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Schmerzhaft: Der THW scheitert im Halbfinale © Getty Images

Der THW Kiel fliegt nach einem packenden Duell mit MKB-MVM Veszprem im Halbfinale der Champions League raus. Die Entscheidung fällt in der Verlängerung, Kielce wartet.

Der erfolgsverwöhnte deutsche Rekordmeister THW Kiel beendet erstmals seit 13 Jahren eine Saison ohne Titel.

Die Mannschaft von Trainer Alfred Gislason unterlag beim Final Four der Champions League im Halbfinale dem ungarischen Meister MVM Veszprem in einem Handball-Krimi 28:31 (25:25, 15:12) nach Verlängerung und verspielte damit die Chance auf den vierten Triumph in der Königsklasse nach 2007, 2010 und 2012.

"Uns hat in der Verlängerung die Kraft gefehlt. Dass es überhaupt zu einer Verlängerung gekommen ist, war unnötig", sagte Gislason bei Sky. "Wir haben besonders im Angriff zu viele Fehler gemacht."

Die Kieler hatten kurz vor Schluss der regulären Spielzeit noch mit zwei Treffern geführt, den Vorsprung aber noch aus der Hand gegeben.

Veszprem trifft im Endspiel am Sonntag (18.00 Uhr) auf KS Vive Kielce.

Der polnische Meister mit Europameister Tobias Reichmann hatte sich im Halbfinale überraschend mit 28:26 (16:16) gegen Topfavorit Paris St. Germain durchgesetzt. Kiel, das in Marko Vujin (acht Tore) seinen besten Werfer hatte, muss zuvor (15.15 Uhr im LIVETICKER) im Spiel um Platz drei gegen PSG ran.

Kiel leidenschaftlich - Landin glänzt

Die in dieser Saison vom Verletzungspech geplagten Kieler zeigten von Beginn an viel Leidenschaft. Die Abwehr um den Mittelblock mit Patrick Wiencek und Ilija Brozovic ging aggressiv zur Sache und blockte immer wieder die Versuche des wurfgewaltigen Rückraums der Ungarn mit den Ex-Kielern Momir Ilic und Aron Palmarsson.

Torhüter Niklas Landin parierte einige Würfe glänzend. Dadurch kam Kiel immer wieder zu Tempogegenstößen. Einen schloss Nationalspieler Wiencek zum 5:2 ab (7.).

Lautstark angetrieben von zahlreichen Fans ließ sich Veszprem, das auf den verletzten Ex-Weltmeister Christian Zeitz verzichten musste, aber nicht aus der Ruhe bringen und glich zum 5:5 (10.) aus.

Kiel baut nach der Pause ab

Auch ohne Europameister Steffen Weinhold (Mittelhandbruch) blieb das Angriffsspiel des THW aber variabel, einige sehenswerte Anspiele an den Kreis wirbelten die Deckung der Ungarn auseinander. Vom 9:9 (22.) setzte sich der deutsche Meister daher bis zur Halbzeit auf drei Treffer ab.

Nach dem Wechsel kam ein Bruch ins Kieler Spiel. Technische Fehler ermöglichten Veszprem einfache Gegenstoßtore, zudem blieb der THW 8:20 Minuten ohne eigenen Torerfolg. Beim 15:17 (38.) nahm Gislason eine Auszeit und versuchte, beruhigend auf seine Spieler einzuwirken. Kiel kämpfte sich in der Folge zurück, auch wenn das THW-Spiel weiterhin fehlerhaft blieb. Landin hielt seine Mannschaft aber im Spiel, Domagoj Duvnjak glich zum 19:19 (47.) aus.

Ausgleich sechs Sekunden vor Ende

Es entwickelte sich eine packende Schlussphase. Vujin brachte die Zebras mit zwei Treffern in Führung (23:22/56.). Veszprem zeigte Nerven und verlor den Ball. Der bärenstarke Duvnjak traf 99 Sekunden vor dem Ende zum 25:23 und verwandelte die Kölner Arena in ein Tollhaus.

Doch Veszprem schlug zurück. Nach einem Fehlwurf von Christian Dissinger glich Gaspar Marguc sechs Sekunden vor dem Ende aus und sorgte für die Verlängerung, in der die Ungarn das bessere Ende für sich hatten.

"Eigentlich hätten wir schon nach 60 Minuten gewinnen müssen", sagte Kiels Patrick Wiencek nach der Partie. "Leider hatten wir für die Verlängerung nicht genügend Wechselspieler."

Auch Veszprem Momir Ilic, der von 2009 bis 2013 für den THW auflief, erkannte die fehlende Kadertiefer der Kieler als Schwäche: "Wir haben bis an die letzte Sekunde an uns geglaubt. Der Nachteil des THW Kiel - das habe ich immer gesagt - ist, dass sie nicht viele Spieler zum Rotieren haben. Diese Saison hatten sie sehr viele Verletzungen, deswegen habe ich auch unsere Chance heute gesehen."

Reichmann im Endspiel

Das musste sich auch Alfred Gislason nach dem Spiel eingestehen: "Die Verletzungen und die lange Saison haben natürlich heute eine Rolle gespielt. Wir hatten nie die Breite gehabt, um das auf viele Schultern zu verteilen – zumindest nicht in dieser Klasse."

Im ersten Halbfinale hatte Kielce das Pariser Starensemble um Nikola Karabatic und Mikkel Hansen entzaubert. "Das ist unbeschreiblich. Wir haben nicht perfekt gespielt, aber mit viel Leidenschaft. Wir haben immer einen klaren Kopf behalten. Unsere Abwehr war der Schlüssel zum Erfolg", sagte Reichmann, der vier Treffer erzielte.

PSG halfen auch zehn Tore des ehemaligen Welthandballers Hansen nicht zum ersten Finaleinzug in der Königsklasse. "Wir sind enttäuscht. Es lag an Kleinigkeiten. Es war ein riesiger Kampf", sagte Torhüter Thierry Omeyer.

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