw testet unter anderem Leon Goretzka, Serge Gnabry und Benjamin Henrichs (v.l.) © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann / Getty Images / Imago

Rom und München - Beim Klassiker Italien - Deutschland wird Joachim Löw wieder einigen Talenten eine Chance geben. SPORT1 stellt die verheißungsvollsten Jungnationalspieler vor.

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+Wie er es immer wieder schaffe, junge Klassespieler in seine Erfolgsmannschaft einzubauen, wurde Joachim Löw in Mailand von einer italienischen Journalistin gefragt.

"Das ist ein längerer Prozess", antwortete der Bundestrainer. "Es gelingt nicht bei jedem jungen Spieler, ihn sofort als vollwertiges Mitglied im Team zu integrieren.“

Bei Serge Gnabry lief der Beginn des Prozesses bekanntlich sehr gut. Beim Klassiker gegen Italien (ab 20.45 Uhr im LIVETICKER) werden er und andere die Chance erhalten, einen weiteren Schritt in diese Richtung zu tun.

SPORT1 nimmt die DFB-Youngster unter die Lupe:

Yannick Gerhardt (22):

Austria U21 v Germany U21 - 2017 UEFA European U21 Championships Qualifier
Yannick Gerhardt hat noch kein Länderspiel bestritten © Getty Images

Der Wolfsburger steht schon vor seinem ersten Einsatz ein wenig in der Bringschuld. Drei Akteure ohne Länderspieleinsatz hatte Löw für die beiden abschließenden Begegnungen des DFB-Teams im Jahr 2016 nominiert.

Benjamin Henrichs und Serge Gnabry haben ihre Premiere beim 8:0 gegen San Marino zur Eigenwerbung nutzen können. Gerhardt muss nachziehen.

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Dass Horst Hrubesch im Sommer 2015 auf die Idee kam, den zentralen bis offensiven Kölner Mittelfeldspieler Gerhardt bei der U21 als Linksverteidiger zu zweckentfremden, hat ihm den Weg zu Löw geebnet.

"Gerade ist das eine Position, die in Deutschland gefragt ist. Und solange ich da meine Einsatzzeiten bekomme, nehme ich das gerne an", hatte Gerhardt erklärt. Der technisch beschlagene Linksfuß hat im Verein in dieser Saison noch nicht restlos überzeugen können.

Seit ihn auch VfL-Coach Valerien Ismael aus dem Mittelfeld auf die Außenbahn gezogen hat, läuft es besser. Gegen Italien vertritt Gerhardt Jonas Hector.

Serge Gnabry (21):

San Marino v Germany - FIFA 2018 World Cup Qualifier
Serge Gnabry schoss in seinem Debüt-Länderspiel drei Tore © Getty Images

Ja, es war "nur" San Marino. Trotzdem muss man erst einmal mit einer solchen Überzeugung auftreten wie der Bremer, um sein Debüt mit drei Treffern zu schmücken.

Zwei davon waren technisch auch nicht ohne Anspruch. Erhält Gnabry auch gegen Italien eine weitere Chance, darf und muss er beweisen, dass er auch gegen größere Kaliber glänzen kann.

Technik, Dribbling, Antritt und Abschluss sind die Qualitäten des Schwaben, der bei Olympia in Rio mit sechs Toren zum Torschützenkönig avancierte.

Zudem ist er sich auch für die Arbeit gegen den Ball nicht zu schade. Seine Mannschaftsdienlichkeit könnte ihn zu einem dauerhaften Konkurrenten für Julian Draxler oder den genesenen Marco Reus werden lassen.

Leon Goretzka (21):

German Olympic Football Team - Photocall
Leon Goretzka hat zwei Länderspiele auf dem Konto (kein Tor) © Getty Images

Der Schalker hat bei Löw schon bei seinem Debüt gegen Polen vor der WM 2014 einen Stein im Brett. "Er hat damals im Training auf mich einen sehr guten Eindruck gemacht", erklärte der Bundestrainer.

Zwar sei Goretzka in den letzten zwei Jahren immer wieder mal verletzt ausgefallen: "Aber er ist ein Spieler, der in diesen Jahrgängen, wo wir viele starke Spieler haben, schon einer der talentiertesten ist."

Der Mittelfeldspieler habe "eine sehr gute Technik, viel Tempo mit und ohne Ball, vor allen Dingen auch schon eine Persönlichkeit. In Gesprächen macht er auf mich einen sehr reifen Eindruck."

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In Gelsenkirchen hat Goretzka im deutlich verstärkten Mittelfeld seine Unverzichtbarkeit bereits belegt.

Nach dem Kurzeinsatz gegen San Marino erhält er gegen Italien wohl die Chance, sich für ein baldiges Wiedersehen im DFB-Kreis zu empfehlen. Dass er sie nutzt, ist ihm durchaus zuzutrauen.

Julian Weigl (21):

Julian Weigl lief bislang in drei Länderspielen auf (kein Tor) © Getty Images

Beim jüngsten Dortmunder Champions-League-Auswärtsspiel bei Sporting Lissabon (2:1) dürfte auch dem letzten Skeptiker an den Fähigkeiten des oberbayerischen Mittelfeldstrategen ein Licht aufgegangen sein.

Da führte der schmächtige junge Mann eine arg ersatzgeschwächte BVB-Elf in überragender Manier durch die deutlich mehr als 90 stürmischen Minuten, als habe er sein Lebtag nichts anderes gemacht.

Weigl ahnt voraus, wohin der Ball will. Und wenn er die Kugel hat, ist sie bei ihm gut aufgehoben. Ballverluste scheinen bei dem ehemaligen Münchner Löwen nicht zum Repertoire zu gehören.

"Julian ist unser Taktgeber und Stratege", sagt BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

In der Nationalmannschaft ist Weigls Sechser-Position allerdings im Normalfall mit Toni Kroos, Sami Khedira und Ilkay Gündogan weltklasse besetzt.

Gegen Italien darf Weigl an seinem Platz in der Hackordnung im defensiven Mittelfeld arbeiten. 

Max Meyer (21):

Max Meyer schoss in vier Länderspielen ein Tor © Getty Images

Auch bei Max Meyer wurde Olympia in Rio de Janeiro zum Karrierebeschleuniger. Erst übernahm er vom angeschlagenen Goretzka die Kapitänsbinde der deutschen Auswahl. Dann führte er sie unter anderem mit vier eigenen Treffern zur Silbermedaille.

Sein Ausgleichstor im Finale gegen Brasilien brachte zwischenzeitlich sogar das Maracana zum Schweigen. Kaum zurück vom Zuckerhut durfte der wendige, technisch beschlagene Spielmacher beim 2:0 gegen Finnland in Mönchengladbach nach zweijähriger Abstinenz auch in der A-Elf wieder ran.

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Nicht nur wegen seines Treffers verfestigte sich Löws Eindruck: "Er hat die Qualität, bei uns zu spielen."

Auf der Zehn ist er in Löws Ensemble bislang der Backup des Backups. Zumindest für die direkte Vertreterrolle von Mesut Özil kann Meyer in San Siro Punkte sammeln.

Jonathan Tah (20):

Germany U21 v Russia U21 - 2017 UEFA European U21 Championships Qualifier
Jonathan Tah war zweimal für Joachim Löw in Einsatz (kein Tor) © Getty Images

Zur EM-Teilnahme kam der Leverkusener unverhofft und spät durch die Verletzung des fest eingeplanten Antonio Rüdiger.

In Frankreich betrat Tah zwar in keinem Spiel den Rasen, saugte aber die Turniererfahrung auf. Er erstaunt auch in seinem zweiten Champions-League-Jahr durch seine für sein Alter erstaunliche Abgeklärtheit und Souveränität.

Dazu weiß er seinen 1,92 Meter großen robusten Körper sowohl im Zweikampf als auch in Kopfballduellen geschickt einzusetzen, so dass er gefährliche Situationen häufig frühzeitig und ohne Foul unterbindet.

Sein Manko: In der Offensive kann Tah bislang keiner Fliege etwas zuleide tun. Sein letztes Pflichtspieltor markierte er noch für die A-Jugend des HSV.

Löw will gegen Italien mit den Innenverteidigern Mats Hummels und Benedikt Höwedes beginnen. Da er aber jedem Kadermitglied seine Minuten gewähren will, bleibt Tah vermutlich eine Halbzeit, um die Abwesenheit von Jerome Boateng und Rüdiger für sich zu nutzen.

Benjamin Henrichs (19, 1 Länderspiel, null Tore)

San Marino v Germany - FIFA 2018 World Cup Qualifier
Benjamin Henrichs feierte in San Marino sein DFB-Debüt © Getty Images

So, wie Löw den Leverkusener nach dessen Einstand gegen San Marino lobte, ist Henrichs' Bewerbung um weitere Einladungen zum DFB-Team bereits auf offene Ohren gestoßen.

Der erst im jüngsten Wintertrainingslager von Bayer-Trainer Roger Schmidt vom Mittelfeldspieler zum Außenverteidiger umfunktionierte athletische Deutsch-Ghanaer habe seinen Job "problemlos gemacht. Ihm gefällt die Position rechts wie links. Das ist für uns ein Vorteil, denn wir brauchen auf den Außenpositionen Alternativen", erklärte Löw.

"Er hat absolut das Können und die Fähigkeiten, bei uns eine sehr gute Rolle zu spielen in den nächsten Jahren." Bei Henrichs, so scheint es, könnte die Beförderung zum vollwertigen Kadermitglied ein etwas weniger "langwieriger Prozess" werden.

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