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Winfried Schäfer trainiert seit 2013 die Nationalmannschaft Jamaikas.

München - Im Halbfinale des Gold Cups trifft Trainer Winfried Schäfer mit Jamaika auf Jürgen Klinsmann und die USA. Bei SPORT1 spricht Schäfer über das Duell und die Chancen der Reggae Boyz.

Winfried Schäfer hat mit Jamaika überraschend das Halbfinale des Gold Cups erreicht.

Dort treffen die Reggae Boyz Donnerstagnacht (ab 0 Uhr im LIVETICKER) auf Turnierfavorit USA. Dort wartet auf den deutschen Trainer nicht nur ein schwerer Gegner, sondern auch das Wiedersehen mit US-Coach Jürgen Klinsmann und seinem Assistenten Berti Vogts.

Im SPORT1-Interview spricht Schäfer über das deutsche Trainerduell und die Chancen Jamaikas. 

SPORT1: Herr Schäfer, im Halbfinale des Gold Cups trifft Jamaika auf die USA. Herr Schäfer, was denken Sie erwartet Sie gegen die USA?

Winfried Schäfer:  Das Stadion wird mit 68.000 verrückten Amerikanern ausverkauft sein. Und eine Mannschaft, die von zwei Trainern heiß gemacht wird, von Jürgen Klinsmann und Berti Vogts. Es sind also zwei deutsche Trainer gegen mich.Die Amerikaner können damit rechnen, dass wir bis zum Ende kämpfen werden. Wir haben uns durch harte Arbeit ins Halbfinale gebracht und wollen ins Finale nach Philadelphia.

SPORT1: Sie haben das Stadion angesprochen. Spielt es sich dort anders?

Schäfer: Gestern war der Rasen noch nicht ganz fertig. Der Kunstrasen wurde mit normalem Gras vermischt. Es ist also sehr uneben. Es ist kein schöner Platz. Ich denke, die Verhältnisse kommen den Amerikanern entgegen, sie leben vom Kraftfußball. Das darf für uns aber kein Hindernis sein. Wir haben uns durch Teamwork ins Halbfinale gebracht und wollen jetzt den nächsten Schritt machen.

Cuba v United States: Quarterfinals - 2015 CONCACAF Gold Cup
Clint Dempsey ist der Star im US-Team. © Getty Images

SPORT1: Die USA haben den ein oder anderen überragenden Einzelspieler. Auf wen muss man besonders aufpassen?

Schäfer: Clint Dempsey ist der Torjäger und sehr kopfballstark.  Wir haben dafür in der Abwehr Wes Morgen von Leicester City und Michael Hector vom FC Reading, das dürfte also kein Problem sein. Für uns dürfte eher das Problem sein, dass wir viel Kraft gelassen haben, wir haben zwei Turniere gespielt. Zudem haben wir viele Torchancen ausgelassen, wir haben keinen Stürmer, der aus zwei Chancen einen Treffer macht.

SPORT1: Sind Sie mit Berti Vogts und Jürgen Klinsmann gut bekannt?

Schäfer: Jürgen kenne ich noch aus der Zeit, als er noch Spieler in Stuttgart war und nun als Trainer. Berti ist einer meiner besten Freunde, mit ihm habe ich immer Kontakt. Wir haben uns auch während des Turniers bereits getroffen. Es wird ein Spiel auf ganz hohem Niveau. Ich hoffe, dass wir am Ende die Nase vorne haben.

SPORT1: Wie geht man miteinander um, wenn man so gut befreundet ist und nun vor so einem wichtigen Spiel steht?

Schäfer: Wir sind von der Generation, wo noch viel geflachst wird. Wir reden über frühere Zeiten, über heute und über das, was noch kommt. Berti hat eine große Operation gehabt. Wir waren immer in Kontakt. Er ist ein fantastischer Kerl. Berti ist der Beobachter für Klinsmann. Wir werden uns vor dem Spiel kurz treffen, uns umarmen und nachher vielleicht gemeinsam einen Rotwein oder ein Glas Bier trinken. Mal sehen, wer dann den Sieg feiern kann.

SPORT1: Haben Sie als Trainer des Karlsruher SC in der Bundesliga gegen den Spieler Jürgen Klinsmann gespielt?

Schäfer: Ich glaube ja. Er war ein blonder Junge, der immer rumgerannt ist. Ich kann mich auch an ein Abschiedsspiel für den Ex-Profi Rainer Schütterle erinnern. Er hat für den KSC und den VfB gespielt. Ich war der Trainer in diesem Abschiedsspiel, Jürgen Klinsmann stand auf dem Feld. Als ich Jürgen auswechseln wollte, ist er auf die andere Seite gelaufen, weil er nicht raus wollte. Jürgen ist ein super Typ. Er hat - wie einige andere deutsche Trainer auch - sehr viel für das Ansehen des deutschen Fußballs im Ausland getan.

SPORT1: Und auch sehr viel für das Ansehen des US-Fußballs?

Schäfer:  Da ist natürlich richtig.

SPORT1: Was kann man von Jürgen Klinsmann lernen und was macht ihn als Trainer aus?

Schäfer: Er hat einen Berater, der gleichzeitig ein Medienfachmann ist. Der Umgang mit den Medien ist sehr wichtig in der heutigen Zeit. Jürgen macht das überragend.

SPORT1: Was könnte sich Jürgen Klinsmann von Ihnen abschauen?

Schäfer: Das will ich nicht bewerten. Ich denke wir sind im Grunde ähnlich, beide ehrgeizig und wollen Erfolg haben. Er lebt in den USA, wenn man sich die Trainingsmöglichkeiten ansieht, ist das wie im Schlaraffenland. So etwas habe ich selbst in Deutschland noch nicht gesehen.  Jeder Club hat mindestens zehn Trainingsplätze. Die Nationalmannschaft hat überall Nachwuchsleistungszentren.

Jürgen Klinsmann steht mit dem US-Team vor entscheidenden Wochen.
Jürgen Klinsmann ist seit 2011 US-Coach. © Getty Images

SPORT1: Ist das der Gegensatz zu den Bedingungen, die Sie täglich vorfinden?

Schäfer:  In Jamaika gibt es einen guten Trainingsplatz. Der Rest ist uneben und schwer bespielbar.

SPORT1: Inwieweit haben Sie Jamaika und die Menschen im Land verändert?

Schäfer:  Früher hat sich alles um Usain Bolt gedreht. Nun wollen die Kinder auf der Straße nicht mehr sprinten, sondern Fußball spielen. Wir haben eine sehr gute U17- und U23-Mannschaft, die wir aufbauen. Der Fußball ist Nummer eins. Uns hat schon bei der Copa America keiner etwas zugetraut. Heute sagen genau die selben Leute: "Ich habe schon immer gewusst, dass ihr gut seid." Gewinnst du, hast du im Fußball immer viele Freunde. Wir haben einiges für das ganze Land getan. Durch harte, professionelle Arbeit und hochmotivierte Trainer  ist Jamaika auf einmal vorne. Im Moment ist das ganze Land unheimlich stolz auf uns, das wollten wir erreichen.

SPORT1: Was hat Jamaika an Ihnen verändert?

Schäfer: Jamaika ist ein schönes Land. Ich habe mal zum Spaß gesagt, so wie der Schwarzwald. Nur mit Wasser drum herum.

SPORT1: Sie wirken momentan also noch mehr auf Jamaika ein, als das umgekehrt der Fall ist?

Schäfer: Ich bin kein "No Problem Man", wie die Jamaikaner sagen. Ich habe gelernt, dass man nur mit harter Arbeit und Disziplin zum Erfolg kommt. Ich will alles vorher planen und bereit haben. Wir müssen versuchen, noch mehr in England geborene jamaikanische Spieler für unser Team zu gewinnen. Das schaffen wir nur, wenn auch bei uns alles gut organisiert ist.

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