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Die glorreichen Sieben: Claudio Ranieri, Antonio Conte, Arsene Wenger, Mauricio Pochettino, Jürgen Klopp, Jose Mourinho und Pep Guardiola (v.l.) © Getty Images/Imago

SPORT1-Kolumnist Raphael Honigstein prophezeit zum Premier-League-Start einen Titel-Fight zwischen den Topklubs, schreibt einen Underdog aber nicht ab.

Im Western-Klassiker "Die glorreichen Sieben" heuern von Banditen geplagte mexikanische Bauern ausländische Pistolenschwinger an, die ihnen den Umgang mit Waffen beibringen.

Die Premier League folgt 2016/17 einem sehr ähnlichen Drehbuch: "the magnificent seven" (Times), eine aus allen Himmelsrichtungen zusammen getrommelte Trainer-Söldner-Gang, soll die Engländer lehren, wie man richtig (Tore) schießt. 

Den meisten Lärm wird dabei wie gewohnt Jose Mourinho machen. Der Portugiese hat das Kunststück vollbracht, im vergangenen Jahr Chelsea an die Wand zu fahren und trotzdem auf dem Chefsessel bei Manchester United zu landen.

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Harter Kampf um den Titel

Die zuletzt international wie in der Liga nicht mehr konkurrenzfähigen Red Devils setzen mit ihm und den Superstars Zlatan Ibrahimovic und Paul Pogba ganz auf die alte "Galactico"-Strategie von Real Madrid. Auf Kritik an den Wahnsinns-Ablösesummen reagierte Mourinho mit Spott. Große Namen sollen den Glanz zurück bringen. 

Kaum weniger kostspielig, allerdings eher mittelfristig ausgelegt ist die Kaderpolitik beim Rivalen Manchester City, wo der allseits begehrte Katalane Pep Guardiola gepflegten Positionsfußball inseltauglich machen will. Der Zweikampf Rot gegen Hellblau und Mou gegen Pep ist im Nordwesten der Insel schon für sich faszinierend, aber beide können sich hier nicht ausschließlich miteinander beschäftigen.

Der FC Liverpool und Chelsea werden, von Jürgen Klopp beziehungsweise Antonio Conte angetrieben, ohne internationale Belastung sehr viel näher an die Spitze heranrücken, wo auch Mauricio Pochettinos Tottenham und die Gunners von Arsene Wenger nicht kampflos das Feld räumen werden.

Leicester City, den Überraschungsmeister, darf man auch nicht vorschnell abschreiben. Claudio Ranieris Team hat bis auf N'Golo Kante keinen Leistungsträger verloren und sich hervorragend verstärkt. 

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Die Trainer sind die Anführer

Fußball wird in England traditionell als Spiel der Trainer inszeniert; als Wettstreit der Überväter, Stammesfürsten und Exzentriker. Die Coaches sind Gesicht, Sprecher und Anführer zugleich, von Spielern oder Vereinsfunktionären hört man unter der Saison vergleichsweise wenig.

Die Fokussierung auf die Männer auf der Bank erhöht den Druck und provoziert zwangsläufig Fehden, da alle ständig übereinander reden müssen. Dieses Theater verspricht angesichts der breiten Star-Besetzung in den kommenden Monaten medialen Dauerwirbel, und auch auf dem Rasen dürfte die Qualität der Veranstaltung deutlich besser werden. Die Premier League hat gemessen an ihren finanziellen Möglichkeiten noch immer zu wenige echte Top-Spieler, aber nun immerhin einen ganzen Strauß an Trainern, die ihre Kicker und Teams besser machen.

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Wer von den sieben Cowboys am Ende dieser Massen-Ballerei noch steht, lässt sich kaum vorhersagen, vielleicht reüssieren ja ein paar ganz andere Fremde, wie zum Beispiel Ronald Koeman (Everton), Slaven Bilic (West Ham) oder Claude Puel vom FC Southampton.

Für die Einheimischen ist dabei, im Gegensatz zur Western-Version, wo Ex-Dorfbewohner Horst Buchholz alias "Chico" glücklich wird, aber leider keine Heldenrolle vorgesehen. Eddie Howe (Bournemouth), Alan Pardew (Crystal Palace) und Sean Dyche (Burnley), die drei einzigen Engländer in der Liga nach der Beförderung von Sam Allardyce zum Nationaltrainer, sind in diesem Knaller nur als Statisten tauglich. 

Raphael Honigstein, geboren 1973 in München, zog 1993 nach London. Dort lebt und arbeitet er als Journalist und Autor. Für SPORT1 berichtet er in der Rubrik "London Calling" über alle Themen rund um den englischen Fußball. Honigstein arbeitet unter anderem für die "Süddeutsche Zeitung", das Fußballmagazin "11 Freunde", die englische Tageszeitung "The Guardian", den Sportsender "ESPN" und ist in England und Deutschland als TV-Experte tätig.

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