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Bundestrainer Dagur Sigurdsson (l.) plant die ersten WM-Spiele zunächst ohne Holger Glandorf © SPORT1-Grafik: Eugen Zimmermann/ Getty Images/ Imago

Kassel - Spielt er nun die WM oder doch nicht? Der Bundestrainer rechnet nach eigener Aussage nicht mit Holger Glandorf - und doch spricht vieles für einen Einsatz des Routiniers.

Holger Glandorf kam, glänzte und verschwand schnurstracks wieder.  

Nach seinem so überraschenden wie erfolgreichen Comeback für die deutsche Nationalmannschaft hieß es nicht Sachen packen für den WM-Auftakt gegen Ungarn am Freitag im französischen Rouen (17.45 Uhr im LIVETICKER), sondern ab nach Hause in den hohen Norden.

In einer Nacht-und-Nebel-Aktion war der routinierte Linkshänder (33) am letzten Donnerstag ins DHB-Trainingslager nach Kamen-Kaiserau gefahren und hatte ohne Kenntnis der Öffentlichkeit mit der Mannschaft trainiert.

Glandorf nur ein Notnagel?

"Holger Glandorf ist unser Notnagel", erklärte Bundestrainer Dagur Sigurdsson nach dem klaren 33:16 (17:11)-Sieg gegen Aufbaugegner Österreich: "Er war vorher nie bei mir. Deswegen war es für den Fall der Fälle wichtig, dass er vier, fünf Tage bei uns mit trainiert hat. Er geht jetzt aber zurück nach Flensburg. Wir rechnen nicht mit ihm."

Doch warum integriert Sigurdsson ihn dann erst in die Mannschaft? Will er wirklich mit Kai Häfner als einzigem Linkshänder für den rechten Rückraum im Optimalfall neun Spiele in 17 Tagen bestreiten?

Das wäre nämlich der Fall, nachdem der Göppinger Jens Schöngarth vorerst aus dem Kader weichen musste.

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Sigurdsson pokert

Sigurdsson will größtmögliche Flexibilität, um im Falle des Falles auf Unvorhersehbares reagieren zu können. Weshalb er auch zunächst nur 15 Spieler statt der möglichen 16 mit nach Frankreich nimmt.

Es ist wie bei jedem Turnier das große Personalpuzzle. Oder besser gesagt: ein Poker.

Denn auch nur zwei Kreisläufer im Kader, Patrick Wiencek und Jannik Kohlbacher, bedeuten ein Risiko. Auch weiß man nicht, ob und wann Uwe Gensheimer nach dem Tode seines Vaters zum Team stößt. Oder ob Sigurdsson nicht am Ende noch Hendrik Pekeler aus dem Hut zaubern möchte, der ebenfalls "im Notfall" bereit stünde.

Glandorf: "Ich stehe parat"

Die Chancen, dass Glandorf in die WM eingreift, scheinen jedoch hoch. Sei es zum möglicherweise entscheidenden letzten Vorrundenspiel gegen Kroatien oder erst in der K.o.-Runde.

"Holger ist sehr gut drauf, aber wir wissen, dass er nicht zehn Spiele in drei Wochen machen kann", sagte Sigurdsson.

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"Wir warten ab und schauen mal. Wenn etwas passieren sollte, stehe ich parat", sagte Glandorf, der gegen Österreich sichtlich mit Freude bei der Sache war, gut mit den Kollegen harmonierte und drei Treffer erzielte. "Es hat sich super angefühlt und viel Spaß gemacht, wieder für die Nationalmannschaft zu spielen", bestätigte er.

Das letzte seiner nun 168 Länderspiele hatte der gebürtige Osnabrücker, der 2007 im eigenen Land unter Heiner Brand Weltmeister wurde, im September 2014 gemacht und war dann zurückgetreten.

Groetzki: "Als Außen freut man sich"

Die Mitspieler jedenfalls würden sich freuen, einen Rückraumkönner vom Kaliber Glandorfs dabei zu haben bei der schweren und kräftezehrenden Titeljagd.

"Holger ist ein unglaublich guter Handballspieler", sagte Patrick Groetzki, sein Nebenmann auf dem Feld, im Gespräch mit SPORT1: "Als Außen freut man sich da natürlich. Er hat einfach dieses Tempo drin und das Timing bei den Anspielen. Und er trifft eben fast alle seine Würfe. Das hat unter der Woche im Training schon gut ausgesehen und hat sich jetzt noch einmal bestätigt."

Häfner gefordert

Zu Beginn des Turniers lastet die Verantwortung nun auf dem Hannoveraner Häfner, der immerhin in der Abwehr geschont wird.

Sigurdsson wird sich sicher schon nach den Eindrücken aus dem Auftaktspiel gegen Ungarn, seine Gedanken machen. Gegen die schwächeren Gegner in Gruppe C, Chile, Saudi-Arabien und Weißrussland wird er ohnehin mehr rotieren können, bis der Kracher gegen Kroatien wartet.

Groetzki sagte: "Wir werden sehen, ob Holger nachkommt. Er würde uns als Mannschaft sicher sehr gut tun."

Nacht und Nebel soll es ja auch im Nachbarland geben.

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