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Thomas Helmer meint: Die DFB-Ausfälle sind schwer zu kompensieren
Thomas Helmer meint: Die DFB-Ausfälle sind schwer zu kompensieren © SPORT1/Getty Images

SPORT1-Experte Thomas Helmer findet, dass die Ausfälle gegen Frankreich schwer zu kompensieren sind. Vor allem einer bereitet ihm Kopfzerbrechen.

Hallo Fußball-Freunde,

die Ausfälle für das Halbfinale sind eine Katastrophe für die deutsche Mannschaft. Mit dem gesperrten Mats Hummels müssen gleich vier Stammspieler gegen Frankreich ersetzt werden, das wird eine ganz harte Nuss.

Es ist sehr schade, weil die Jungs gerade gut in Tritt waren und jetzt mit den Führungsspielern eine Menge wegbricht. Ich weiß nicht, ob man das so leicht kompensieren kann.

Für Mario Gomez ist das EM-Aus ganz bitter, nachdem er sich so stark in die Startelf zurück gekämpft hatte. Gegen Italien haben wir nach seiner Auswechslung in der Offensive deutlich an Qualität verloren. Seine Präsenz wäre angesichts der französischen Probleme in der Luft sehr wichtig gewesen.

Aber ich hatte schon bei seiner Auswechslung befürchtet, dass es etwas Schlimmeres sein könnte. Auch bei Sami Khedira bin ich skeptisch,  dass man die Adduktorenprobleme noch bis zum Finale hinbekommt.

Bei Bastian Schweinsteiger fand ich bemerkenswert, dass er ohne längere Spielpraxis und nach dem frühen Schlag aufs Knie über 100 Minuten durchgehalten hat. Mit seiner Erfahrung wäre er ganz wichtig in einem Halbfinale.

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Umso schlimmer, wenn also auch noch der Ersatz für Khedira ausfallen würde. Das wird dann eine echte Herausforderung für die Mannschaft.

Ich würde Emre Can als Alternative im Mittelfeld sehen, während ich für Gomez keinen echten Ersatz sehe. Bei Mario Götze sah es zuletzt so aus, als sei er außen vor. Julian Draxler konnte gegen Italien nach seiner Einwechslung auch nicht seine Leistung gegen die Slowakei bestätigen.

Und Thomas Müller ist einfach derzeit nicht der, den wir kennen. Er arbeitet viel und der Gegner hat nach wie vor Respekt vor ihm, aber ihm fehlt die Form und vor dem Tor hat er Ladehemmung.

In der Abwehr ist es etwas unkomplizierter, so lange nicht auch noch Jerome Boateng ausfällt. Benedikt Höwedes und Shkodran Mustafi kann man beide bedenkenlos bringen.

Da Frankreich wie Italien mit zwei Stürmern spielt, könnte man auch wieder mit einer Dreierkette spielen. Womit wir doch noch bei der großen Diskussion vom Wochenende wären.

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Um ein bisschen Dampf aus dieser Systemdebatte zu nehmen, möchte ich klarstellen, dass wir sicherlich ein gutes Trainer- und Scoutingteam haben. Dass Mehmet Scholl sich da mit Urs Siegenthaler einen rausgepickt hat, hört sich fast schon ein wenig nach einer persönlichen Sache an.

Inhaltlich kann ich die Position verstehen, dass man sich als Weltmeister nicht nach dem Gegner richten muss. Dadurch, dass wir gegen Italien einen offensiven Spieler opfern mussten, haben wie gegen Polen das Tempo in der Offensive und der Druck gefehlt.

Und die Kritik hat sich auch daran entzündet, dass wir dem Gegner mit der Umstellung gezeigt haben, dass wir mehr Respekt haben als wir zugeben wollen. Aber Jogi Löw hat seine Maßnahmen für mich schlüssig begründet - und wer gewinnt, hat Recht.

Das Halbfinale wird ganz schwierig, aber ich bin ich trotz der Ausfälle weiter optimistisch. Frankreich hat offensiv eine ganz tolle Mannschaft, aber in der Defensive sind sie verwundbar.

Bis zum nächsten Mal,Euer Thomas Helmer

Ex-Nationalspieler Thomas Helmer gewann als Abwehrchef 1996 in England mit der DFB-Auswahl den bislang letzten EM-Titel. Während der Europameisterschaft in Frankreich moderiert der frühere Kapitän von Bayern München den EM Doppelpass und analysiert die deutschen Spiele in seiner SPORT1-Kolumne.

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