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The Voice Of Germany - Semi Final
Rea Garvey ist vom 14. Juli bis 10. September auf Open-Air-Tour. Seine aktuelle Singe heißt: "I'm All About You" © Getty Images

München - Der irische Sänger Rea Garvey spricht bei SPORT1 über das Verhältnis von Iren und Nordiren, die Leistungen der Waliser und Engländer und seine Erwartungen an das DFB-Team bei der EM.

Rea Garvey steht für ehrliche, handgemachte Musik.

Der irische Sänger liebt die großen Emotionen in seinen Songs. Aber auch beim Fußball ist der mehrmalige "Voice-of-Germany"-Juror mit ganzem Herzen dabei.  

Vor dem Spiel Deutschland gegen Nordirland (ab 17 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht der 43-Jährige im SPORT1-Interview über die deutsche Mannschaft, Nordirland, England und Wales.

Und er blickt auf seine Iren vor dem Gruppenfinale gegen Italien (Mittwoch ab 20.30 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER)

SPORT1: Herr Garvey, wie sind Sie Fußball-Fan geworden? 

Rea Garvey: Ich habe samstags mit meinem Vater Fußball auf der Couch geschaut. Nichts ist vergleichbar mit einem Fußballspiel im Garten mit den anderen Jungs aus unserer Straße, direkt nachdem man ein Spiel der Premier League im Fernsehen gesehen hat. Wir haben dann die Highlights des Spiels nachgespielt und so getan, als wären wir wie unsere Fußballhelden. 

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SPORT1: Heute tritt Deutschland gegen Nordirland an. Wie ist eigentlich das sportliche Verhältnis zwischen Iren und Nordiren?

Garvey: Ich finde es beschämend, dass sich beide Mannschaften nicht als ein Team präsentieren können. Das hätte uns den Vorteil verschaffen können, den wir brauchen. Es ist vergleichbar mit Deutschland und Bayern. Beide hätten jeweils eine Mannschaft bei der EM. Aber die Logik des Sports ist nicht immer die Logik der Politik - leider.

SPORT1: Die deutsche Elf hat bislang nicht ihr bestes Gesicht gezeigt. Was muss besser werden als zuletzt gegen Polen?

Garvey: Die Jungs müssen Tore schießen (lacht).

SPORT1: Wie sehen Sie die Ausgangslage?

Garvey: Deutschland ist der klare Favorit in diesem Spiel. So sehr ich auch ein Fan der Nordiren bin, so würde ich doch auf einen 2:0-Sieg für Deutschland tippen.

SPORT1: Warum spielen die Deutschen noch nicht diese souveräne Rolle wie bei der WM 2014?

Garvey: Der Grund ist in der WM 2014 zu suchen. Zwischen den Spielern Neuer, Boateng, Schweinsteiger und Lahm herrschte eine große Harmonie. Sie spielten zusammen in den gleichen Mannschaften in der Bundesliga und das hat natürlich geholfen, die WM zu gewinnen. Es gibt auch jetzt großartige Spieler wie zum Beispiel Toni Kroos, aber sie haben noch nicht diese Souveränität wie das Team 2014. Die jungen Spieler brauchen noch Zeit, um sich daran zu gewöhnen, dass sie auf so einem hohen Niveau für ihr Land spielen.

SPORT1: Trauen Sie Deutschland nach dem WM-Titel dennoch den EM-Sieg zu? 

Garvey: Deutschland ist immer ein Favorit. Aber es fällt mir auf, dass bei dieser EM im Moment die Underdogs gefährlicher sind als die Favoriten. Die Hoffnung ist, dass die Favoriten großartigen Fußball spielen und sich gegen die Außenseiter beweisen müssen. Und wie immer, erst nach dem Abpfiff werden wir wissen, wer die Europameister sind. Ich hoffe, sie werden grüne Trikots tragen. (schmunzelt)

SPORT1: Die EM hat zumindest hierzulande noch nicht die große Euphorie hervorgerufen. Dazu hat neben der Terrorangst auch das Auftreten der Hooligans beigetragen. 

Garvey: Hooligans sind eine Peinlichkeit für jedes Fußballteam und haben nichts mit diesem Sport zu tun. Ich bin dagegen immer stolz, wenn sich gegnerische Mannschaften darauf freuen, gegen Irland Fußball zu spielen, weil sie wissen - egal ob Sieg oder Niederlage - es wird ein Spiel sein, an das man sich gerne erinnert. Für Deutschland war das letzte Fußballereignis der WM-Sieg. Die Europameisterschaft ist ein großartiges Turnier, aber nicht so spektakulär wie die WM und deshalb sind die Erwartungen niedriger und die Gefühle unterscheiden sich. Ich denke, das wird sich ändern, wenn Deutschland das Viertelfinale erreichen sollte.

SPORT1: Sprechen wir über Ihre Nationalelf. Was ist das Besondere an den Iren?  

Garvey: Seit dem Sieg in der Vorbereitung auf die EM 2016 haben sie angefangen daran zu glauben, dass sie weit mehr erreichen können als von ihnen erwartet wird. Es ist ein junges Team und es ist alles möglich, wenn man jung ist. Und dann sind da natürlich Trainer Martin O'Neill und sein Assistent Roy Keane, diese zwei machen unsere Nationalmannschaft stolz.    

SPORT1: Wie hat sich der irische Fußball aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren verändert? 

Garvey: Aus meiner Sicht haben die Trainer frischen Wind reingebracht. So etwas gab es seit Jack Carlton (Irlands Nationalcoach 1986 bis 1995, d. Red.) nicht mehr. Keane ist streng, total engagiert und weiß, dass man nur mit harter Arbeit und Einsatz mit Teams wie Deutschland, England, Frankreich konkurrieren kann. Er ist das "Kraftpaket", und Martin O'Neill ist das Gehirn. O'Neill hat den Plan, der hilft, ein gutes Team stärker zu machen. Nach oben hin sind mit diesen Trainern keine Grenzen gesetzt.

SPORT1: Dennoch sind die Chancen auf das Achtelfinale für Irland vor dem Spiel gegen Italien sehr gering. Wie sehen Sie es?

Garvey: Wir hatten ein gutes Spiel gegen Schweden und ein nicht so gutes gegen Belgien. Gegen die Italiener geht es um alles. Italien hat wie jedes andere Team auch gute und schlechte Tage. Wir müssen aufs Feld gehen und daran glauben, dass wir sie schlagen können. Irland ist klarer Außenseiter, das nimmt den Druck vom Team. Wenn Italien verlieren würde, wäre das eine erfrischende Abwechslung für die Fans.

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SPORT1: Wer ist in Ihren Augen der Star bei den Iren? 

Garvey: Ich denke Wes Hoolahan ist der Spieler, auf den man schauen muss. Er ist jung und sehr talentiert. Kapitän Robbie Keane ist ein großes Vorbild für das Team, aber Hoolahan ist für die Tore zuständig, die wir brauchen.   

SPORT1: Wie und wo schauen Sie die Spiele der Iren und wie fiebern Sie mit?  

Garvey: Die meisten Spiele schaue ich zu Hause. Dort kann ich all meinen Emotionen freien Lauf lassen. Das ist der beste Ort für mich. (lacht) 

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SPORT1: England und Wales sind bereits im EM-Achtelfinale. Was ist den beiden britischen Teams noch zuzutrauen?

Garvey: Beide Teams haben sehr gute Spieler, aber ein oder zwei herausragende Spieler bringen noch keinen Titel. Um ehrlich zu sein, sehe ich leider keinen der beiden im Finale - nicht dieses Mal.

SPORT1: Wer wird Europameister?

Garvey: Ich bin mir nicht sicher. Ich muss noch ein paar mehr Spiele sehen, aber ich bin beeindruckt von Island. Deutschland muss am Dienstag beweisen, wie gut es ist,  und Irland ist in meinem Herzen immer ein Anwärter auf den Titel. Polen hat Potenzial. Italien und Frankreich haben bisher noch nicht ihre besten Spiele gezeigt. 

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