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Borussia M'gladbach v 1. FC Nuernberg - Bundesliga
Arie van Lent trainiert seit Oktober 2013 die U19 von Borussia Mönchengladbach © Getty Images

München und Mönchengladbach - Gladbachs U19-Junioren starten erstmals in der UEFA Youth League. Für Trainer Arie van Lent ist das eine enorme Herausforderung, zugleich aber auch ein offenes Buch.

Arie van Lent ist entspannt. Gelassen. Trotz der anstehenden Herausforderung.

Gemeinsam mit den Profis ging es für den Nachwuchs am Montag in Richtung Sevilla. Zur Youth League, der Königsklasse der Junioren. Für die U19 von Borussia Mönchengladbach eine besondere Aufgabe, aber vor allem ein Abenteue.

Während auf die Profis die "Todesgruppe" wartet, sind Auftaktgegner FC Sevilla am Dienstag (ab 15.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM), Manchester City und Juventus Turin für die U19 derzeit noch unbeschriebene Blätter. "Wir freuen uns auf diese Namen. Aber man weiß im Vorfeld kaum, wie die U19 ist. Die könnten ganz anders sein. Vielleicht sind wir da wirklich konkurrenzfähig", sagte U19-Trainer van Lent zu SPORT1.

Im Interview spricht der Ex-Profi über seinen "Schritt zurück" von den Profis zu den Junioren, die Nachwuchsarbeit bei Borussia Mönchengladbach und die große Herausforderung Youth League.

SPORT1: Arie van Lent, Sie haben es in Ihrer Trainerkarriere bis in die 3. Liga zu Kickers Offenbach geschafft und dann einen vermeintlichen "Schritt zurück" in den Juniorenbereich gemacht. Warum?

Arie van Lent: Der Trainerjob ist ja nicht so einfach, dass man es direkt in die Bundesliga schafft. Man sucht sich keinen Bundesligisten aus und sagt: "Da möchte ich heute mal hin." Ahlen und Offenbach waren für mich ein optimaler Einstieg. Nach meiner Entlassung in Offenbach war Borussia für mich eine super Herausforderung. Ich habe immer gesagt: "Junioren ja, aber dann gerne Ältere, weil ich mit Jüngeren vielleicht ein bisschen ungeduldig bin." Deswegen war das damals optimal. Und ich empfinde es bis heute als schönen Job und eine schöne Herausforderung.

SPORT1: Was sind die größten Unterschiede bei der Arbeit zwischen Profis und Junioren?

Van Lent: Die Profis wissen genau, worum es geht. Und die Junioren wissen, wie es geht, nur üben es noch nicht so aus und haben natürlich unheimlich viele Schwankungen. Sie haben alle einen Traum, nur sie werden es leider nicht alle schaffen.

SPORT1: Wie schwer sind für Sie als Trainer diese Härtefälle?

Van Lent: Schon sehr. Denn wenn wir hoffen, dass wir jedes Jahr ein, zwei Junioren nach oben bringen können und wir einen großen Kader von 30 Jungs haben, dann wissen wir, dass möglicherweise sehr viele auf der Strecke bleiben werden. Da sind natürlich auch Jungs dabei, die dir über die Jahre ein bisschen ans Herz gewachsen sind. Und wenn die keine Chance haben, ist das auch manchmal hart.

SPORT1: Wie packen Sie selbst die Jungs an, wie sind Sie selbst als Trainer?

Van Lent: Eine gewisse Lockerheit gehört auf jeden Fall dazu, aber nicht während meiner Trainingseinheiten. Ich finde schon, dass die Jungs da mitmachen müssen. Weil wir ja nicht so viele Trainingseinheiten haben, da die Jungs auch in die Schule gehen. Da möchte ich, dass sie voll dabei sind. Wir wissen zwar, dass viele von ihnen auf der Strecke bleiben. Aber ich möchte allen die Chance geben, es zu packen.

SPORT1: Jetzt steht für die Borussia die Youth League an. Welche Bedeutung hat die Königsklasse der Junioren für den Verein?

Van Lent: Wenn sie die Möglichkeit haben, so einen Vergleich auf internationalem Niveau zu haben, dann sollte man sich darauf freuen. Dass sich unsere Talente mit den Besten der Besten messen können, ist natürlich eine enorme Herausforderung.

SPORT1: Für die Profis ist klar, wer da wartet. Wie ist es bei der U19?

Van Lent: Wir freuen uns auch auf diese Namen. Aber man weiß im Vorfeld kaum, wie die U19 ist. Die könnten ganz anders sein. Vielleicht sind wir da wirklich konkurrenzfähig. Von daher nehmen wir das ganz gelassen. Es ist und bleibt ein schöner Vergleich. Wenn man die Qualität von Juventus Turin, des FC Sevilla oder Manchester City sieht, dann wird das natürlich unheimlich schwierig. Aber für uns als U19 sind das natürlich alles schöne Reisen, teilweise auch zusammen mit den Profis.

SPORT1: Mit welcher Zielsetzung gehen Sie grundsätzlich in den Wettbewerb?

Van Lent: Das ist schwierig. Eine gewisse Hoffnung hat man, weil man von seinen Jungs natürlich auch überzeugt ist. Wir spielen ja auch internationale Turniere, bei denen wir meistens gut abschneiden. Dann hofft man natürlich schon, dass man unter die ersten Zwei kommt. Dass man dann vielleicht die Möglichkeit hat, sich nochmal gegen andere Gegner unter Beweis zu stellen.

SPORT1: Es gibt auch Kritik an der Königsklasse der Junioren. Wie stehen Sie grundsätzlich zu dem Wettbewerb?

Van Lent: Das ist eine schwierige Frage. Uns erwartet eine Aufgabe, die wir bis jetzt noch nicht kannten. Weil es unser erstes Mal ist, bleibt es für uns ein bisschen ein Abenteuer. Fakt ist, dass ein Großteil der Jungs in der Zeit, in der wir unterwegs sind, nicht in der Schule ist. Und das könnte für den einen oder anderen schwieriger werden. Wir unterstützen die Jungs dabei, wo wir können. Aber die Spieler sind dabei auch selbst gefragt. Dass dann auch jemand, der es nicht so gut macht, mal zuhause bleibt, damit er nicht immer so viel nachholen muss. Und ich hoffe, dass wir beides händeln können. Aber auf der anderen Seite ist es wieder so: Man bietet den Jungs eine Möglichkeit, die sie so schnell auch nicht wieder bekommen. Und man denkt auch ein bisschen an sich und man sagt auch, dass man die Jungs auch letztendlich fördern will.

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