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München - Eine Verhaftungswelle erschüttert die FIFA zu Beginn ihres Kongresses in Zürich. Nicht nur die Fußball-Welt zeigt sich betroffen. Eine Legende gibt ein klares Statement. Die Reaktionen.

Knaller am Zürichsee: Schweizer Ermittler nehmen kurz vor dem FIFA-Kongress aktuelle und ehemalige Funktionäre des Weltverbands fest.

Es geht um jahrzehntelange Korruption, Geldwäsche und organisiertes Verbrechen. Der Weltfußball blickt auf die Schweiz, teils erfreut, teils schockiert, teils desillusioniert. (LIVE-TICKER ZUM NACHLESEN: FIFA und FBI nehmen Stellung zu den Vorwürfen)

SPORT1 hat die wichtigsten Reaktionen:

Diego Maradona (argentinische Fußball-Legende beim Radiosender La Red):

"Man hat mich für verrückt erklärt, aber ich sage das schon seit langer Zeit. Heute hat das FBI die Wahrheit ausgesprochen. Die Amerikaner haben einen unglaublichen Job gemacht. Blatter wird womöglich in die USA und sich erklären müssen. Sie sind ihm seit zehn Jahren auf den Fersen."

Gary Lineker (früherer englischer Nationalspieler, via Twitter):

"Wenn Blatter noch einen letzten Krümel Würde hat, würde er jetzt gehen, zurück in seine Höhle kriechen, in seinem Sessel sitzen und seine Katze streicheln."

Reinhard Rauball (Ligapräsident):

"Die heute bekannt gewordenen Enthüllungen übersteigen jedes Maß an Vorstellungskraft. Es wäre das absolut falsche Signal, wenn unter dem Eindruck dieser Entwicklungen die Agenda des FIFA-Kongresses wie geplant abgearbeitet würde. Man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Sollten sich die Vorwürfe als richtig herausstellen, würde dies die FIFA und den gesamten Weltfußball in den Grundfesten erschüttern. Sepp Blatter - obgleich offensichtlich persönlich nicht betroffen - sollte dem Fußball einen großen Dienst erweisen. So kann es nicht weitergehen."

Eberhard Gienger (sportpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion):

"Die nicht endenden Korruptionsvorwürfe gegen hochrangige Vertreter der Weltfußballorganisation FIFA müssen jetzt vorbehaltslos aufgeklärt werden. Die Sportwelt verdient, die Wahrheit zu erfahren.

Wir erwarten ebenso eine Antwort auf die Frage, ob die letzten WM-Vergabeverfahren nach Russland und Katar manipuliert wurden. Wenn sich dies bestätigen sollte, müssen die Vergabeverfahren neu aufgerollt werden. Die FIFA sollte einen radikalen Wandel vollziehen.

Auch der Deutsche Fußball Bund (DFB) hatte sich zuletzt für eine personelle Neuausrichtung an der FIFA-Spitze ausgesprochen. Zudem stellt sich die Frage, wie bei den aktuellen Ermittlungen der anstehende FIFA-Jahreskongress überhaupt durchgeführt werden kann. Die heutigen Ereignisse zeigen, dass eine wirksame Korruptionsbekämpfung der FIFA notwendig ist."

Sylvia Schenk (Rechtsanwältin, Transparency International) im Gespräch mit SPORT1:

"Ich schließe nicht völlig aus, dass es Blatter sogar stärkt. Viele Delegierte könnten sich nach einem sehnen, der weiß, wie er die FIFA zu führen hat. Mit einem neuen Mann wäre da eine zu große Instabilität, denn der müsste sich erst in alles einarbeiten.

Ich bin da sehr skeptisch. Chuck Blazer packt seit drei Jahren aus bei den US-Behörden und das führt erst heute zu dieser Verhaftungswelle. Ich glaube nicht, dass etwas zu finden ist - zumindest nicht bei Blatter persönlich. Dazu ist er zu clever. Er braucht nämlich nicht selbst etwas zu zahlen oder Geld zu nehmen.

Die Ermittler pokern, dass es Blatter daran hindert, nochmal anzutreten und dass es Druck auf die FIFA macht. Wenn sie etwas gegen Blatter in der Hand hätten, dann würden sie gegen ihn ermitteln. Und zwar auch schnell genug, dass sie das vor der Wahl rausbekommen. Insofern glaube ich nicht, dass sie die großen Fakten gegen Blatter haben. Es ist ein politisches Spiel.

Korruptionsermittlungen sind immer ausgesprochen schwierig. Im internationalen Zusammenhang sowieso. Das meiste könnte jetzt schon verjährt sein. Zudem ist es auch mit nachgewiesener Korruption schwierig mit einer Neuvergabe. In dieser Hinsicht gibt es auch Gerichtsurteile aus der Schweiz, wo Verträge trotz Korruption Bestand hatten."

Loretta E. Lynch (US-Justizministerin):

"Die Anklage führt ungezügelte, systematische und tiefgehende Korruption auf, sowohl im Ausland als auch hier in den Vereinigten Staaten. Sie zieht sich mindestens über zwei Generationen von Fußball-Funktionären, die offenbar ihre Vertrauensposition missbraucht haben, um Millionen an Bestechungs- und Schmergeld einzustecken.

Und sie hat zahlreiche Opfer schwer geschädigt, von Nachwuchsligen und Entwicklungsländern, die von dem Geld profitieren sollten, das diese Organisationen mit ihren Werberechten verdienen, bis zu den Fans auf der ganzen Welt, die das Spiel unterstützen und dadurch die Rechte erst wertvoll machen."

Statement der FIFA:

"Die FIFA begrüßt Maßnahmen, die helfen können, jede Art von Fehlverhalten im Fußball auszumerzen. (…) Wir sind froh, dass die Ermittlungen im Sinne des Fußballs energisch vorangetrieben werden und glauben, dass das helfen wird, die Maßnahmen zu verstärken, die die FIFA bereits getroffen hat."

Walter De Gregorio (FIFA-Direktor Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit):

"Das ist eine gute Sache für die FIFA. Natürlich ist es abträglich für unser Image. Aber im Sinne der Verfahren der Ethik-Kommission ist das gut für uns. Am 18. November haben wir den Behörden alle Informationen weitergeleitet.

Wir wussten, dass ein Tag wie heute kommen würde. Aber es ist gut für uns. Das Verfahren geht jetzt weiter und wir warten gespannt auf erste Ergebnisse. So lange keine Ergebnisse vorliegen, wird spekuliert. Aber wir wollen Fakten.

Sepp Blatter tanzt gerade nicht in seinem Büro. Er ist sehr ruhig und kooperiert mit den Behörden. Aber er ist natürlich kein glücklicher Mann."

Ali bin Al Hussein (FIFA-Präsidentschaftskandidat, Vizepräsident des Exekutivkomitees):

"Ein trauriger Tag für den Fußball. Es ist offensichtlich eine Angelegenheit, bei der die Details noch ans Licht kommen müssen. Es wäre deshalb nicht angebracht, zu diesem Zeitpunkt weitere Kommentare abzugeben."

James Comey (FBI-Direktor):

"Keiner steht über dem Gesetz. Wir werden nicht aufhören, bevor diese Botschaft angekommen ist. Wir werden nicht tatenlos zusehen, während solche Dinge geschehen."

Kelly T. Currie (US- Staatsanwalt):

"Die Angeklagten sind eigentlich dafür da, den Fußball zu fördern. Doch die Gier hat sie getrieben, um Geld zu verdienen. Jeffrey Webb (beschuldigter FIFA-Vizepräsident von den Kaimaninseln, Anm. d. Red.) hat das Vertrauen missbraucht, um Schmiergelder zu bekommen. Das ist erst der Anfang, nicht das Ende. Wir wollen den Fußball von der Korruption säubern."

Richard Weber (Chef der US-Steuerbehörde)

"Heute ist ein guter Tag für die Fußball-Fans und für den Kampf gegen die Korruption. Wir bemühen uns, die Fairness wieder herzustellen."

Thomas De Maiziere (Bundesinnenminister):

"Korruption und Geldwäsche sind schwere Vorwürfe, eine umfassende Aufklärung ist das Gebot der Stunde. Hier ist auch die FIFA gefordert. Sportereignisse wie die Fußball-WM begeistern die Menschen in der ganzen Welt. Deshalb brauchen wir eine saubere Vergabe solcher Wettkämpfe."

Heiko Maas (Bundesjustizminister):

"Auch die FIFA ist kein rechtsfreier Raum. Die Vorwürfe müssen aufgeklärt werden. Jeder Fußballfan hat ein Anrecht darauf, dass klargestellt wird, dass Korruption im Fußball, auch im internationalen Fußball keinen Platz hat."

Greg Dyke (Präsident des englischen Verbands):

"Als einer der Verbände, der Blatters Herausforderer Prinz Ali nominiert haben, wird es niemanden überraschen, dass wir für ihn stimmen werden. Es muss aber ein Fragezeichen geben, ob die Wahl unter diesen Voraussetzungen stattfinden sollte.

Offensichtlich ändern sich die Dinge gerade sehr schnell und unsere Delegation beim FIFA-Kongress in Zürich, die ich anführe, wird morgen Früh mit unseren Kollegen aus der UEFA diskutieren, wie es weitergeht."

Theo Zwanziger (ehemaliger DFB-Präsident):

"Das ist ein großer Sumpf. Das Problem ist nicht damit erledigt, dass man Sepp Blatter als Präsident verhindert. Der Fehler liegt im System der FIFA. Es können sich zu viele bedienen. Ich bin aber froh, dass endlich etwas passiert. Auch bezüglich der WM-Vergaben 2018 und 2022 muss es intensive Untersuchungen geben. Es darf nichts unter den Teppich gekehrt werden."

Jack Warner (ehemaliger FIFA-Vizepräsident):

"Mein Name wird von internationalen Medien als eine der Personen genannt, die in Zusammenhang mit der Ermittlung gesucht werden. Die Menschen in Trinidad und Tobago wissen, dass ich die FIFA und den internationalen Fußball mehr als vier Jahren verlassen und in den letzten Jahren mein Leben der Aufgabe gewidmet habe, das Schicksal jedes Bürgers jedes religiösen Glaubens und jeder Hautfarbe zu verbessern.

Ich stand nie vor Gericht und wurde zu dieser Sache noch nicht einmal befragt. Ich sage immer wieder aufs Neue: Ich bin unschuldig. Die Handlungen der FIFA betreffen mich nicht mehr."

Greg Dyke (FA-Präsident):

"Man muss fragen, ob die Wahl unter diesen Umständen stattfinden sollte. Die Dinge haben sich geändert und unsere Delegation wird am Donnerstag mit den Kollegen in der UEFA diskutieren, wie unsere Position aussieht und wie wir weiter vorgehen wollen. 

Statement des CBF (brasilianischer Fußballverband):

"Ohne dass ein Urteil über Schuld oder Unschuld gefällt worden ist, wird keine abschließende Beurteilung der Situation stattfinden"

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