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München - Immer mehr Fans sahen Anlass zur Hoffnung, dass Daniel Bryan ein aktives Comeback bei WWE feiern könnte. Die Hoffnung trügt: Die Liga hat anderes vor.

Millionen von Wrestling-Fans bejubelten seinen unwahrscheinlichen Aufstieg zum WWE Champion, Millionen von Wrestling-Fans litten mit ihm, als er seine Karriere unfreiwillig beenden musste.

In den vergangenen Wochen nun schöpften die Anhänger von Daniel Bryan Hoffnung - es häuften sich die Anzeichen, dass sie doch noch ein aktives Comeback ihres Lieblings bei WWE erleben könnten.

Inzwischen wird immer deutlicher: Die Hoffnung trügt.

WWE rückt Daniel Bryan in den Fokus

Zwar ist Bryan zuletzt in seiner Rolle als (fiktiver) General Manager der TV-Show SmackDown mehr und mehr in den Fokus gerückt.

Sein schwelender Konflikt mit Sendungs-Boss Shane McMahon hinterlässt bei vielen Zuschauern den Eindruck, dass er auf eine Rückkehr Bryans in den Ring und ein großes Match mit McMahon hinausläuft.

Der Plan dahinter ist jedoch ein anderer. Dies berichten diverse US-Medien, die mit den Abläufen hinter den Kulissen der Showkampf-Liga vertraut sind. Und das bestätigen auch die jüngsten Aussagen von WWE-Vorstand Paul Levesque (Triple H).

Triple H bekräftigt: Gesundheit geht vor

Auf einem Pressetermin im Zusammenhang mit dem Jubiläumsausgabe der WWE-Sendung Monday Night RAW am 22. Januar stellte Levesque klar: "Wenn die Einschätzung lautet, dass er nicht gesund genug ist und es ein Risiko ist, dann wüsste ich nicht, warum wir ihm je wieder erlauben sollten, wieder in den Ring zu steigen - so lange nicht das Gegenteil bewiesen ist."

Es gebe da "keine Ausnahmen, aus medizinischer Sicht". Er könne Bryans Wunsch wieder zu wrestlen gut nachvollziehen: "Ich hoffe auch, dass er die Gelegenheit bekommt. Aber er ist auch ein verheirateter Mann und hat ein Kind. Wir denken zuerst an den Menschen."

Bryan will im Zweifel gehen

Levesque ließ sich mit diesen Aussagen zwar eine Hintertür offen, aber letztlich war es die Bekräftigung der seit Jahren geltenden WWE-Linie: Die zuständigen Ärzte der Liga halten Bryans Comeback wegen seiner Vorgeschichte mit schweren Kopfverletzungen für zu gefährlich.

Die Bosse um Levesques Vorgesetzten und Schwiegervater Vince McMahon folgen dieser Einschätzung. Nicht nur auch aus Angst um Bryans Wohlergehen, auch aus Sorge vor Negativ-Schlagzeilen im hochsensiblen Themengebiet Gehirnerschütterungen im Sport.

Daniel Bryan WWE Wrestling John Cena
Daniel Bryan gewann 2014 den WWE und den World Title © Imago

Dass Bryan selbst anderer Meinung ist und sich wieder in der Lage sieht aktiv zu werden, hat er vielfach bekräftigt - unter anderem in einem Gespräch mit SPORT1 im April vergangenen Jahres.

Die Folge: Es sieht alles danach aus, dass er seinen im September endenden Vertrag auslaufen lässt und dann in einer kleineren Liga neu anfängt. Bryan selbst hat bereits eine Rückkehr zu der Independent-Promotion Ring of Honor angedeutet, auch bei der aufstrebenden Japan-Liga NJPW ist er im Gespräch.

WWE plant Heel-Turn

Bleibt die Frage: Warum gibt WWE - entgegen ihrer sonstigen Gepflogenheiten - einem Star, den sie wohl verlieren wird, eine so prominente Rolle in ihren Storys?

Glaubt man dem gut informierten Wrestling Observer, ist der Hintergedanke folgender: Die McMahon-Liga möchte, dass Bryan vor seinem Abgang noch einen Heel-Turn hinlegt, einen Wandel zum Bösewicht und zum Steigbügelhalter von McMahons Feinden Kevin Owens und Sami Zayn.

Dies soll Bryans Popularität bei den Fans mindern und ihren Abschiedsschmerz verringern. Und es zugleich auch potenziellen Konkurrenten schwerer machen, auf Bryans Beliebtheit aufzubauen.

CM Punk traf der Schritt hart

Ein Sabotage-Akt, der auf den ersten Blick nach purem Kindergarten-Quatsch aussieht. In der Promoter-Logik von WWE ist der Gedanke dahinter aber keinesfalls abwegig - und dürfte sich für Bryan auch bemerkbar machen.

Zwar werden sich die eingefleischten Anhänger Bryan definitiv nicht madig machen lassen, es gibt aber immer noch sehr viele andere Zuschauer, die in ihrem Fan-Verhalten dem Gut-Böse-Schema der Wrestling-Storylines folgen. Mit durchaus handfesten Folgen.

Der frühere WWE-Star CM Punk - beim Hardcore-Publikum ähnlich beliebt wie Bryan - berichtete nach seinem Abgang 2014, dass sein Heel-Turn teuer zu stehen kam: "Ich wollte immer lieber Heel als Babyface sein, aber meine Schecks haben sich dann wegen der Merchandise-Verkäufe halbiert."

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