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Sydney - Trainer Ulli Stielike und sechs Spieler aus Deutschland greifen nach der Krone des asiatischen Fußballs - und ein Gewinner heißt auf jeden Fall Bayer Leverkusen.

Als Spieler hat Ulli Stielike 17 Titel gewonnen, am Sonntag greift er nach dem ersten seiner 25-jährigen Trainer-Karriere. Doch das Endspiel des Asien-Cups mit Südkorea gegen den Gastgeber Australien am Samstag (ab 10 Uhr im LIVE-TICKER) geht der 60-Jährige extrem gelassen an - denn er weiß, dass es Wichtigeres gibt im Leben.

"Man kann mir heute, mit welchem Druck auch immer, keine Angst mehr einflößen", sagte der Europameister von 1980.

Der Grund dafür ist ein tief trauriger. 2008 starb sein Sohn Michael im Alter von nur 23 Jahren an einer Lungenfibrose. Ulli Stielike hatte zehn Tage vor dem Afrika-Cup sein Amt als Nationalcoach der Elfenbeinküste niedergelegt, um bei seinem Sohn zu sein.

Zweite Chance  

Zumindest sportlich erhält Stielike am Samstag eine zweite Chance. Mit ihm hoffen gleich sechs Spieler aus Deutschland auf den Titel - und ein Gewinner heißt sicher Bayer Leverkusen. Denn ausgerechnet die als Klub seit 1993 titellosen Rheinländer stellen als einziger Verein neben dem Jeonbuk Hyundai Motors FC aus Korea je einen Spieler pro Team.

"Egal, wie es ausgeht: Wir werden einen unserer Spieler als Asien-Meister ehren. Das ist eine schöne Sache", sagte Rudi Völler dem Kicker. Doch das Duell seiner Schützlinge Robbie Kruse und Heung-Min Son betrachtet der Bayer-Sportchef auch mit gemischten Gefühlen. Denn "einen werden wir trösten müssen".

"Nicht als Favoriten"

Wer das sein wird, ist völlig offen. Stielike sieht sein Team "sicher nicht als Favoriten". Doch das Duell in der Vorrunde gewannen die Taeguk Warriors, zu denen neben Son auch Jin-Su Kim (Hoffenheim) und Joo-Ho Park (Mainz) gehören, mit 1:0 gegen die Australier um Kruse, (Ersatz-) Torhüter Mitch Langerak (Borussia Dortmund) und Stürmer Matthew Leckie vom Zweitliga-Spitzenreiter FC Ingolstadt. 

Die Freundschaft zwischen Son und Kruse wird am Samstag "für mindestens 90 Minuten ruhen", erklärte Son, der gleichzeitig gespannt auf den Rückrunden-Auftakt seines Klubs gegen Langeraks Dortmunder blickt: "Ich will am Samstag zwei Spiele gewinnen."

Erster Titel seit 55 Jahren?

Für die bei der WM in der Vorrunde gescheiterten Koreaner wäre es der dritte Titel beim Asien-Cup, der erste seit 55 Jahren. Für die Australier der erste. Sie nehmen aber auch erst zum dritten Mal Teil, nachdem sie 2005 aus der Konföderation Ozeaniens (OFC) ausgetreten waren. Bei der letzten Austragung 2011 in Katar verloren die Aussies das Finale gegen Japan 0:1 nach Verlängerung. 

Diesmal sollen 84.000 Zuschauer das Olympiastadion von 2000 in einen Hexenkessel verwandeln und den ersten Titel auf dem Kontinent garantieren, zu dem das Land ja eigentlich gar nicht gehört. "Wir werden sicher keine Heimspielatmosphäre vorfinden", sagte Son, der aber auch sicher ist, "dass viele Koreaner da sein werden".

Darauf hofft auch Uli Stielike.

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