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Russische Fans gingen im Stadion auf englische Zuschauer los
Auch nach dem Spiel zwischen England und Russland kam es zu Ausschreitungen © Getty Images

England und Russland spielen bei der EM nach den Vorkommnissen in Marseille auf Bewährung. Die UEFA schickte eine unmissverständliche Botschaft an beide Verbände.

Das Exekutiv-Komitee der Europäischen Fußball-Union droht der englischen und russischen Nationalmannschaft nach den Krawallen von Marseille am Samstag mit dem EM-Ausschluss.

Diese ungewöhnlich scharfe Drohung gab das Exko am Sonntag in einer Erklärung nach einer Sitzung in Paris bekannt.

Knallharte Warnung

Die Warnung der UEFA in Richtung Fußball-Mutterland und dem WM-Gastgeber 2018 war knallhart: "Das Exekutivkomitee wird unabhängig von der Entscheidung der unabhängigen Disziplinarkommission aufgrund der Vorkommnisse im Stadion nicht davor zurückschrecken, weitere Sanktionen gegen die Football Association FA und den russischen Verband RFS zu verhängen, inklusive der möglichen Disqualifikation ihrer Nationalteams vom Turnier, sollte sich ähnliche Gewalt wiederholen."

"Wir haben den Brief der UEFA mit dem gebotenen Ernst zur Kenntnis genommen", betonte Martin Glenn, Vorstands-Chef der FA in einer Erklärung, "wir verstehen, dass das Verhalten unserer Anhänger nicht ohne Folgen bleiben konnte."

Zuvor hatte die Disziplinarkommission ein Ermittlungsverfahren gegen den russischen Verband eingeleitet. Ermittelt wird wegen Aggressionen russischer Zuschauer im Stadion, rassistischen Verhaltens in der Form von Affenlauten und des Abbrennens von Feuerwerkskörpern. Ob und wie der Verband bestraft wird, entscheidet sich am Dienstag.

Probleme bei Trennung der Fans

Unmittelbar nach dem Vorrundenspiel zwischen England und Russland (1:1) war es am Samstagabend zu Jagdszenen gekommen. Gleichzeitig gab die UEFA Probleme bei der Trennung der Fangruppen im Stade Velodrome zu. Die UEFA verschärfte ihre Sicherheitsvorkehrungen für die Spiele.

Die seit Tagen schwelenden Krawalle in Marseille hatten am Samstag ihren bitteren Höhepunkt erreicht. Vor dem 1:1 zwischen England und Russland war es am Alten Hafen zu schweren Ausschreitungen gekommen, nach Abpfiff der Partie stürmten russische Hooligans den englischen Fanblock und schlugen um sich.

Auch in der Nacht zum Sonntag war es unruhig geblieben.

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Nach Polizei-Angaben gab es 35 Verletzte, ein englischer Fan, der mit einer Eisenstange getroffen wurde, schwebt in Lebensgefahr. Einer seiner Angreifer war später noch im Stadion gesichtet worden.

Es gab diverse Festnahmen, zehn Personen blieben über Nacht in Polizeigewahrsam.

Kommt britische Polizei?

Die britische Regierung hat inzwischen angeboten, vor dem nächsten England-Spiel zusätzliche britische Polizisten nach Frankreich zu schicken, um die Sicherheitsvorkehrungen rund um das Spiel in Lens zu unterstützen. England trifft am Donnerstag auf Wales.

Die britische Polizei werde zudem die französischen Kollegen "bei den Untersuchungen unterstützen - auch bei der Beweisführung gegen jeden England-Fan, der in diese Unruhen involviert ist", hieß es.

"Die Regierung ist angesichts der Gewalt in Marseille zutiefst beunruhigt, das betrifft auch Berichte, nach denen in einigen Fällen England-Fans von rivalisierenden Anhängern angegriffen wurden", sagte ein Sprecher in einer Stellungnahme, die in London veröffentlicht wurde.

"Als hätten sie monatelang trainiert"

Der Chef der englischen Fanvereinigung sprach sich für einen Ausschluss Russlands aus.

Bei der Euro 2000 sei England mit dem Turnierausschluss wegen des Verhaltens seiner Anhänger außerhalb des Stadions bedroht worden. Diese Ausschreitungen im belgischen Charleroi seien weniger schwerwiegend gewesen als die Geschehnisse in Marseille, sagte Kevin Miles dem Telegraph.

Laut Miles hätten "Gruppen von Einheimischen Attacken auf englische Fans geplant und ausgeführt". Dies sei wiederholt worden von russischen Hardcore-Hooligans. "Es sah aus, als hätten sie monatelang dafür trainiert", sagte Miles.

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