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Werder Bremen v Borussia Moenchengladbach - Bundesliga
Lucien Favre war in der Bundesliga Trainer von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC © Getty Images

Favre teilt aus: Den Großteil der EM findet er "unfassbar langweilig", Italiens Verteidiger seien zu langsam und Sergio Ramos "so unfassbar schlecht".

Der frühere Bundesliga-Trainer Lucien Favre hat über das Niveau der EM und die großen Enttäuschungen Italien und Spanien geschimpft.

Nur die Spiele von Frankreich, Deutschland und der Schweiz habe er in voller Länge gesehen, "aber bei vielen anderen Partien habe ich erst zur Halbzeit eingeschaltet. Das hat gereicht. Die Qualität war einfach zu schlecht. Vor allem die Gruppenphase war unfassbar langweilig, ein Horror", sagte Favre dem Spiegel.

Die UEFA habe mit der Aufstockung auf 24 Mannschaften die EM verwässert. Zwar gebe es wirtschaftliche Vorteile, "aber dem Spiel schadet es", urteilte der Ex-Trainer von Borussia Mönchengladbach und Hertha BSC und kritisierte das verlängerte Turnier: "Die Spieler sind an ihrem Limit. Vor allem mental."

Für den Fall, dass die WM, wie von FIFA-Boss Gianni Infantino gewünscht, auf 40 Teams aufgestockt wird, prophezeit Favre Zoff zwischen Vereinen und Verband.

"Sind die denn alle verrückt? Die Zuschauer sind doch nicht dumm! Und spätestens dann, wenn sie die Nase so voll haben von langweiligen Partien, die kein Tempo und keinen Esprit haben, wird es einen großen Knall geben", ist Favre sicher: "Das wird nicht mehr lange dauern."

Italien-Abwehr? "Zu langsam. Schlechtes Stellungsspiel"

Zu den größten Enttäuschungen der EM zählt Favre, der mit seinem neuen Klub OGC Nizza kommende Saison in der UEFA Europa League (LIVE im TV auf SPORT1) antritt, auch Deutschlands Viertelfinalgegner Italien.

"Wissen Sie, warum Italien mit drei Innenverteidigern in einer Fünferkette spielt? Weil sie mit ihren Spielern unfähig sind, in einer Viererkette zu verteidigen", erklärte der Schweizer: "Giorgio Chiellini und Andrea Barzagli sind dafür einfach nicht gut genug, zu langsam, sie haben ein schlechtes Stellungsspiel."

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Favre verwies auf die Probleme der Verteidiger im Klub: "Zu Beginn der Saison probierten sie mit Juventus Turin die Viererkette aus: Katastrophe! Nur Gegentore. Danach stellten sie um auf Fünferkette, seither war der Raum zum Verteidigen für jeden einzelnen kleiner. So agierten sie auch im Nationalteam."

Jugendarbeit "katastrophal"

Auch fußballerisch habe Italien "keine Qualität. Weil sie einfach keine guten Spieler mehr haben."

Favre wetterte über die Nachwuchsarbeit in Italien: "Wo sind denn dort die Talente? Die jungen, kreativen Spieler? Keiner zu sehen. Italien ist in seiner Jugendausbildung katastrophal, nur Marco Verratti von Paris Saint-Germain kann man herausheben. Ansonsten ist das nur Durchschnitt, sehr arm."

Ramos? "Er war so unfassbar schlecht"

Dem entthronten Europameister Spanien stellte Favre ebenfalls ein schlechtes Zeugnis aus.

"Spanien ist nicht mehr das alte Spanien. Schauen Sie sich Sergio Ramos an. Er war so unfassbar schlecht", urteilte der Trainer: "Er hat sich die ganzen vergangenen Monate nur darauf konzentriert, mit Real Madrid die Champions League zu gewinnen. Er war im Kopf nicht mehr frei, um jetzt auch noch seine Leistung bei der EM abzurufen."

Dazu fehle dem Team ein Leader in der Abwehr, auch Xavi habe im Mittelfeld "eine riesige Lücke hinterlassen", stellte Favre fest und erklärte: "Spanien wird noch einige Zeit brauchen, um den Umbruch zu schaffen."

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