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Der HSV Hamburg meldet Insolvenz an, setzt seinen Spielbetrieb aber zunächst fort. Ein mutmaßlicher Geldgeber dementiert Medienberichte, stünde aber für einen Neustart bereit.

Was sich in den vergangenen Tagen schon abgezeichnet hat, ist Realität geworden: Der HSV Hamburg meldet Insolvenz an. 

Das bestätigte am Mittwoch die Gerichtspressestelle Hamburg. Der Hamburger Rechtsanwalt Dr. Gideon Böhm von der Kanzlei Münzel & Böhm wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt.

Gemeinsam mit HSV-Geschäftsführer Christian Fitzek soll in enger Abstimmung mit der DKB Handball-Bundesliga daran gearbeitet werden, dass der Spielbetrieb bis mindestens zum Saisonende ermöglicht wird und auch langfristig ein unabhängiges, professionelles Arbeiten möglich ist.

Böhm appelliert an Gläubiger

So wird das Bundesligaspiel am Sonntag gegen den SC Magdeburg wie geplant stattfinden. Arena-Geschäftsführer Uwe Frommhold hat sich dazu bereiterklärt, die Halle zu öffnen.

"Ich bin zuversichtlich, dass die Saison trotz der komplexen Situation erfolgreich beendet werden kann", sagte Böhm: "Wer den Handball auf Erstliganiveau für die Sportstadt Hamburg erhalten möchte, muss jetzt helfen." Das Engagement sei eine Investition in die Zukunft und nicht eine Schadensminderung der Vergangenheit.

Böhm war bereits 2005 mit der Abwicklung der Vorgängergesellschaft Omni Sport betraut. Damals konnte die Insolvenz bis Saisonende hinausgezögert und im Anschluss die HSV Handball Betriebsgesellschaft mbH & Co. KG gegründet werden.

Springt Hunke ein?

Nachdem Mäzen Andreas Rudolph offenbar zu keiner erneuten Finanzspritze zu bewegen war, berichtet der NDR am Mittwoch, dass deshalb nun der Unternehmer Jürgen Hunke einspringen soll.

Der 72-Jährige selbst will davon allerdings nichts wissen: "Ich bin bestimmt nicht der Retter. Selbst wenn ich das Geld hätte, würde ich im Traum nicht bei der Betriebsgesellschaft einsteigen", sagte er dem HamburgerAbendblatt. Sollte es zu einem Neustart unter dem Dach des eingetragenen Vereins kommen, würde Hunke aber offenbar helfen.

"Jürgen Hunke würde zur Rettung des e. V. und seiner Nachwuchsabteilung beitragen, dafür sind wir sehr dankbar", sagte Vereinspräsident Karl Gladeck.

HSV Hamburg in gewaltiger Schieflage

Der einstige Champions-League-Gewinner hat seit einigen Wochen mit einer Unterfinanzierung zu kämpfen. Die Spieler des Bundesliga-Fünften warten seit zwei Monaten auf ihre Gehälter, die Geschäftsstellenmitarbeiter seit einem.

Auch mit der Hallenmiete ist der Deutsche Meister von 2011 in Rückstand. Doch zumindest zunächst soll die Barclaycard Arena nicht verschlossen bleiben. 7000 Karten waren für die Partie bereits verkauft.

Pfahl verlässt das sinkende Schiff

Von den Spielern gab es vor dem Training keine Informationen zur Lage. "Selbst wenn ich etwas wüsste, könnte ich nichts sagen", sagte Torhüter Johannes Bitter dem NDR.

Trotz ausstehenden Gehaltszahlungen hatte sich die Mannschaft um Kapitän Pascal Hens in den vergangenen Wochen nicht hängen lassen und war mit beeindruckenden Siegen gegen MT Melsungen und die Füchse Berlin auf Platz fünf geklettert.

Angesichts der dramatischen Lage des Klubs befürchtete zuletzt indes auch der Ligaverband einen Imageschaden, der auf alle 18 Klubs abstrahlt. "Schließlich werden da nicht nur die Interessen des HSV berührt", sagte Liga-Geschäftsführer Frank Bohmann bei SPORT1.

Ein Akteur wird die Entwicklungen der nächsten Wochen nur noch am Rande interssieren. Adrian Pfahl wechselt zum Liga-Konkurrenten FrischAuf Göppingen, wo er einen Vertrag bis 2018 unterschreibt. Durch die aktuelle Situation in Hamburg ergibt sich sogar die Option, den Wechsel schon in der laufenden Saison ab dem 01.01.2016 kurzfristig zu bewerkstelligen.

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