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Die UEFA plant die neue Superliga. © SPORT1-Grafik: Getty Images

Schon in zwei Jahren könnte eine neue Superliga den europäischen Vereinsfußball revolutionieren. SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen zu den aktuellen Plänen.

Ein Name, zwei vollkommen unterschiedliche Pläne: Seit die Frankfurter Allgemeine Zeitung am Dienstag von Plänen der UEFA berichtet hat, ab 2018 eine neue Superliga für die europäischen Topklubs oberhalb der Champions League einzuführen, ist eines klar: Die Champions League, wie wir sie heute kennen, wird es bald nicht mehr geben.

Die Pläne des Fußballverbandes über die Gründung der UEFA-Superliga, bei denen nicht nur sportliche Gründe über die Qualifikation entscheiden sollen, konkurrieren mit den von der Vereinigung der europäischen Topklubs ECA ins Spiel gebrachten.

SPORT1 beantwortet die Fragen rund um die geplante Reform.

Privat oder unter dem Dach der UEFA?

Die ECA, die von Bayerns Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge geführt wird, kokettiert bereits seit Januar mit der Gründung einer privat geführten europäischen Superliga außerhalb der UEFA.

Vertreter der englischen Spitzenklubs trafen sich dazu bereits Anfang März mit dem US-Immobilien-Tycoon Stephen Ross (75). Der Besitzer des NFL-Teams Miami Dolphins träumt von einer richtigen Superliga, in der nur die absoluten Top-Klubs spielen.

Möglicherweise würde es sich bei dieser Superliga um eine geschlossene Gesellschaft handeln. Es gäbe, wie etwa auch in der NBA oder NFL, keinen Auf- und Abstieg. Doch dem Vernehmen nach soll das Konzept die britischen Klubs nicht überzeugen - die Premier League funktioniert ja wirtschaftlich.

Noch mehr Geld für Spitzenklubs

Diese radikalen Ideen würden eine starke Abwertung der nationalen Ligen und der Wettbewerbe der UEFA bedeuten - was wäre die Bundesliga schließlich ohne den FC Bayern München und Borussia Dortmund? Was die Serie A ohne Juve? Was die Premier League ohne die Big Five?

Die Pläne der UEFA sind daher eher als Kompromissvorschlag zu verstehen. Die Superliga wäre ein dritter Europacup oberhalb von Champions League und Europa League. Es ist der Versuch, die Quadratur des Kreises zu schaffen: Man möchte noch mehr Geld für die Luxusklubs generieren, diese aber gleichzeitig in ihren nationalen Ligen halten - und auch für die Mittelklasseklubs Europacup-Spiele möglich zu machen.

Welche Vereine würden in der UEFA-Superliga mitspielen?

Neben dem FC Bayern München könnten aus England Manchester United, Manchester City, Arsenal, Chelsea und der FC Liverpool dabei sein. Aus Spanien würden die beiden Großklubs FC Barcelona und Real Madrid auf jeden Fall mitmischen, aus Frankreich Paris St. Germain und aus Italien Juventus. Dazu vielleicht noch Ajax Amsterdam und der FC Porto.

Diese Klubs könnten immer dabei sein. Dazu käme noch eine gewisse Zahl von Klubs aus den nationalen Ligen, die sich sportlich qualifizieren könnten: Deutschland könnte in der Luxusliga etwa drei Startplätze bekommen.

Laut Gazzetta dello Sport könnte die Superliga aus 16 bis 24 Mannschaften bestehen, die in zwei Gruppen aufgeteilt und dort eine Doppelrunde ausspielen. Bei 24 Mannschaften und zwei Gruppen wären das aber 22 Spiele für jede Mannschaft. Danach würde die K.o.-Phase beginnen.

Insgesamt käme man so auf maximal 29 Spiele. Möglich wäre aber auch eine Einfachrunde. Dann würde sich die Zahl der Spiele auf maximal 18 reduzieren.

Warum gerade jetzt?

Die Klubs aus der englischen Premier League stehen vor einer exorbitanten Erhöhung der Fernsehgelder. Zwischen 2016 und 2019 erhalten sie den Rekordbetrag von knapp sieben Milliarden Euro. Die Premier-League-Klubs halten deswegen auch eher wenig von der privaten Superliga.

Nicht nur die Bayern fürchten, im Vergleich mit den Topklubs von der Insel finanziell abgehängt zu werden. Die Gründung einer Superliga würde in diesem Bereich zumindest ansatzweise wieder Chancengleichheit herstellen. Denn die Einnahmen, so interne Berechnungen der einflussreichen Klub-Vereinigung ECA, würden sich im Vergleich zur Champions League auf mehr als 2,5 Milliarden Euro verdoppeln.

Was sagen die SPORT1-Experten dazu?

"Schon die Champions League ist eine reine Geldbeschaffungsmaßnahme. Das lässt sich gut vermarkten", sagte Peter Neururer im Bitburger Fantalk auf SPORT1: "Wenn jemand auf die Idee kommen sollte, jetzt noch einmal eine Liga darüber zu gründen, macht er finanziell gesehen einen weiteren Schritt nach vorn. Aber damit macht man den gesamten Unterbau kaputt. Das heißt, es gibt dann die Eliteliga. Und alle anderen kümmern sich dann um Dinge, die irgendwann mal keinen mehr interessieren."

Auch Mario Basler sieht die Entwicklung skeptisch: "Ich denke, man sollte es so lassen, wie es ist. Man könnte die Europa League mit ein bisschen mehr Geld noch aufwerten. Dann würde vielleicht auch Tottenham nicht mit der zweiten Mannschaft nach Dortmund fahren. Wenn man das Geld etwas umverteilt, hätte man mehr davon, als jetzt eine neue Super-Superliga zu gründen."

Welche Folgen hätte eine Superliga für die Bundesliga?

Der Spielplan und die Anzahl der Bundesligisten bliebe von der Gründung einer Superliga unberührt. Allerdings könnten statt sieben künftig zehn Klubs international vertreten sein.

In Italien wird, um die Belastung für die Spieler nicht zu groß werden zu lassen, bereits über eine Verkleinerung der Serie A auf 16 Vereine diskutiert.

Für die Bundesliga könnte eine Superliga, "wenn sie gut konzipiert ist", von Vorteil sein, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert zuletzt. "Sie könnte für die Klubs globale Aufmerksamkeit mit sich bringen."

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