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Nikola Karabatic (r.) feiert mit seinen Teamkollegen den Sieg im Champions-League-Finale
Nikola Karabatic (r.) feiert mit seinen Teamkollegen den Sieg im Champions-League-Finale © Getty Images

Köln - Welthandballer Nikola Karabatic komplettiert seine Titelsammlung und erreicht mit dem Champions-League-Sieg seines FC Barcelona Unglaubliches. Nur ein Ziel bleibt.

Hat Nikola Karabatic in vollem Lauf erst einmal den Ball, reduzieren sich die Möglichkeiten für den Fortlauf des Spiels meist rasend schnell: Es schlägt im Tor ein, es gibt ein mindestens mittelschweres Foul oder einen tödlichen Pass.

In den Schlusssekunden des Champions-League-Finales FC Barcelona gegen MKB Veszprem entschied sich der französische Ausnahmespieler für Variante drei und bediente Victor Tomas mit einem scharfen Zuspiel auf Rechtsaußen.

Barcas kleiner Kapitän traf sicher zum 28:23 (14:10)-Endstand, die Uhr lief herunter, Pokalübergabe, Konfetti, Champagner, Sirtaki.

Karabatic MVP des Final Four

"Mit diesem Trikot, mit diesem Klub hier zu gewinnen, das bedeutet mir sehr viel", sagte Karabatic später, nachdem er auch noch zum wertvollsten Spieler des Final Four von Köln gewählt worden war.

Und auch auf den sonst so harten Gesichtszügen von Gudjon Valur Sigurdsson (beide 6 Tore) zeichneten sich leichte Gefühlsregungen ab. "Sehr gut" fühle er sich jetzt, erklärte der Isländer, der bei seinem fünften Anlauf in Köln erstmals den Titel holte: "Es ist so unglaublich schwer, dieses Turnier zu gewinnen."

Rekordsieger Barca baute sein Titelkonto auf neun Erfolge in der Königsklasse aus, die Ungarn um den Deutschen Christian Zeitz unterlagen auch bei ihrer zweiten Finalteilnahme nach 2002. Damals waren sie an Stefan Kretzschmars Magdeburgern gescheitert.

Partylaune trotz Kiels Aus

Dass der THW Kiel zuvor nach dem Halbfinalaus auch Platz drei verpasst hatte und die 19.750 Fans in der ausverkauften Kölner Arena nach drei deutschen Siegen in Folge seit 2011 (Kiel, Hamburg, Flensburg) erstmals wieder ein Endspiel ohne deutschen Teilnehmer erlebten, tat der Partylaune keinen Abbruch.

Geboten wurde neben großer Show auch großer Sport, wie so oft in großen Finals behielt allerdings der Kampf die Überhand über die Finesse.

Bei Barca schauten Kaliber wie Kiril Lazarov (über weite Strecken) oder Siarhei Rutenka (komplett) von der Bank aus zu - den Fehler, ein funktionierendes System auseinander zu reißen wie im Halbfinale des Vorjahres, wollte Barcas Trainer Xavier Pascual offenbar nicht noch einmal machen. Damals waren die Katalanen trotz deutlicher Führung noch im Siebenmeterwerfen am späteren Sensationssieger aus Flensburg gescheitert.

Barca baut Führung kontinuierlich aus

Diesmal ging die Rechnung auf. Nur die Rückraumhünen Laszlo Nagy (8) und Momir Ilic (5) hielten Veszprem anfangs einigermaßen in Schlagdistanz. Beim 9:6 (21.) durch Sigurdsson wuchs Barcas Vorsprung erstmals auf drei Tore an, bis zur Halbzeit waren es vier.

Auch den zweiten Durchgang dominierte Barca mit einer überragenden Deckung und extremem Einsatz in der Offensive. Spätestens als Veszprems Motor Chema Rodriguez zehn Minuten vor dem Ende mit einer Wadenverletzung ausschied und Karabatic zum 24:18 (52.) traf, war die Messe gelesen.

Karabatic schreibt Geschichte

Der Superstar, der vor dem Wechsel zu Paris St. Germain steht, ist nun der erste Handballer, der gleichzeitig Olympiasieger, Welt- und Europameister sowie Champions-League-Sieger ist.

"So eine Saison habe ich noch nie gespielt. Ich bin sehr stolz. Das ist unglaublich", so der - ja, natürlich - Welthandballer, den Sigurdsson ehrfurchtsvoll eine "Maschine" nennt.

Was ihm nun noch für Ziele bleiben? "Gut feiern", sagte er lachend, strich sich über den Hotzenplotzbart und verschwand dann in Richtung Kabine: "Das ist jetzt das Wichtigste."

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