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Harold Mayne-Nicholls
Harold Mayne-Nicholls war Vorsitzender des chilenischen Fußballverbands © Getty Images

Die FIFA kehrt bei den Aufräumarbeiten nach dem Korruptionsskandal um den Fußball-Weltverband gegen Kritiker von Präsident Joseph S. Blatter (Schweiz) mit besonders eisernem Besen.

Die rechtsprechende Kammer der FIFA-Ethik-Kommission unter Vorsitz des Münchner Richters Hans-Joachim Eckert sperrte Chiles Ex-Verbandschef Harold Mayne-Nicholls wegen Verstößen gegen den Ethik-Code für sieben Jahre für alle Aktivitäten auf sämtlichen Fußball-Ebenen.

Der Chefinspektor der Bewerbungen um die WM-Endrunden 2018 (Sieger Russland) und 2022 (Katar), der im Herbst 2014 eine Kandidatur als FIFA-Präsident gegen Blatter erwogen hatte, kündigte umgehend Einspruch an.

In der FIFA-Mitteilung kündigte der Verband für Mayne-Nicholls eine vergleichsweise drakonische Strafe an, sollte der Beschluss rechtskräftig werden. "Ich wundere mich, dass ein Urteil veröffentlicht wird, wenn es noch in höheren Instanzen angefochten und geändert werden kann", kommentierte der Südamerikaner via Twitter die Entscheidung.

Mayne-Nicholls, den die US-Justiz im Zusammenhang mit dem Korruptionsskandal bislang nicht zum Kreis verdächtiger Personen zählt, hatte 2010 vor der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 in seinem Bericht über die Eignung der jeweiligen Kandidaten ausgerechnet den späteren Siegern der bis heute umstrittenen Wahlen die schlechtesten Noten gegeben.

Kurz vor der Bekanntgabe von Eckerts Bewertung des sogenannten Garcia-Reports über Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe der beiden WM-Turniere im vergangenen Herbst hatte der 54-Jährige Ambitionen auf das Amt des FIFA-Präsidenten bekundet, ehe umgehend FIFA-Ermittlungen gegen seine Person eingeleitet wurden.

Über Mayne-Nicholls angebliche Verfehlungen rätseln Experten seit Monaten. Beobachter halten es für möglich, dass die FIFA dem Blatter-Kritiker Vorträge nach der Vergabe der WM-Turniere 2018 und 2022 und damit Verstöße gegen die Verschwiegenheitspflicht vorwirft.

Außerdem soll der Südamerikaner bei der Leitung des katarischen Sportzentrums nach Trainingsgelegenheiten für chilenische Nachwuchsspieler um seinen Sohn und Neffen sowie nach einem Job für einen Tennis-Lehrer aus seinem Umfeld gefragt haben.

Das erstinstanzliche FIFA-Strafmaß gegen May-Nicholls wirkt auch vor dem Hintergrund von Vorwürfen wie etwa gegen FIFA-Vizepräsident Issa Hayatou (Kamerun) erstaunlich.

Der Afrikaner soll für seine Stimme für den Wüstenstaat als WM-Schauplatz laut den Aussagen von Zeugen aus Katars Bewerbungskomitee in der ARD 1,5 Millionen Dollar kassiert haben - und konnte trotz des Verdachts am vergangenen Sonntag beim Finale der Frauen-WM in Kanada als Stellvertreter des momentan reiseunlustigen FIFA-Chefs Blatter die Siegerehrung vornehmen.

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