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Maskottchen Austria Wien
Super Leo, hier ein Archivbild noch ohne Maske © Imago

Das Maskottchen von Austria Wien legt sich betrunken auf den Platz. Traurig, einerseits. Andererseits kann es nun mithalten mit den Größen des Geschäfts.

Man kann als Maskottchen natürlich so ein Erfolgsmensch sein wie Holli die Maus.

Holli die Maus, das muss man dazu wissen, gewann vor einigen Jahren das nationale Maskottchenrennen im Stadion Wrangelritze in Berlin-Kreuzberg - vor DFB-Adler Paule, Gladbach-Fohlen Jünter, dem Uerdinger Grotifanten und trotz der Mogelei-Versuche des später disqualifizierten Bären Herthinho.

Ein Triumph, der seitdem stets Erwähnung findet, wenn irgendwo ein Porträt über Hollis Arbeitgeber, den SC Paderborn, geschrieben wird: "Paderborn war schon mal deutscher Meister! Glauben Sie nicht? Die blaue Maus "Holli" hat 2009 in Berlin…" Jaja.

Schön und gut, dass Holli so ein skandalfreier Siegertyp ist. Aber genau das ist auch ihr Problem.

Es ist wie bei der anderen berühmten Maus: Sie mag der große Star, die Weltmarke, das Aushängeschild sein. Die Sympathien aber gehören der Ente Donald, der seine Schöpfer auch ein paar Brüche in die Biografie geschrieben haben.

Bei den Superhelden nicht anders: Warum wohl, glauben Sie, setzen Fußballer nach Toren immer eine Batman- oder eine Spiderman-Maske auf und nie eine Superman-Maske?

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Warum wohl, glauben Sie, setzen Fußballer nach Toren nie eine Superman-Maske auf? © Getty Images

Abgesehen von dem Punkt, dass Superman keine Maske trägt: Er ist halt furchtbar langweilig in seinem Alleskönnertum. Spiderman und sein Herumtragen an der Große-Macht-große-Verantwortungslast, Batman und sein offensiver Umgang mit der Fledermaus-Phobie: Echte Charaktere mit echten Problemen, das sind die Geschichten.

Mit Super Leo ist es am Ende dasselbe.

Mal ehrlich: Hatten Sie vor dem vergangenen Wochenende schon mal etwas gehört vom Superhelden-Löwen in Diensten des FK Austria Wien?

Dabei wird er diese Dienste vor diesem Wochenende gewiss tadellos verrichtet haben. Wird Austrias Fans mit Leidenschaft zum Anfeuern ihres Teams animiert haben. Wird durch seine Auftritte bei Kickercamps, Schulaktionswochen und Tagen der offenen Stadiontür die Interessen seines Klubs gewissenhaft vertreten haben. Wird - kurz gesagt - das Corporate Design seines Arbeitgebers so nach außen getragen haben, wie es im Berufsbild vorgesehen ist.

Trotzdem: Super Leo hat bislang eine Schattenexistenz geführt. Und hat sie erst in dem Moment verlassen, in dem er ausgebrochen ist aus der Tadellosigkeit. Sich gehen ließ, betrunken auf einen Fußballplatz legte und damit stumm nach außen schrie: Lasst mich. Lasst mich mit eurem Corporate Design, eurem Erfolgslöwentum, mit eurem Anspruch, dass ich für euch die Welt retten muss. Ich will nicht mehr. Hier liege ich, ich kann nicht anders.

Nicht falsch verstehen: Alkoholismus ist schlimm und sollte nicht nachgemacht werden. Für Super Leo aber brauchte es diesen Bruch, um ihn emporzuheben aus der Masse der internationalen Superhelden-Maskottchen. Erst jetzt ist ein echter Typ mit einer echten Geschichte, die in allen Ländern in den Zeitungen steht.

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Riss einmal Zampa, dem FC-Millwall-Löwen, den Kopf ab und trat ihn auf die Tribüne: Cyril the Swan © Getty Images

"Austria Vienna's Super Leo is our new favourite mascot", titelt der Mirror. "Is Super Leo the greatest mascot of all time?", fragt die Metro und gibt nur zwei Antwortoptionen: Ja und Ja.

Und das sind Medien aus einem Land, das Dinge erlebt hat wie die Prügelei zwischen Wolfie, dem Wolverhampton-Wanderers-Wolf und City Cat, der Bristol-City-Katze - die ihrerseits noch Unterstützung hatte von drei Schweinchen von der örtlichen Eisfabrik. Ein Maskottchen-Jahrhundertkampf, der zu Recht, aber irgendwo doch bedauerlicherweise in einem fünffachen Stadionverweis gipfelte.

Oder Cyril the Swan, dem kompromisslosen Schurkenschwan von Swansea City - der im Lauf seiner Karriere vor Attacken auf Schiedsrichter ebenso wenig haltmachte wie vor Rempeleien gegen gegnerische Funktionäre. Und der als Höhepunkt einmal Zampa, dem FC-Millwall-Löwen, den Kopf abriss und ihn per Volleyabnahme auf die Tribüne trat.

Man sieht: In der internationalen Maskottchenszene herrscht ein anderes Niveau vor, als das, bei dem Holli die Maus mithalten könnte.

Super Leo dagegen? Man darf jetzt gespannt darauf sein, was passiert, wenn Cyril, der Schwan ihm mal dumm kommen will.

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