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Ajax Amsterdam v FC Schalke 04       - UEFA Europa League Quarter Final: First Leg
Ralf Fährmann (in grün) sorgte am Donnerstag mit einer überragenden Leistung dafür, dass Schalke überhaupt noch auf das Halbfinale hoffen kann © Getty Images

Gelsenkirchen - Keeper Ralf Fährmann schwört Schalke bei SPORT1 auf den Europa-League-Showdown gegen Ajax ein und erklärt, wie das Wunder im Viertelfinal-Rückspiel gelingt.

Der FC Schalke 04 hat in der UEFA Europa League einen große Aufgabe vor der Brust und muss im Viertelfinal-Rückspiel gegen Ajax Amsterdam einen 0:2-Rückstand aufholen (Do., ab 19 Uhr LIVE im TV und im STREAM sowie in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).

Torhüter Ralf Fährmann schwört die Knappen im SPORT1-Interview auf den Showdown ein und erklärt, wie das Wunder klappen kann.

SPORT1: Herr Fährmann, Schalke erlebt gerade eine schwierige Woche. Wie geht die Mannschaft damit um?

Fährmann: Gerade jetzt, wo es in die entscheidende Phase geht, ist es natürlich sehr, sehr hart und tut weh, wenn du keinen Erfolg hast. Trotzdem haben wir jetzt in Amsterdam noch eine Chance, auch wenn es sehr, sehr schwer wird. Ich hoffe und denke, dass wir gerade in dieser schweren Phase eng zusammenrücken und am Donnerstag ein anderes Gesicht zeigen.

SPORT1: Sie haben Schalke in Amsterdam mit ihren Paraden noch vor Schlimmerem bewahrt, die Niederlage konnten Sie aber nicht verhindern. Wie verarbeiten Sie diesen Frust?

Fährmann: Wenn man verliert, ist da immer ein gewisser Frust. Unsere Leistung war einfach allgemein nicht gut. Von der ersten bis zur letzten Sekunde haben wir keinen Zugriff bekommen, haben Ajax das Spiel überlassen. Was mich trotzdem positiv stimmt: Es ist gerade mal Halbzeit. Wir haben noch 90 Minuten Zeit, das schlechte Auftreten in Amsterdam wieder gut zu machen.

SPORT1: Gehören Sie aufgrund der Erfahrung zu denjenigen, die dann in der Kabine Tacheles reden oder die Kollegen ein bisschen aufbauen?

Fährmann:  Natürlich ist Fakt, dass man viele Dinge anspricht, mal in einem etwas raueren Ton, mal in einem etwas sanfteren - je nachdem, wie es der Spieler am besten verträgt. Benedikt Höwedes, aber auch ich, Leon Goretzka oder  Naldo, das sind die Führungsspieler, die dann mit dem einen oder anderen Teamkollegen das Gespräch suchen - mal unter vier Augen, mal unter sechs oder acht - und dann die Fehler ansprechen.

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SPORT1: Nach dem Darmstadt-Spiel waren die Fans auf den Barrikaden und haben die Mannschaft beschimpft. Macht es das noch schwieriger?

Fährmann: Wir spielen einfach bei einem der emotionalsten Klubs in Deutschland, wenn nicht sogar bei dem emotionalsten Klub. Man weiß, dass sich jeder Schalke-Fan nicht nur am Wochenende ein Ticket kauft, um das Spiel zu sehen, sondern er lebt für den Verein. Er gibt alles für den Verein, auch unter der Woche. Dementsprechend möchte er auch gute Leistungen sehen.

Wir haben das in den letzten Wochen nicht durch Ergebnisse oder unser Auftreten zurückzahlen können. Das war einfach nicht gut, deswegen finde ich es auch völlig selbstverständlich, dass die Fans dann ihren Unmut so äußern. Weil es nicht nur um ein Fußballspiel geht, sondern um den Mythos, um das Leben als Schalke-Fan.

SPORT1: Durch das Jubiläum 20 Jahre Eurofighter gibt noch es ein bisschen mehr Druck. Manche sagen, diese Mentalität fehlt der aktuellen Mannschaft. Würden Sie sich mehr Biss wünschen? 

Fährmann: Nach dem Weiterkommen gegen Gladbach hieß es, der Mythos Eurofighter wäre zurück. Jetzt haben wir einen schlechten Auftritt in Amsterdam gezeigt und es wird alles wieder in Frage gestellt. Das finde ich schade. Ich möchte die ganze Europa-League-Saison nicht schlecht reden oder schön reden. Ich versuche, das einfach realistisch zu analysieren. Wir sind gegen Gladbach weitergekommen, weil wir gefightet haben. Gegen Amsterdam haben wir einfach ein sehr, sehr schlechtes Spiel abgeliefert.

Nur die Europa League betrachtet, war das unser einziges schlechtes Spiel, ansonsten sind wir international gut und souverän aufgetreten. Ich hoffe, dass wir diese ganze Emotion, die zur Zeit in der Luft liegt, auch das Negative, einfach in positive Kraft umwandeln und uns im Heimspiel gegen Ajax ab der ersten Sekunde in die Zweikämpfe hauen und zeigen, dass wir den unbedingten Willen haben. Dann können wir auch das Wunder schaffen, gegen Amsterdam weiter zu kommen.

SPORT1: Glauben Sie, dass das Ergebnis des Rückspiels gegen Amsterdam entscheidet, wie die Saison insgesamt bewertet wird?

Fährmann: Gefühlt wird die Saison immer anhand eines Spiels bewertet - und dann am nächsten. Darum bringt es nichts, weit nach vorne zu blicken. Wenn wir gegen Amsterdam weiterkommen, können wir natürlich eine Euphorie auslösen. Die Bundesliga ist aber wieder eine ganz andere Sache. Ich hoffe, dass wir jetzt in der Europa League einigermaßen befreit aufspielen können. Aber natürlich müssen wir auch in der Bundesliga einfach wieder abliefern.

SPORT1: Im schlechtesten Fall würde Schalke nächste Saison nicht international spielen. Ist das für Sie vorstellbar, ein Jahr mit Schalke ohne internationalen Wettbewerb?

Fährmann: Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht, weil wir noch zu viele Sachen im Fokus haben, auf die wir uns konzentrieren müssen. Ich beschäftige mich nicht mit Dingen, die vielleicht sein könnten. Man hätte nur noch schlaflose Nächte, wenn man sich mit allen Faktoren beschäftigen würde. Wichtig ist einfach das nächste Spiel. Das ist jetzt in Amsterdam und dann in der Bundesliga daheim gegen RB Leipzig.

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SPORT1: Warum kommt Schalke am Donnerstag gegen Ajax weiter?

Fährmann: Wir standen in der Vergangenheit schon oft mit dem Rücken zur Wand und sind dann immer enger zusammengerückt und haben es oft geschafft, das Ruder rumzureißen. Darauf hoffe ich jetzt auch. Es wird sehr, sehr schwer, ganz klar. Aber: Wir in Gladbach in 45 Minuten geschafft, einen 0:2-Rückstand aufzuholen. Jetzt haben wir 90 Minuten Zeit. Wir können es schaffen. Natürlich brauchen wir auch ein Quäntchen Glück dazu - aber das kann man sich auch erarbeiten. Wir müssen jeden Quadratmeter auf dem Platz umgraben, das Glück nicht nur   beschwören, sondern mit Aggressivität, Willen und Leidenschaft erzwingen.

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