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David Ginola, Sepp Blatter, FIFA
David Ginola (l.) bestritt 17 Länderspiele für Frankreich © SPORT1

London - David Ginola fordert Joseph Blatter heraus. Bei SPORT1 erklärt der frühere französische Nationalspieler, wie er die FIFA besser machen will.

Von Marc Schäfer

Mit diesem Herausforderer hat Joseph Blatter wohl am wenigsten gerechnet.

David Ginola, ehemaliger Beau der Premier League, TV-Experte und Gelegenheitsschauspieler, will den mächtigsten Mann des Fußballs bei der FIFA ablösen.

Der frühere französische Nationalspieler hat vor einer Woche seine Kandidatur für das Präsidentenamt des Weltverbands angekündigt. Im Gespräch mit SPORT1 spricht der 47-Jährige über seine Bewerbung, den Vorwurf, sie sei nicht mehr als ein PR-Gag - und seine Ideen, die FIFA besser zu machen.

SPORT1: Herr Ginola, wie läuft Ihre Kampagne bisher?

David Ginola: Es ist nicht leicht, aber gerade das macht es so interessant.

SPORT1: Wie waren die ersten Reaktionen, nachdem Ihre Kandidatur bekannt wurde?

Ginola: Das Feedback ist wirklich gut. Es ist eine Kampagne mit den Menschen für die Menschen. Und das ist angekommen. Die Unterstützung von den Fans ist jetzt wichtig für uns. Wir wissen, dass wir nächste Woche eine Deadline haben und dass wir fünf Landesverbände brauchen, die uns unterstützen. Nur dann können wir die Kampagne weiter vorantreiben. Das ist das Wichtigste im Moment.

SPORT1: Sind Sie sicher, dass das gelingen wird?

Ginola: Es ist natürlich nicht einfach. Wir sind in einigen Verbänden auf Interesse gestoßen, aber es gibt noch keine 100-prozentigen Zusagen. Wir müssen abwarten, aber wir sind sehr zuversichtlich, dass wir es bis zum Stichtag hinbekommen. Es besteht Interesse an unseren Zielen. Über allem steht, dass die Fußballfans der FIFA wieder vertrauen können - und zwar auf der ganzen Welt. Unsere Schlüsselwörter der Kampagne sind: Transparenz, Demokratie und Gleichberechtigung. Bei der FIFA müssen von jetzt an in einer anderen Art und Weise Entscheidungen getroffen werden. Unsere Forderungen fallen bei den Fans auf fruchtbaren Boden. Jetzt müssen wir die Verbände auf unsere Seite bekommen, um weiterarbeiten zu können.

SPORT1: Gibt es schon einen Verband, der Unterstützung signalisiert hat?

Ginola: Nein, leider nicht.

SPORT1: Was hat bei Ihnen den Ausschlag gegeben, in das Rennen um das Präsidentenamt einzusteigen?

Ginola: Was ich über mein Spiel gelesen und gehört habe, hat mir nicht mehr gefallen. Wir wollen Türen öffnen. Das ist dringend nötig, um das verloren gegangene Vertrauen wieder aufzubauen. Es ist eine sehr große und eine sehr komplizierte Aufgabe, denn im Moment findet alles hinter verschlossenen Türen statt. Wir hoffen, dass wir den Menschen den Fußball wieder zurückgeben können.

Joseph Blatter, Präsident der FIFA, wird von David Ginola herausgefordert
Joseph Blatter, Präsident der FIFA, wird von David Ginola herausgefordert © Getty Images

SPORT1: Was werfen Sie FIFA-Präsident Joseph Blatter konkret vor?

Ginola: Ich will nicht darüber reden, was Herr Blatter macht. Ich will eher in die Zukunft denken. Wir veröffentlichen täglich eine neue Richtlinie. Insgesamt haben wir neun verschiedene Richtlinien aufgestellt. Wir sind zum Beispiel überzeugt, dass die FIFA für WM-Einnahmen in dem jeweiligen Land Steuern zahlen muss. Ich denke, es ist das Mindeste, wenn man durch eine WM vier Milliarden Dollar verdient, dass man dem Gastgeber-Land etwas zurückgibt. Wir fordern Gleichberechtigung und wollen dem Frauenfußball eine bessere Plattform bieten, in dem wir ihre WM direkt nach der Männer-WM ausrichten. Als Drittes möchten wir mehr von dem erwirtschafteten Geld wieder in das Spiel investieren und sicherstellen, dass auch der kleinste Verband genug Geld zur Verfügung hat, um den Fußball in seinem Land weiterzuentwickeln. Das heißt aber nicht, dass wir den großen Verbänden etwas wegnehmen werden. Wir wollen den Gesamtbetrag erhöhen. Ich verstehe nicht, warum die Investitionen der FIFA auf 7,8 Prozent zurückgefahren wurden. Das ist unglaublich.

SPORT1: Welche Richtlinien können wir noch von Ihnen erwarten?

Ginola: Das möchte ich jetzt noch nicht sagen. Bis nächsten Mittwoch werden wir täglich eine weitere bekanntgeben. Im Prinzip werden alle Fans damit einverstanden sein, denn jeder ist der Meinung, dass sich die FIFA verändern muss. Unsere Maßnahmen werden sehr willkommen sein.

SPORT1: Was ist der Unterschied zwischen Ihnen und den anderen Kandidaten?

Ginola: Das ist klar: Sie sind von der FIFA, und ich bin es nicht.

SPORT1: Ist das ein Vor- oder ein Nachteil?

Ginola: Von beidem etwas. Das Entscheidende ist, dass ich ein unabhängiger Kandidat bin. Das macht es interessant. Außer mir haben alle schon mal mit oder in der Nähe der FIFA gearbeitet. Ich repräsentiere dagegen die Fans und die Fußball-Welt. Ich habe nichts mit der FIFA zu tun gehabt und will auch eigentlich gar nichts von der Vergangenheit wissen. Ich will meine eigenen Entscheidungen unabhängig davon treffen, meinen Richtlinien folgen und sicherstellen, dass wir massive Veränderungen innerhalb der FIFA sehen werden. 

SPORT1: Immer wieder geht es im Zusammenhang mit der FIFA um Korruptionsvorwürfe. Was werden Sie dagegen unternehmen?

David Ginola fordert Joseph Blatter als Präsident der FIFA heraus
David Ginola mit Ehefrau Coraline beim einem Filmfestival im vergangenen Jahr © Getty Images

Ginola: Wir wollen wieder Transparenz schaffen. Jeder - Fans, Medien, Funktionäre - wird in der Lage sein, jederzeit nachzuvollziehen, warum Entscheidungen wie getroffen wurden, wo das Geld herkommt, und wo es hingeht. Unsere Pflicht ist es, uns zu öffnen. Nur so wird uns das gelingen. Keine Entscheidungen mehr hinter verschlossenen Türen.

SPORT1: Kritiker werfen Ihnen vor, Ihre Kampagne sei nur eine PR-Aktion, auch weil Sie von einem Wettanbieter finanziell unterstützt werden.

Ginola: Es ist keine PR-Aktion. Das stimmt nicht. Wir arbeiten hart, um zu zeigen, dass es eine ernsthafte Kampagne ist. Die Kampagne läuft eine Woche, seitdem präsentiere ich meine Vorstellungen wo es nur geht. Ich denke, das ist mehr als genug, um zu beweisen, dass es uns ernst ist. Wir sehen die Kampagne als eine große Chance für die Fans und die Fußball-Welt.

SPORT1: Ein weiterer Punkt, den Sie bis Mittwoch nachweisen müssen, ist, dass Sie in den vergangenen fünf Jahren mindestens in zwei Jahren eine aktive Rolle im Fußball gespielt haben. Können Sie das?

Ginola: Ja. Natürlich. Ich war für den englischen Verband Botschafter der WM-Bewerbung für 2018. Zwei Jahre lang habe ich außerdem als Berater eines Zweitligisten in Frankreich gearbeitet. Im Juni werde ich übrigens meine Trainerlizenz ablegen. Ich wäre wohl der erste Präsident mit Trainerausbildung.

WM in Katar: Khalifa-Stadion in Doha
Das Khalifa-Stadion in Doha wird ein Spielort der WM 2022 sein © Getty Images

SPORT1: Die Diskussionen um die WM-Vergabe an Katar 2022 gehen ungebrochen weiter. Wie stehen Sie dazu?

Ginola: Im Moment ist alles darüber gesagt. Die Entscheidung ist gefallen. Den Rest müssen wir jetzt abwarten. Als Präsident würde ich sicherstellen, dass die WM in gewünschten Bahnen verläuft. Ich möchte gerne mit einer positiven Einstellung herangehen. Es gibt eine Menge Dinge, die wir auf der Agenda haben. Das wird mich zu gegebener Zeit alles beschäftigen, denn es sind wichtige Angelegenheiten. Jetzt kommt es aber zu früh, denn zuerst müssen wir die fünf Verbände mit ins Boot bekommen, um die Kampagne fortzuführen. Danach haben wir Zeit, uns alles andere anzugucken.

SPORT1: Gilt das auch für die Vorwürfe an den FC Bayern München, weil der Club sein Trainingslager in Katar und Saudi-Arabien ausgerichtet hat? Sie hatten den Verein kürzlich als Vorbild für die FIFA bezeichnet.

Ginola: Ja. Eine Menge Klubs halten ihre Trainingslager dort ab, nicht nur Bayern. Der Verein ist für mich das perfekte Beispiel, wie man einen Klub führen sollte und ehemalige Spieler und deren Qualitäten einbauen kann. Bayern steht auf und abseits des Rasens für Qualität. Der Verein ist eindrucksvoll.

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