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Fara Williams England
Fara Williams erzielte in der Verlängerung per Elfmeter den entscheidenden Treffer für England © Getty Images

Deutschland verpasst bei der WM in Kanada einen versöhnlichen Abschluss. Trotz Überlegenheit will gegen England kein Tor gelingen. Die Strafe folgt in der Verlängerung.

Die deutschen Fußballerinnen haben bei der WM in Kanada das erhoffte Happy End verpasst.

Im kleinen Finale unterlag die im Abschluss zu schwache Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid dem Überraschungsteam aus England mit 0:1 (0:0) nach Verlängerung und kassierte im 21. Duell mit den "Three Lionesses" die erste Niederlage.

Bei der Abschiedsvorstellung von DFB-Kapitänin Nadine Angerer, die nach fast 20 Jahren und 146 Länderspielen letztmals im DFB-Trikot auflief, erzielte Fara Williams (108., Foulelfmeter) den entscheidenden Treffer der Engländerinnen. (Das Spiel zum Nachlesen im TICKER)

"Das hätten wir uns alle anders vorgestellt. Man kann der Mannschaft keinen Vorwurf machen - bis auf den Torabschluss", sagte Angerer.

Neid stellt System um

Silvia Neid
Silvia Neid veränderte ihre Startelf auf fünf Positionen © Getty Images

Vor 21.483 Zuschauern im Commonwealth-Stadium überraschte Neid, die sich nach dem Halbfinal-Aus gegen die USA (0:2) harscher öffentlicher System-Kritik des Frankfurter Bundesliga-Trainers Colin Bell ausgesetzt sah, in ihrem letzten WM-Spiel mit einer 4-4-2-Variante. Zudem durften im Vergleich zum USA-Spiel gleich fünf frische Kräfte mitwirken.

Zwei von ihnen sorgten nach nur 35 Sekunden schon für die erste deutsche Chance. Nach einer Flanke von Sara Däbritz zwang Lena Petermann Englands Torfrau Karen Bardsley zur ersten Rettungstat, acht Minuten später klärte Englands Kapitänin Steph Houghton einen Kopfball von Bianca Schmidt vor der Linie in höchster Not.

Auf der Gegenseite war Angerer, die auch noch auf die Auszeichnung als beste WM-Torhüterin hoffen darf, bei einem Schuss von Houghton nach einer Ecke auf dem Posten (12.).

Die deutsche Mannschaft, die ohne die verletzten Mittelfeldspielerinnen Dzsenifer Marozsan und Lena Lotzen auskommen musste, bestimmte weitgehend das Spielgeschehen. Vor allem U20-Weltmeisterin Däbritz sorgte dabei für Wirbel.

Nach Ballgewinnen im Mittelfeld schaltete der zweimalige Welt- und achtmalige Europameister zwar gut um, zeigte sich gegen robuste Engländerinnen im letzten Angriffsdrittel aber erneut zu unpräzise.

Däbritz hat Führung auf dem Fuß

Nach der Pause brachte Neid Melanie Leupolz für ihre Bayern-Teamkollegin Melanie Behringer. Wieder war es aber die Neu-Münchnerin Däbritz, die für Gefahr sorgte.

Nach einer Flanke von Celia Sasic versuchte es die 20-Jährige, die gegen die USA nicht zum Einsatz gekommen war, mit einer Direktabnahme, die aber Bardsley entschärfte (53.). Zu diesem Zeitpunkt hatten die Deutschen ihren Gegner gut im Griff, es haperte aber wieder einmal an der Chancenverwertung.

Tabea Kemmes strammer Distanzschuss (69.) strich ebenfalls knapp am Tor vorbei. Nach einem Stellungsfehler von Saskia Bartusiak brannte es noch einmal im deutschen Strafraum, doch auch Englands Angreiferinnen verloren im Abschluss die Nerven.

In der Verlängerung verursachte Kemme den entscheidenden Elfmeter. Bianca Schmidt vergab aus vier Metern per Kopf die große Chance zum Ausgleich (116.).

Am Sonntag reist der DFB-Tross mit Zwischenstopp in Vancouver nach fünf Wochen in Kanada zurück nach Deutschland.

Während der Großteil sich im Urlaub erholen kann, steht für Angerer am Samstag in der US-Liga NWSL gleich das nächste Spiel an. Nach der Saison mit den Portland Thorns hängt die 36-Jährige ihre Fußball-Schuhe dann endgültig an den Nagel.

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