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FC Porto
Torwart Iker Casillas feiert den Sieg seines FC Porto in der Champions League gegen den FC Chelsea © Getty Images

München - Porto, Benfica und Sporting kassieren künftig über 40 Millionen im Jahr aus TV-Verträgen und somit ähnlich viel wie der FC Bayern derzeit. Der Vergleich hinkt trotzdem.

Karl-Heinz Rummenigge dürfte sich in diesen Tagen bestätigt fühlen, wenn er die Nachrichten aus Portugal liest. Da hat soeben nach Benfica Lissabon und dem FC Porto auch Sporting, der dritte Topklub des Landes, einen lukrativen TV-Vertrag abgeschlossen. Alle drei Vereine kassieren ab 2018 von ihren Partnern mehr als 40 Millionen Euro pro Jahr aus der Verwertung der TV-Rechte.  

Möglich gemacht hat dies zum einen die in Portugal gängige Einzelvermarktung der Klubs, als auch - und das wird Rummenigge besonders interessieren - die Konkurrenzsituation.

In Portugal balgen sich nämlich die Telekommunikationsunternehmen NOS und Portugal Telecom um die Vermarktungsrechte der TV-Übertragungen. NOS wird künftig die beiden Hauptstadtklubs vermarkten, Portugal Telecom den FC Porto, Gegner von Borussia Dortmund im Sechzehntelfinale der UEFA Europa League (18. Und 25 Februar 2016).

Rummenigge fordert mehr Konkurrenz auf TV-Markt

Rummenigge hatte die DFL bei der letzten Jahreshauptversammlung des FC Bayern Ende November "eindringlich" aufgefordert, "einen Wettbewerb auf dem TV-Markt zu kreieren, um die Einnahmen zu steigern." Das dürfte möglicherweise nicht wirklich die Aufgabe des Ligaverbandes sein, aber klar ist, dass die gesteigerten TV-Einnahmen in Portugal, wie zuvor schon der Mega-TV-Deal in England, vor allem der Konkurrenz auf dem Markt geschuldet ist.

Mit künftigen Einnahmen von je rund 45 Millionen Euro pro Jahr stoßen vor allem der aktuelle Tabellenführer FC Porto und sein ärgster Verfolger Sporting, am Samstag in Lissabon auch noch Gegner in der Primeira Liga, in ähnliche Dimensionen wie die deutschen Top-Klubs.

Portugiesische Liga international kaum vermarktbar

Hängt jetzt bald die vergleichsweise kleine portugiesische Liga die Bundesliga ab? 

Höchstens auf den ersten Blick. Bayern bekam  letztes Geschäftsjahr rund 43 Millionen Euro von der DFL aus der Vermarktung der TV-Rechte der Bundesliga im Inland. Dürften die Bayern ihre Rechte selbst vermarkten, würden sie wohl rund 200 Millionen Euro kassieren können. 

Verträge in Portugal beinhalten auch Trikot-Sponsoring

Der Vergleich zwischen den  portugiesischen Topklubs und dem FC Bayern hinkt aber trotzdem. Zusammen mit den Erlösen aus der internationalen Vermarktung der Bundesliga und der Medien-Prämien der DFL für die Teilnahme an der Champions League bekam der FC Bayern im abgelaufenen Geschäftsjahr insgesamt rund 73 Millionen Euro ausgeschüttet. Die internationale Vermarktung der portugiesischen Liga dürfte als eher nebensächlich betrachtet werden.

Bei Sporting beinhaltet der neue Vertrag außerdem auch die Vermarktung der Trikotbrust und der Werbebanden, bei Porto nur der Werbebanden. Der FC Bayern kassiert von der Deutschen Telekom zusätzlich noch schätzungsweise 35 Millionen Euro im Jahr für den Schriftzug auf der Brust. Dazu kommen noch rund 50 Millionen Euro alleine von Ausrüster und Klub-Mitinhaber Adidas.

Auch Borussia Dortmund, Schalke und die anderen deutschen Großklubs haben auch in Zukunft weit höhere Einnahmen als die portugiesischen Top-Klubs.

Außerdem: Kleinere Vereine wie der SC Braga bekommen derzeit nur drei Millionen Euro aus der TV-Vermarktung, und werden demnächst wohl auch nicht mehr als zehn Millionen kassieren.

Von Sponsoring- und Vermarktungseinnahmen wie in Deutschland können portugiesische Klubs nur träumen. Doch Sorgen ums Geld muss sich vor allem der FC Porto nicht machen.

Transfermeister aus Porto

Der 27-malige Meister ist der ungekrönte Transfermeister Europas. Seit 2004 hat Porto schier unglaubliche 453,71 Millionen Euro Gewinn durch Transfers gemacht.  Transfereinnahmen von 822,92 Millionen standen Ausgaben von 369,21 Millionen gegenüber. Allein diesen Sommer standen Einnahmen von 122,4 Millionen Ausgaben von 36 Millionen gegenüber - auch weil Torwart-Legende Iker Casillas von Real Madrid ablösefrei kam. 

Ansonsten setzte Porto auch in diesem Jahr vor allem auf das Aufstöbern von Talenten. Mehr als 100 Scouts sondieren für Porto den Markt, jedes Jahr finden sie vorzugsweise in Südamerika oder Afrika günstige Spieler, die in Porto ausgebildet und dann teuer weiterverkauft werden. Diesen Sommer gingen etwa Stürmer Jackson Martinez (geholt für neun Millionen, verkauft für 35 Millionen Euro an Atletico Madrid), Rechtsverteidiger Danilo (gekauft für 13, verkauft für 31,5 Millionen an Real Madrid) und Verteidiger Alex Sandro (gekommen für neun, verkauft für 26 Millionen an Juventus).

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