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Lugano - Gladbachs Yann Sommer spricht bei SPORT1 vor der EM über die Konkurrenz im Schweizer Tor, seine Titelfavoriten und die Zukunft der Borussia ohne Granit Xhaka.

Yann Sommer, Roman Bürki, Marwin Hitz: Mit dem Luxus von drei Bundesliga-Stammtorhütern geht die Schweiz in die EM 2016 in Frankreich (10. Juni bis 10. Juli, alle Spiele LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Gladbachs Sommer hat dabei gegenüber seinen Konkurrenten aus Dortmund und Augsburg die Nase vorn - und der 27-Jährige soll bei seinem ersten großen Turnier als Nummer eins mit dafür sorgen, dass die Eidgenossen ihrem Ruf als Geheimfavorit gerecht werden.

Im Interview mit SPORT1 spricht Sommer über seine EM-Favoriten auf den Titel, den Konkurrenzkampf im Schweizer Tor und Gladbachs Zukunft ohne Granit Xhaka.

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SPORT1: Herr Sommer, die Europameisterschaft in Frankreich steht vor der Tür. Was können wir von der Schweiz erwarten?

Yann Sommer: Die Stimmung im Team ist gut, genauso wie die Stimmung im Land. Deshalb freuen wir uns sehr auf das Turnier. Wir setzen uns keine zu großen Ziele und für mich zählt erst einmal das Auftaktspiel gegen Albanien. Alles andere werden wir dann sehen. Ich bin davon überzeugt, dass wir ein gutes Turnier spielen können.

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SPORT1: Sie haben das erste Spiel gegen Albanien bereits angesprochen. Für die Schweiz ist es eine ganz besondere Partie, nicht nur, weil die beiden Xhaka-Brüder gegeneinander spielen. Was macht aus Ihrer Sicht die Rivalität zwischen diesen beiden Fußball-Nationen aus?

Sommer:  Es ist eine schöne Rivalität. Man kennt sich untereinander, weil wir früher beispielsweise in den Schweizer Junioren-Nationalmannschaften noch zusammengespielt haben. Klar vergessen wir das während des Spiels, schließlich wollen beide Mannschaften gewinnen. Es wird aber kein Hass-Duell oder ähnliches.

SPORT1: In Deutschland ist leider wieder die Diskussion um die Multi-Kulti-Mannschaft aufgekommen. Die Schweiz ist ebenfalls eine Multi-Kulti-Mannschaft. Worin bestehen die Vorteile, wenn eine Mannschaft unter verschiedenen Einflüssen steht?

Sommer:  Zuerst einmal ist es traurig, dass es überhaupt Diskussionen um so ein Thema gibt - die gab es genauso in der Schweiz. Ich persönlich finde es sehr spannend, verschiedene Mentalitäten in einer Mannschaft zu haben. Wir als Schweizer können sagen, dass wir ohne die fremden Wurzeln, die wir in der Mannschaft haben, nicht so ein gutes Team wären.

SPORT1: Wer sind bei der EM Ihre Favoriten?

Sommer: Das ist schwierig, aber jetzt muss ich wohl Deutschland sagen (lacht). Spaß beiseite, natürlich ist Deutschland als amtierender Weltmeister Favorit in so einem Turnier. Ich glaube auch, dass die Belgier zu den Favoriten zählen. Ebenso Frankreich, das im eigenen Land spielt und eine tolle Mannschaft hat. Es gibt viele Favoriten - auch Mannschaften, von denen man jetzt noch nicht viel erwartet, von denen dann aber viel kommt. Wir hoffen, dass wir eine dieser Mannschaften sein können.

SPORT1: Sie gehen als Nummer eins in das Turnier, haben mit Roman Bürki und Marwin Hitz allerdings starke Konkurrenz. Wie ist das Verhältnis zwischen Ihnen?

Sommer: Unser Verhältnis ist sehr gut. Natürlich ist es für uns Schweizer toll, dass wir vier Torhüter in der Bundesliga haben (mit Diego Benaglio vom VfL Wolfsburg, Anm. d. Red.). Es freut uns und macht uns auch ein bisschen stolz, dass wir in einem so großen Fußball-Land mit so vielen guten deutschen Torhütern spielen können. Wir pushen uns gegenseitig und lernen viel voneinander - eine perfekte Konkurrenz-Situation.

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SPORT1: Sie kommen nach dem erfolgreichen Endspurt mit Gladbach sicherlich mit einer positiven Grundstimmung zur EM. Haben Sie so ein Saisonfinale noch für möglich gehalten oder haben Sie zwischenzeitlich gezweifelt?

Sommer: Ich habe einfach gar nicht daran gedacht. Ich wollte manchmal auch gar nicht daran denken, wie es ausgehen könnte, weil wir ja einen sehr schlechten Start mit fünf Niederlagen in Folge hatten. Das hat uns am Anfang unglaublich verunsichert. Wir sind als Team toll zurückgekommen und es war in meinen Augen unglaublich wertvoll, dass der Klub sehr ruhig geblieben ist und die Mannschaft einfach hat weiterarbeiten lassen.

SPORT1: Dennoch gab es zumindest in der Öffentlichkeit noch einmal eine Diskussion um den Trainer. Wie haben Sie das nach so einer Rückrunde als Spieler erlebt?  

Sommer:  Das war für uns überhaupt kein Thema. Wir haben sehr gerne unter Lucien Favre gearbeitet und sein Rücktritt hat damals auch in der Mannschaft für einen Knall gesorgt. Dann kam Andre Schubert, dem ich ein großes Kompliment machen muss. Er hat eine Mannschaft vorgefunden, die zwar sehr viel Qualität hat, aber zu diesem Zeitpunkt einfach sehr verunsichert war. Er hat die Mannschaft gut aufgebaut. Auf einmal kam die Qualität wieder zum Vorschein und wir haben tolle Spiele gezeigt, obwohl die Saison ein wenig ein Auf und Ab war.

SPORT1: In Granit Xhaka, mit dem Sie auch in der Nationalmannschaft zusammen spielen, wird Gladbach seinen vielleicht besten Spieler verlieren. Wie schwer wiegt sein Verlust für die Borussia?

Sommer: Sein Abschied ist ein großer Verlust, weil Xhaka nicht nur als Spieler sondern auch als Person für die Mannschaft sehr wichtig war. Man hat gesehen, dass er im Mittelfeld die Fäden in der Hand hatte und das Spiel oft über ihn lief. Er war der Gestalter und für eine Mannschaft ist es immer schwierig, wenn man so eine wichtige Persönlichkeit verliert. Jetzt müssen wir einen neuen Gestalter finden. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Borussia da einen guten Job macht und den neuen Granit Xhaka bald präsentiert.

SPORT1: Auch über Sie und andere Vereine gab es Gerüchte. Hören Sie sich solche Angebote an? Und wie sicher sind Sie sich, dass Sie auch nach der EM noch bei Gladbach spielen?

Sommer:  Ich mache mir über solche Sachen überhaupt keine Gedanken. Ein Gerücht ist ein Gerücht - und das bleibt es auch. Ich bin sehr glücklich bei der Borussia und freue mich auf das neue Jahr. Ich bin erst zwei Jahre da, habe noch drei Jahre Vertrag. Da gibt es keinen Platz für solche Gedanken.

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