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Stefan Reisinger wechselte im Januar 2014 von Fortuna Düsseldorf zum 1. FC Saarbrücken

München - Stefan Reisinger vom 1. FC Saarbrücken hat gegen seine Kündigung geklagt. Jetzt spricht er bei SPORT1. Auch der Klub äußert sich.

Eigentlich ist die Toilette ein ruhiger Ort. Eigentlich. Doch mit der Ruhe ist es jetzt vorbei.

Stefan Reisinger fühlt sich von seinem Verein 1. FC Saarbrücken falsch behandelt. Der Stürmer klagte vor dem Arbeitsgericht Saarbrücken gegen seine Kündigung und bekam Recht.

"Das ist schon brutal, was da jetzt alles passiert", sagt der 33-Jährige im Gespräch mit SPORT1. "Das widerspricht auch dem kompletten Verlauf meiner Karriere. Ich habe mich meinen Klubs gegenüber immer fair verhalten."

Weil Reisinger seinen Coach Fuat Kilic Ende April vor dem Spiel bei Wacker Burghausen in der Pause einer Teambesprechung auf der Toilette unter der Trennwand fotografiert haben soll, kündigte ihn der Verein fristlos, bezahlt seit Juni kein Gehalt mehr.

Das Arbeitsgericht entschied nun in erster Instanz, dass Reisingers Vertrag als Profi bis 2016 und darüber hinaus in einer anderen Funktion bis 2021 weiter läuft und der Stürmer weiter bezahlt werden muss.

Reisinger wehrt sich

Reisinger wehrt sich jetzt bei SPORT1: "Dieses Foto hat es nie gegeben und die fristlose Kündigung wurde auch erst Monate nach dem angeblichen Vorfall ausgesprochen. Ich habe noch lange gespielt."

Weil das Urteil noch nicht rechtskräftig sei, könne er "nicht mehr dazu sagen", sagte Reisinger.

Er möchte sich "aber auch nicht als 'Wolf im Schafspelz' bezeichnen lassen." So nannte ihn Saarbrückens Schatzmeister Dieter Weller, von Beruf Anwalt, wegen dessen angeblichen Fehlverhaltens.

Schwere Vorwürfe

Weller erhebt bei SPORT1 seinerseits schwere Vorwürfe gegen Reisinger: "Warum Herr Reisinger das gemacht hat, ist mir schleierhaft. Wir hatten, kurz nach dem wir von dem Vorfall erfahren haben, die fristlose Kündigung ausgesprochen."

Und weiter: "Das Vertrauensverhältnis ist natürlich mehr als nur angekratzt. Keinem Arbeitgeber ist zuzumuten mit einem Arbeitnehmer zu arbeiten, der seine Kollegen oder Vorgesetzten fotografiert."

Weller fügt hinzu: "Herr Reisinger hat von Beginn an gezeigt, dass er eigentlich gar nicht beim FCS spielen will und schon sehr früh jegliche Autorität unseres Trainers untergraben, hat Entscheidungen des Trainers infrage gestellt und mit Führungsspielern sich gegen den Trainer beraten. Er wollte an keinem Tag ehrliche Arbeit abliefern."

Reisinger ist traurig über die ganze Entwicklung. "Saarbrücken als Verein hat mich nicht enttäuscht. Ich wurde dort gut aufgenommen und vom Umfeld gut behandelt. Die handelnden Personen enttäuschen. Nicht nur mich. Auch die Fans und Menschen in Saarbrücken. Das Ansehen des Vereins und auch meines leiden."

Anfangs langfristige Zusammenarbeit geplant

Bewusst habe er sich "für einen langfristigen Vertrag in Saarbrücken entschieden. Die einen sagen Rentenvertrag, ich Zukunftsplanung auch zum Wohle der Familie und um meine Erfahrungen beruflich einbringen zu können."

Weller meint dazu: "Das war auch die Absicht. Er sollte uns sportlich helfen und danach wollten wir ihn im Verein einbauen, aber die Foto-Aktion war die Spitze des Eisbergs."

"Es gibt nur Verlierer"

Reisinger ist enttäuscht vom Verein und kommentiert, das Urteil sei "keine Überraschung, weil handelnde Personen im Namen Saarbrücken falsch gehandelt haben. Und genau diese Leute schreien nun, dass das Urteil nicht rechtmäßig sei. Als Fan von Saarbrücken ist die Story traurig, denn es gibt nur Verlierer."

Reisinger weiter: "Man wollte mich unbedingt verpflichten, das können auch die Verantwortlichen von Fortuna Düsseldorf (sein früherer Verein, Anm. d. Red.) bestätigen. Mich würde es nicht verwundern, wenn es da auch noch Transfervereinbarungen gibt. Saarbrücken hat mir das Vertragsangebot gemacht und ich habe niemanden zum Vertragsinhalt gezwungen."

Der 1. FC Saarbrücken will gegen das Urteil in Berufung gehen - aber noch bleibt Reisinger entspannt: "Das Arbeitsgericht ist eindeutig zu dem Schluss gekommen, dass die Kündigung nicht Rechtens ist. Und daran wird sich bestimmt nichts ändern, davon bin ich fest überzeugt."

Reisinger will Vertrag erfüllen

Zuletzt hielt sich Reisinger bei den Drittligisten Arminia Bielefeld, SpVgg Unterhaching und Preußen Münster fit, doch er möchte eigentlich seinen Vertrag beim FCS erfüllen, auch weil er einen lukrativen fünfjährigen Anschlussvertrag nach der Karriere besitzt.

"Es geht um meine Zukunft. Das Ganze läuft mindestens bis 2021. Ich hätte demnach auch später eine Funktion im Fußball gehabt - das war immer mein Traum."

Er habe aber den Eindruck, "dass der Verein den Arbeitsvertrag nicht erfüllen will."

Saarbrücken plant Berufung

Reisinger hofft noch und meint: "Es ist noch möglich, eine gute Lösung für alle zu finden. Aber je länger es dauert, desto schwieriger wird es natürlich für mich, einen neuen Klub zu finden."

Ein Ende ist erst mal nicht abzusehen. Saarbrücken plant in die Berufung zu gehen. "Herr Reisinger sagt, dass die Gerechtigkeit gesiegt habe", so Weller.

"Ich sage dazu nur, die Gerechtigkeit hat erst mal eine Pause eingelegt."

Das letzte Wort dürfte im Dauerstreit zwischen Klub und Angestellten noch nicht gesprochen sein.

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